Mehr als Yin und Yang: Hier zeigt Daimler seine neue China-Kunst

Hallo! Ich heiße Ramona und bin seit Oktober Praktikantin bei der Daimler Art Collection in Berlin. Schon als kleines Kind musste man mir nur Buntmalstifte in die Hand drücken und ich war stundenlang beschäftigt und überglücklich.

Diese Leidenschaft für Kunst hat sich bis heute gehalten, auch wenn ich im Endeffekt nicht den Lebensweg einer Künstlerin eingeschlagen habe (außer in den Augen meiner Mutter, die schon immer größter Fan meiner Krakelarbeiten war). Stattdessen studiere ich Kunstwissenschaft im Master an der TU Berlin (ja, den Studiengang gibt es dort) und muss „nur“ noch meine Masterarbeit schreiben.

Zhang Ding Sayles Utopia Group

Das Arbeiten in der Daimler Art Collection bietet dafür reichliche Ideen und Anreize. Hier habe ich eine Vorstellung davon bekommen was es heißt, „Kunsthistoriker“ zu sein. Das Team der Daimler Art Collection Berlin ist klein, besteht gerade mal aus fünf Personen. Das Gute daran: Jeder darf überall mit anpacken und alle Bereiche kennenlernen, die mit Kunst, Ausstellung, Management zu tun haben.

Last Night’s Fortune Teller

Seit 2013 hat die Daimler Art Collection ihr internationales Profil mit mehr als 40 Werken von etwa 20 chinesischen Künstlerinnen und Künstlern um einen wesentlichen Aspekt internationaler Gegenwartskunst erweitert. „Last Night’s Fortune Teller“ ist der dritte Teil einer Ausstellungstrilogie mit Neuerwerbungen chinesischer und internationaler Kunst im Daimler Contemporary Berlin.

Teil 1 stellte konzeptuelle Strategien und Viedoarbeiten in Zentrum, Teil 2 fokussierte die Medien Fotografie und Skulptur. Der dritte Teil zeigt uns jetzt abstrakte Kunst chinesischer, deutscher und internationaler Künstler.

Huws Issa

Eine meiner ersten Aufgaben bei der Daimler Art Collection war das Verwalten der Preview-Gästeliste der neuen Ausstellung. Rückblickend kann ich nicht mehr sagen, wie viele personalisierte Einladungen ich angepasst, in Pdf formatiert und individuell verschickt habe. Mir erscheint die Zahl als unendlich groß, aber meine Excel-Tabelle meint ca. 400. Manchmal träumte ich sogar nachts, dass ich vergessen habe, jemanden „Ganz wichtiges“ einzuladen…

Eine „Preview“ ist ein Abend vor der Eröffnung einer Ausstellung, zu der nur auserwählte Gäste und die Künstler eingeladen werden. Das ist etwas Besonderes, denn man trifft Künstler wie Ulrich Erben oder Bethan Huws nicht jeden Tag. Ich war super gespannt auf dieses Event! Noch nie hatte ich Künstler kennengelernt, deren Werke auszustellen ich mitgeholfen habe.

Screenshots aus Film, Copyright Maren Sextro

Die Daimler Art Collection

Man fragt sich an diesem Punkt vielleicht, was Daimler eigentlich mit Kunst zu tun hat. Viele Leser wissen vielleicht auch nicht, dass Daimler überhaupt eine Kunstsammlung besitzt (diese beinhaltet immerhin an die 2.700 Werke von 700 verschiedenen Künstlern). Das möchte ich kurz ein wenig erläutern.

In ihrer Konzeption und Zielsetzung geht es der Daimler Art Collection – gegründet übrigens im Jahre 1977 – nicht bloß um eine „hübsche“ Ausstattung des Konzerns (auch wenn das natürlich dazugehört). Zuerst galt ihr Interesse vor allem Künstlern aus dem süddeutschen Raum (z.B. Willi Baumeister und Hans Arp). Aber seit 2001 hat die DAC ihren Blick auch über den Tellerrand Europas gewagt und hat die Sammlung um internationale Kunst erweitert, in welchen Daimler/Mercedes-Benz in verschiedener Weise präsent ist.

Die Idee, einen „chinesischen Schwerpunkt“ aufzubauen ergab sich quasi von selbst aus der Internationalisierung der Sammlung (schließlich ist Daimler selbst ein international tätiges Unternehmen). Vor allem aber ist China ein wichtiger Markt für Daimler. Daher die Fokussierung.

Humphrey und Panetta sorgen für Diskussionen

Nach fast zwei Monaten Einarbeitungszeit war dann endlich der Abend gekommen und ich erwartete gespannt die ersten Gäste. Nachdem man so viel Zeit mit einer Gästeliste verbracht hat, ist man dann doch sehr gespannt darauf, welche Gesichter und Persönlichkeiten sich hinter den Hunderten von Namen verbergen. So musste ich mich zurück halten um nicht gleich jeden Gast mit der Frage „Und wie heißen Sie/Wer sind Sie?“ zu bombardieren. Gott sei Dank gab es auch Sekt, der zur Beruhigung meiner Nerven wesentlich beitragen konnte.

