Vom Aschenputtel zum Medienstar: Geschichte einer G-Klasse

In wenigen Tagen wird auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit mein kleiner Bruder, die neue G-Klasse, vorgestellt. Bevor der Kleine sich ins Rampenlicht drängt, will ich aber noch die Gelegenheit nutzen, um euch meine Geschichte zu erzählen: Wie ich in 36 Jahren vom Aschenputtel zum Medienstar wurde.

Im Juli 1982 hat man mich aus der steiermärkischen Idylle rausgerissen, eingesperrt in einen Container und über den Brenner verschickt. Im wohlhabenden Piemont, dem Land der Trüffel und des mächtigen Barolo, war ich nicht mehr als ein zur Schau gestellter Wagen. Im Schatten von Montblanc und Monte Rosa – da beginnt meine Geschichte.

Herr Pigotti, Besitzer eines Weinguts mit eigener Vermarktung fand Gefallen an mir, dem kleinen deutschen Geländewagen. „Made in West-Germany“ war in Italien ein Gütesiegel ersten Ranges und Mercedes galt gemeinhin als sehr zuverlässig. Es war eine besondere Liebe zwischen uns beiden kantigen Charakteren.

Ich, der kleine beige G, verrichtet klaglos jeden Tag meine Arbeit und der alte Herr verwöhnte mich mit außerordentlicher Pflege. Deshalb sind Achsen, Getriebe, Verteilergetriebe und Motor noch heute im Originalzustand. Wir gehörten zum Stadtbild von Aosta wie der Steinbock zum Gran Paradiso und das über 28 Jahre lang.

Doch dann passierte etwas, mit dem keiner gerechnet hatte: ich überlebte meinen Besitzer. Und das nach gerade mal 85.000 Kilometern. Da stand ich nun herum und niemand hatte eine Verwendung für mich. Zu alt, zu schwach, zu langsam, zu laut sagten meine Erben und verschleuderten mich alte Kiste an einen Autohändler. Der machte sein Geld mit alten Sportwagen – mich übernahm er nur als „Freund der Familie“, sozusagen.

Das automobile Schicksal jedoch meinte es gut mit mir. Der Zufall wollte es, dass just zu dieser Zeit ein Oldtimer-Händler auf der Suche nach alten Ferrari und Porsche Modellen an diesem Autohaus vorbeikam und dabei mich entdeckte. Überrascht vom guten und originalen Zustand waren sie sich schnell einig. Als Beifang, im Anhänger neben Testarossa und 911 Targa, reiste ich nach Deutschland, ins Schwabenländle.

Und da kommt mein jetziger Besitzer ins Spiel. Seit Jahren durchforstet er die Internet Suchmaschinen nach einem historischen zivilen G-Modell im originalen unverbastelten Zustand. Was soll ich sagen? Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Umso elektrisierter starrte er auf mein Bild, welches im Showroom eines Stuttgarter Händlers ausgestellt war. Sofort war ein Besichtigungstermin vereinbart und nur wenige Stunden später war er mein zweiter Besitzer.

Und wieder spielte der Zufall eine entscheidende Rolle. Wie jeder ernsthafte G-Besitzer trat auch er in den Mercedes Geländewagen Club ein, genau zu der Zeit als die Marketing Abteilung von Mercedes-Benz historische G-Modelle für eine Presseveranstaltung suchte.

Ursprünglich hatte mich mein Besitzer für die Jagd zugelegt. Erst als er realisierte, dass ich aufgrund meiner Farbe, Motorisierung, Ausstattung und Tropendach einzigartig bin, begann er die Nutzung zu überdenken. Da ich noch einen Monat bis zur H-Zulassung (H = historisch) benötigte, konnte er mich bedenkenlos ausleihen und startete dadurch unbeabsichtigt meine späte zweite Karriere.

Nach der Presseveranstaltung folgte bald ein Fotoshooting bei Auto Motor Sport Klassik – stets in Begleitung von meinem Besitzer.

Und nach einem Filmtermin für VOX Automobil, der in Graz gedreht wurde, folgte später eine weitere Presseveranstaltung in Graz. Und schließlich wieder ein Fotoshooting in Kitzbühel für das Mercedes-Benz Classic Magazin. Die nächsten Termine sind schon gebucht.

Wer jetzt aber denkt, ich kann nur Show, dem kann ich versichern, dass mein 72 PS Diesel meine Besitzer auch mit jetzt fast 36 Jahren immer noch zuverlässig in den Urlaub und zurück bringt. Meistens geht es in die Dolomiten oder für einen Wochenendtrip an den Bodensee. Am Haken hängt dabei immer ein Eriba Touring – wir beide sind ein starkes Gespann. Und haben noch viel vor! In naher Zukunft ist eine mehrwöchige Reise ans Nordkap geplant.

Wer hätte 1979 schon gedacht, dass meine Nachfolger in 2017 einzigartige Lifestyle Luxus Produkte sind. Beliebt bei den Schönen und Reichen dieser Welt und trotzdem geliebt vom Auto-Fan mit kleinerem Budget.


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Der kleine deutsche Geländewagen ist 36 Jahre alt und hat seinem jetzigen Besitzer eine zweite Karriere als Medienstar zu verdanken.

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