Pendel-Wahnsinn I: Senk ju vor träwelling wis Deutsche Bahn

Mehr als die Hälfte der Deutschen (59,4 Prozent) tut es, mehr oder weniger freiwillig, mal länger, mal kürzer: Pendeln zum Arbeitsplatz. Ich bin eine von ihnen, Laura Bürkle, Praktikantin beim Daimler-Blog. Als Bahn-Pendlerin könnte man meinen, dass ich meine erste Wutprobe schon vor Arbeitsbeginn hinter mir habe. Aber im Gegenteil: Ich nutze den Pendel-Wahnsinn einfach als persönliche Wellness-Zeit!

Montagmorgen, 6:55 Uhr, meine WG in Tübingen. In sieben Minuten kommt mein Zug. Winterjacke an, Tasche gepackt. Kurzer Check: Geldbeutel, Handy, Schlüssel, Zugfahrkarte, Labello. Los geht’s!

Im Laufschritt Richtung Tübinger Bahnhof. Da steht sie schon: die feuerrote und hoffentlich gut beheizte Regionalbahn nach Stuttgart, außen mit mehr oder minder hübschen Graffitis.

Fünf Tage die Woche, meistens der gleiche Waggon und manchmal sogar derselbe Sitzplatz. Mich erwarten verschnupfte Nasen und müde Gesichter. Oder starre Blicke auf das „überlebenswichtige“ Smartphone.

Pendel-Wahnsinn

Die Uni in Tübingen liegt knapp einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt und ist zu Fuß gut zu erreichen. Vor meiner Zeit als Praktikantin in der Unternehmenskommunikation bei Daimler war Pendeln daher nicht notwendig. Vom Hörensagen wusste ich: Pendeln ist viel zu stressig, die Bahn hat oft Verspätung und bei einer Grippewelle steckt sich jeder bei jedem an.

Da ich in einer typischen Fahrrad-Stadt studiere, dem wunderschönen und super grünen Tübingen, unterstütze ich die umweltfreundliche Zugfahrerei natürlich gern. Aus meinen Erinnerungen als junges Mädchen weiß ich, dass Zug fahren Spaß macht und eigentlich ganz lustig sein kann. Zumindest als Kind war die Reise mit der Bahn eine aufregende Sache. Mit der Schulklasse unterwegs, der besten Freundin neben sich und dem Proviant von Mama in der Tasche.

Pendel-Alternativen

Abgesehen davon, dass heutzutage Schulklassen im Zug mein absoluter Albtraum sind, halte ich diese Art von Pendeln immer noch für eine gute Alternative zum Autofahren. Aber sind wir mal ehrlich, hätte ich einen schicken Benz vor meiner Haustüre stehen, könnte ich auf die sardinenschachtelähnlichen Fortbewegungsmittel in manchen Fällen schon verzichten.

Außer man steht im Stau. Es ist schon nervig, im Schritttempo einem anderen Auto zu folgen. Und wie man es im Supermarkt an der Einkaufskasse nicht anders kennt, entscheidet man sich meist auch noch für die falsche Spur. In dieser Zeit möchte ich am Handy sein, etwas Spannendes lesen oder Seminartexte für die Uni – weniger spannend – bearbeiten. Vorteile, die ich mit der Bahn habe – und beim Auto der Zukunft hoffentlich haben werde.

Stichwort autonomes Fahren. Ich bin gespannt, was Daimler ermöglicht, damit Autofahrer zukünftig das Steuer aus der Hand geben können. Forschungsfahrzeuge sind bereits unterwegs und prüfen das selbstständige Fahren auf alle Ecken und Kanten – und das sogar auf unterschiedlichen Kontinenten. Prototypen wie die Mercedes-Benz S-Klasse S 500 Intelligent Drive beweisen, dass die technischen Voraussetzungen bereits gegeben sind und dass Autonomes Fahren in Zukunft weltweit stattfindet.

Pendel-Wellness

Pendeln kostet nicht nur Geld und Nerven, sondern auch Lebenszeit. Doch für mich ist es persönliche Freizeit. Zeit, auf die ich mich freue. Sei es zum Lesen, Musik hören oder einfach nur Tagträumen. Die vorbeiziehende Landschaft und der tiefhängende Nebel über den schneebedeckten Feldern am frühen Morgen laden gerade dazu ein.

Interessanterweise stört es mich beim Zugfahren nicht, dass viele Menschen um mich herum sind – solange es fremde Menschen sind. Die meisten mögen genau deswegen keine öffentlichen Verkehrsmittel. Aber ich kann sehr gut abschalten, wenn es Personen und Geräusche sind, die mich nicht betreffen.

Für die richtige Entspannung spielt natürlich die Kommunikationskultur von uns Pendlern eine wichtige Rolle: man nickt sich bei Gelegenheit zu, aber kaum jemand versucht einen ins Gespräch zu verwickeln. Eine schweigsame Gruppe der Bahnfahrer eben.

Pendel-Community

Erst bei Zugausfällen, Verspätungen wegen einer Weichenstörung oder sonstigen Hindernissen – da schimpfen wir gemeinsam über die Bahn, was für ein „Sauladen“ das ist und welche Alternativen es gibt. Wir sind eben doch eine Community: von den 19.000 Daimler-Mitarbeitern im Werk Untertürkheim pendeln fast alle mit dem Fahrrad, Auto oder Zug – wie jetzt auch ich.

Jeden Morgen, von Montag bis Freitag, geht es um kurz vor sieben Richtung Esslingen. Zehnmal müder und 50 Minuten später heißt es: „Nächster Halt: Esslingen. Ausstieg in Fahrtrichtung links.“ Auf in die Kälte! Fünf kurze und kalte Minuten später, kommt die S-Bahn Richtung Böblingen und wer keinen Sitzplatz bekommt, steht sich die Beine in den Bauch.

Im Nahverkehr treffe ich auf viele Schlipsträger und Daimler-Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber stolz auf Mercedes-Benz Jacken oder Rucksäcken tragen.

Vier Stationen später geht’s im schnellen Schritt Richtung Werkstor Untertürkheim. Einerseits um der Kälte zu entfliehen, andererseits um mit dem Tempo der anderen Mitarbeiter mithalten zu können. Am frühen Morgen hat es irgendwie jeder eilig.

Angekommen im Warmen. Ich ziehe meine Stempelkarte durch und weiß, dass in ungefähr acht Stunden der ganz normale Pendel-Wahnsinn wieder von vorn losgeht. Aber das ist in Ordnung, denn schöner als zum Daimler pendeln ist nur noch heim pendeln.


Fotos: Paul Mehnert, Daimler AG
Pendeln ist nicht jedermanns Sache, dafür vielleicht ein Praktikum bei Daimler.


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