Es war total spannend mit anzusehen, wie fremde und „frische“ Augen die neue Ausstellung aufnahmen und ihre Reaktionen mitzuerleben.  Direkt rechts am Eingang begrüßt ein Humphrey Bogart (Werk „Object trouvée (smile)“ von Guillaume Bijl) im stilechten Casablanca-Look die Besucher und sorgte für reichlich Entertainment.

Eine große Diskussion entstand hier vor allem über seine Körpergröße (unser Humphrey ist tatsächlich ein wenig „überlebensgroß“, wenn man beachtet, dass Herr Bogart einfach sehr klein war). Ich würde sagen, er war das am meisten fotografierte Stück in unserer Ausstellung.

Zu einer anderen Art von Diskussion führte zudem Patrick Fabian Panettas „Booth for sale“. Hier kam die Meinung auf, das sei doch eine typische „Proleten-Arbeit“. Zum Verständnis: Herr Panetta bot in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine für ihn vorgesehene Ausstellungsfläche zum Verkauf an. Die Kunst des Käufers wiederum wurde dann in diesem Booth (der Ausstellungsfläche) zum Verkauf anboten.

Patrick Fabian Panetta, PROXY AFFAIRS (SOLD), Daimler Contemporary, Last Night’s Fortune Teller, 2013

Das Werk beinhaltet alle Elemente dieses Booths, samt Wand, Tisch, usw. Damit hat Panetta nicht nur die üblichen Regeln einer Kunstmesse durcheinandergebracht, sondern auch die Anforderungen an Sammlung und Präsentation seines Konzeptes an die Grenze der Absurdität geführt.

Häppchen, Sekt und gute Gespräche

Trotzdem oder gerade deswegen würde ich sagen, die Preview war ein voller Erfolg. Die Stimmung war ausgelassen, die Kunst einzigartig und der Wein süß. Mit meiner Vorgängerin konnte ich mich nicht nur über ihre Zeit bei der Daimler Arts Collection unterhalten, sondern auch durch die gereichten Häppchen futtern. Die Lachs-Häppchen schnitten unserer Meinung nach übrigens am besten ab, aber die Rucola-Tomaten-Röllchen waren auch nicht schlecht. Mein Favorit war allerdings das Dessert: Weiße und dunkle Schokoladenmousse mit Kirschbelag. Aber ich schweife ab.

José Heerkens, Evensong (blue L1), Daimler Contemporary, Last Night’s Fortune Teller, 2016

Genauso gut wie das Essen war natürlich die Ausstellung. Das Zusammenspiel von Chinesischer und Internationaler Kunst wirkte auf dem Papier schon gut, war aber als fertige Ausstellung fantastisch. Nicht einmal das Papier an Monika Brandmeiers „Papierwagen“ hat Schaden genommen.

Monika Brandmeier, Ohne Titel (Papierwagen), Daimler Contemporary, Last Night’s Fortune Teller, 1995

Ich hatte ja den Vorteil miterleben/miterarbeiten zu können, wie diese Ausstellung umgesetzt wurde. Ich durfte zahlreiche Werkdossiers (eine Art Übersicht über den Erhaltungszustand der Werke) für unsere Restauratorin erstellen, Transporte, Abholungen und Anlieferung koordinieren und Textschilder korrigieren, korrigieren, korrigieren. Diese Arbeit dann endlich fertig zu sehen, ist sehr befriedigend und macht einen stolz.

Die Preview war also der krönende Abschluss einer super intensiven Arbeitsphase. Die Künstler persönlich zu treffen war wohl am spannendsten. Denn der Moment, wenn sich einem jemand vorstellt mit den Worten: „Ich bin José Heerkens“ und man realisiert: „OMG, das IST José Heerkens! Sie hat das Bild geschaffen, neben dem ich gerade stehe!“, ist einzigartig.

Man wird dann auf einmal ganz hibbelig vor Aufregung und weiß nicht mehr, was man grade sagen wollte. Wenn einem dann noch eine Simone Westerwinter, deren Werk man besonders cool findet, sagt, wie schön sie dein Kleid findet und dass sie gern ein Foto mit einem machen möchte, dann muss man schauen, dass sich der Blutdruck irgendwie wieder beruhigt.

Ramona Jennifer Diem und Künstlerin Simone Westerwinter

Zusammen fassend kann ich sagen, dass der gesamte Abend einfach ein tolles Erlebnis war. Jeder Mitarbeiter der Daimler Art Collection konnte live erleben, dass sich die lange Arbeit ausgezahlt hat. Und ich, die Kunst-Studentin? Ich fuhr trotz plattgelaufener Füße und immer enger werdendem Kleid (die Häppchen…) mit einem dicken Grinsen nach Hause – mein Traum war wahr geworden!


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Sie ist 25 Jahre alt und studiert Kunstwissenschaft im Master an der Technischen Universität in Berlin. Derzeit macht sie ein Praktikum bei der Daimler Art Collection in Berlin.

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