Künstliche Intelligenz – ein Werkzeug für Daimler

Artificial Intelligence beziehungsweise Künstliche Intelligenz und das Kürzel „KI“ hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Der ein oder andere ist vielleicht sogar schon vom wiederholten Hype genervt. Überall wird berichtet und spekuliert, wann uns ein Roboter gegenübersteht, der wirklich das Prädikat „intelligent“ verdient – was auch immer „Intelligenz“ genau heißt.

Seit April 2017 baue ich das neue Team „Artificial Intelligence Research“ in der Konzernforschung der Daimler AG auf. Unser Team ist ein zentraler Ansprechpartner für die Fachbereiche der Entwicklung von Mercedes-Benz. Eine Aufgabe, die das ganze Spektrum der Automobilentwicklung abdeckt und somit für mich als Car-Guy absolut faszinierend ist.

Von außen betrachtet wirkt das Thema maschinelles Lernen, welches die heutige KI-Szene dominiert, ziemlich komplex. Dabei ist es zunächst einmal „nur“ Mathematik – genauer gesagt: Statistik.

Individualität für den Kunden

Wir schauen uns in unseren Projekten große Datenmengen an und versuchen darin Muster zu erkennen. Aus diesen Mustern wiederum können wir Funktionen im Auto entwickeln, die zum Beispiel für mehr Komfort sorgen. Ein einfaches, fiktives Beispiel, das einen ersten Zugang zum Thema bieten soll: Wenn unsere Kunden eine Funktion, sagen wir die Sitzheizung, auf wiederkehrende Arten und Weisen – also nach Mustern – nutzen, können wir daraus ein System entwickeln, das widerrum kann die Nutzung voraussehen und sich automatisch anpassen kann.

Eine interessante Forschungsaufgabe ist in diesem Zusammenhang auch das Abschätzen von Emotionen der Insassen im Auto. Damit wäre es möglich, das immer größer werdende Angebot von Unterhaltungs- und Entspannungsprogrammen im Auto zielgerichteter zu präsentieren. Die Grenzen und Möglichkeiten davon bewerten wir aktuell mit Startups der Startup Autobahn und Forschungseinrichtungen.

Den Fahrern jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, ist aber nicht unser Hauptziel. Reagiert das Auto zu stark auf die individuellen Bedürfnisse seiner Insassen, kann das nämlich ganz schnell gruselig werden. Man fragt sich – wer hat hier jetzt eigentlich noch die Kontrolle? Unsere KI-Programme sollen dem Kunden mehr Komfort und Bediensicherheit geben, aber sie müssen immer nachvollziehbar und dürfen niemals aufdringlich sein.

Erfahrungen im Unternehmen

Auf unser eigenes Unternehmen angewandt heißt KI zum Beispiel: Wir schauen uns Konstruktionsdaten, die Daimler aus der Historie vorliegen hat, an, und versuchen Muster zu erkennen und daraus einen Assistenzen in Form eines Tools oder einer App zu entwickeln. Steigt ein junger Konstrukteur ins Unternehmen ein, kann ihm das System Hilfestellungen bei der Einarbeitung geben, weil es quasi schon alle Konstruktionen im Unternehmen kennt. So können wir den Erfahrungsschatz, der im Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut wurde, durch das Trainieren von Algorithmen nachhaltig sichern. Oft genügt schon der Vorschlag eines Kontakts zu einem erfahrenen Kollegen, um dem alten Problem „wenn der Daimler wüsste, was der Daimler weiß“ zu begegnen.

Kurzum: KI ist ein wichtiges Werkzeug für Daimler geworden. Dabei sind wir die Algorithmen-Experten, die mit ihrer Arbeit versuchen, die entscheidenden Muster in Fahr- und Nutzungssituationen, Bauteilen oder Testdaten zu erkennen. Haben wir diese gefunden, können wir gemeinsam mit den Fachbereichen der Entwicklung bestehende Funktionen verbessern oder gänzlich neue entwickeln. Gemeinsam mit internen Anwendern und Kunden testen wir danach erste Prototypen.

Gerade dieser Aspekt macht KI zu einem sehr interdisziplinären Feld aus Algorithmikern, Funktionsentwicklern, Psychologen und Designern.

Die Künstliche Intelligenz-Szene wächst

Nicht nur unser Team ist schnell gewachsen, sondern auch die Mitgliederzahlen unserer konzernweiten AI Community wachsen rasant. Damit halten wir uns durch virtuelle Meetings und persönliche Treffen stets gegenseitig auf dem Laufenden und leben so die digitale Transformation.

Aber auch außerhalb des Konzerns sind wir präsent – neben Startups sind Universitäten für uns ganz wichtige Partner. Seit einem Jahr sind wir beispielsweise Partner des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory des MIT in den USA sowie Gründungsmitglied des Cyber Valley hier in der Region. Mit Hackathons wie zum Beispiel letzten November in der Motorworld in Böblingen gemeinsam mit der Daimler TSS GmbH konnten wir interessierten Studierenden aus Karlsruhe, Stuttgart, Ulm und Tübingen einen kleinen Einblick in unsere tägliche Arbeit geben.

Sie halten Artificial Intelligence nicht für eine neue Kunstrichtung, Mathematik war immer schon Ihre Stärke und Sie haben Lust, im AI-Team von Daimler zu arbeiten? Hier geht’s zu unseren offenen Stellen


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Dr.-Ing. Steven Peters, Jahrgang 1987, trat im Februar 2016 in die Konzernforschung der Daimler AG ein und baut dort seit April 2017 das neue Team „Artificial Intelligence Research“ auf. Zuvor war er Oberingenieur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und von 2014-2015 zusätzlich KIT-Industry Fellow der Daimler AG.

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