Gemeinsam mehr erreichen – „Wasser zum Leben” in Mozambique

Heute breche ich mal wieder auf ins Landesinnere meiner Heimat, Mozambique. Weg vom Schreibtisch in Chimoio – raus ins Projektgebiet. Genauer in die Distrikte Guro und Tambara. Eine beschwerliche Fahrt über Schotterpisten liegt vor mir.

Rund 300 Kilometer. Mehrere Stunden über Stock und Stein. Die Reise ist jedesmal so beschwerlich und auch nicht ganz ungefährlich. Ich habe entschieden, gleich eine Woche vor Ort zu bleiben. Eine Woche Zeit für die Familien und Dorfgemeinschaften, die sich an unserem Projekt “Wasser zum Leben” beteiligen.

Mit Unterstützung der Daimler AG und von Caritas international erproben wir unterschiedliche Bewässerungssysteme im Halbwüstenraum. Wir wollen herausfinden, wie das vorhandene Wasser am besten genutzt werden kann, damit möglichst viele Menschen davon profitieren. Die ersten Erfahrungen sind gesammelt – jetzt wollen wir gemeinsam reflektieren.

Fluss als Wasserspeicher

In der Gemeinde Chiua konnten wir gemeinsam mit der Dorfbevölkerung den verfallenen Staudamm wieder in Stand setzen. Der kleine Fluss am Ortsrand kann so auch in der Trockenzeit als Wasserspeicher genutzt werden. Im August 2016 waren die Arbeiten abgeschlossen. Im Novemeber kam endlich der lange erwartete Regen.

Dank der Unterstützung durch Daimler und Caritas international konnten wir 60 besonders bedürftigen Familien frisches Saatgut für den Gemüseanbau zur Verfügung stellen. Mit dem Wasser aus dem aufgestauten Fluss ist eine Bewässerung möglich. Für die Unterstützung der Dorfbewohner haben wir außerdem zwei Wasserkommitees gegründet.

Mit Know-how lässt sich der Ernteertrag steigern. Caritas-Experten unterstützen die Bevölkerung in Mozambique (Quelle: Caritas international)

Gemeinsam übernehmen die Dorfbewohner Verantwortung für den Erhalt des Staudamms und für die Bewässerung der Felder. Ein Techniker begleitet die Gruppen und dokumentiert die Erfahrungen. Mit den ersten Zwischenergebnissen bin ich sehr zufrieden. Es zeigt sich immer wieder, wenn die Dorfgemeinschaften aktiv zusammenarbeiten, wenn einzelne Personen gemeinsam Verantwortung übernehmen, wenn Risiko und Ertrag geteilt werden können, dann sind unsere Projekte besonders nachhaltig.

Brunnen als Wasserspeicher

Dies gilt auch für den Projektstandort in der Gemeinde Nhamalena. Hier unterstützen wir Familien, Brunnen am Rande des Flussbettes anzulegen. In der Regel nutzen die Familien das Wasser aus den Brunnen, um die Hausgärten zu bewässern.

Im Rahmen des Projektes konnten wir nun auch ein Gemeinschaftsfeld anlegen und dieses mit Unterstützung  von Pumpen bewässern. Die Familien haben eine Landwirtschaftsgruppe gebildet und bauen gemeinsam Gemüse, Hülsenfrüchte  und Getreide an. Bei meinem Projektbesuch zeigt sich, dass die Idee erfolgreich umgesetzt wird und sich das Einkommen der Familien steigern lässt.

Die Gemeinde Chigoza-Chiuta liegt ebenfalls am Rande eines kleinen Flusses. Mit der Dorfgemeinschaft haben wir auch hier Gemeinschaftsfelder angelegt. Der Gemüseanbau wird duch den Einsatz einer Motorpumpe zur Bewässerung möglich. Das Wasser kommt aus dem kleinen Fluß. Für Wartung und Einsatz der Pumpe sind die Familien gemeinsam verantwortlich. Auch das Kraftstoff wird gemeinsam finanziert – alleine wäre dieser Fortschritt für die einzelnen Familien nicht zu stemmen.

Erste Erfahrungen – Es bleibt einiges zu tun

Als Projektleiter ist es mir sehr wichtig, genau hinzuhören und intensiv nachzufragen. Bei den Reflexionstreffen können wir gemeinsam lernen – auch von den Fehlern oder kleinen Rückschlägen: Ich bin sehr zufrieden über das, was mir die Familien aus den beteiligten Dörfern berichten. Die Nähe zu den kleinen Flüssen im jeweiligen Projektgebiet ist eine große Chance. Mit den implementierten Maßnahmen kann das vorhandene Wasser besser genutzt werden.

Vielleicht haben wir auch bald die Chance Zisternen anzulegen, um noch besser Regenwasser und Wasser aus den Flüssen für die Trockenzeiten zu speichern. So könnten wir die Abhängigkeit von den Regenfällen noch weiter minimieren.

(Neue) Probleme

Stolz bin ich, dass in den ersten Projektmonaten die Landwirtschaftsproduktion erfolgreich ausgebaut werden konnte. Aber die Dorfältesten berichten auch von (neuen) Problemen: Während der Regenzeit sind Wege und Straßen in der Region nahezu unpassierbar. Damit konnte auch die Ernte nicht auf die lokalen Märkte zum Verkauf gebracht werden. Ich verstehe die Frustration, die das auslöst. Hier müssen wir in den kommenden Monaten Lösungen finden, ebenso für den Schutz der Gemeinschaftsfelder vor Viehherden und Schädlingen.

Im Vordergrund stehen aber eindeutig die positiven Erfahrungen. Besonders unsere Investitionen in die Gründung von Produktionsgruppen und Wasserkommitees haben sich bewährt. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung sind ein großer Gewinn.

Mit den richtigen Ideen ist auch in Halbwüstenregionen Landwirtschaft möglich (Quelle: Caritas international)

Dies gilt auch für mich. Immer noch denke ich gerne an meine Projektreise nach Indien zurück. Im November 2017 konnte ich auf Einladung von Caritas international und Daimler nach Neu-Delhi reisen. Hier habe ich Caritas-Kollegen aus Brasilien und Indien getroffen. Die Kollegen arbeiten nahezu an den selben Herausforderungen. Durch die Daimler-Projektförderung können wir gemeinsam Erfahrungen sammeln, voneinander lernen und verschiedene Ansätze auf drei Kontinenten erproben.

Der internationale Workshop in Indien hat mir die Möglichkeit gegeben, Neues zu lernen. Von den Kollegen aus Indien habe ich zum Beispiel die Idee übernommen, Staubecken zu vertiefen. In tieferen Becken verdunstet das Wasser nicht so schnell. Tiefere Staubecken geben uns die Möglichkeit mehr Wasser zu speichern und zusätzlich können wir den nährstoffreichen Boden auf den umleigenden Feldern ausbringen. Sozusagen als Dünger.

Wenn ich von dieser Fahrt zurück in meinem Projektgebiet bin, möchte ich den Kollegen aus Indien schreiben, dass ihre Idee nun auch in Mozambique Früchte trägt – im wahrsten Sinne des Wortes.


Bilder: Caritas international


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Er ist Projektleiter des Caritas-Daimler-Kooperationsprojektes “Wasser zum Leben” in Mozambique. Im November 2016 hat er an einem internationalen Austausch-Workshop mit Kollegen aus Brasilien, Indien und Daimler-Mitarbeitern aus Indien und Deutschland teilgenommen.

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