Saison-Abschluss-Interview mit Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton verrät im Saison-Abschluss-Interview mit dem Daimler Blog wie er seine Zuverlässigkeit verbessert hat, welcher Lieblings-TV-Serie er sich in den Weihnachtsferien widmet und welchen Job er bei Daimler hätte, wenn er kein Rennfahrer wäre.

Aus unserer Sicht war es für Dich und für Mercedes eine perfekte Saison. Aber wie sieht Dein persönliches Resumee aus?

Lewis Hamilton: Das war eine großartige, aber ganz sicher keine perfekte Saison. Es gibt immer Bereiche, in denen man sich verbessern kann, zum Beispiel unseren Saisonstart. Klar, wir haben zwölf Rennen gewonnen, aber insgesamt sind es 20 Rennen. Eine Saison ist also dann perfekt, wenn man jedes Rennen gewinnt. Und das hat noch niemand geschafft. Aber das ist etwas Positives, weil es bedeutet, dass man sich immer noch verbessern kann. Ganz sicher aber war diese Saison eine unserer stärksten. Der Saisonbeginn war ein wenig schwankend, aber der zweite Teil war sehr beständig. Die Zuverlässigkeit war so gut wie noch nie. Ich glaube, dass unsere Zuverlässigkeit bei 95 oder 98 Prozent lag. Das ist sehr hoch.

Wusstest Du an einem bestimmten Punkt in der Saison, dass Du die Weltmeisterschaft wieder holen kannst?

Noch vor dem ersten Rennen.

Wirklich? Warum?

So gehe ich an jede Saison heran. Das ist auch meine Einstellung für’s nächste Jahr. Wenn ich trainiere und mich vorbereite und die Jungs in der Fabrik ihre Arbeit tun, können wir glaube ich auch nächstes Jahr wieder ganz vorne dabei sein und um den Titel kämpfen. Natürlich kann es sein, dass es dann doch nicht klappt. Aber diese Einstellung brauchst Du. Stell Dir vor, Du stellst Dich darauf ein, Fünfter zu werden. Und dann arbeitest Du dafür hart und trainierst dafür hart – um Fünfter zu werden? Das ist nicht das Gleiche. Verstehst Du, was ich meine? Man muss sich auf’s Gewinnen einstellen.

Was war der größte Unterschied zur vorherigen Saison?

Ich glaube, die Zuverlässigkeit von meiner Seite war viel besser.

Wieso?

Wir haben unseren Job einfach viel besser gemacht. Letztes Jahr lief es mit einigen Zuverlässigkeits-Problemen ein bisschen unglücklich. Und auch meine Performance und meine Starts waren dieses Jahr viel besser. Letztes Jahr waren sie nicht gut. Und was meine eigene Leistung angeht, lag mir das Auto dieses Jahr viel besser, und ich konnte von Rennen zu Rennen mehr herausholen.

Hast Du an den Starts gearbeitet?

Ja. Ich arbeite jedes Jahr an den Starts, dieses Jahr aber noch mehr als sonst.

Glaubst Du, dass die nächste Weltmeisterschaft härter zu holen wird, weil Ferrari und Red Bull aufholen?

Das denke ich schon. McLaren wird einen Renault-Motor haben, sodass wohl vier Teams um den Titel kämpfen werden. Im nächsten Jahr dürfte Red Bull schneller und Ferrari sicher schnell sein. Deshalb können wir uns nicht zurücklehnen, sondern müssen uns weiter entwickeln.

Du hast die Produktionsanlagen hier in Sindelfingen besucht. Und ich habe gehört, dass Du auch ein bisschen mit gearbeitet hast. Was hast du gemacht?

Ich habe nicht wirklich gearbeitet. Ich habe nur bei zwei Autos die Autoschlüssel synchronisiert.

Na ja, das muss auch jemand machen.

Ja, es war echt cool, das zu sehen. Wenn man ein Auto hat, fragt man sich, woher der Schlüssel kommt. Verliert man einen Schlüssel, fragt man sich, wie sie ihn mit dem Auto neu synchronisieren. Das weiß ich jetzt also. Die Produktionslinie fasziniert mich immer wieder. Wenn man mit eigenen Augen sieht, wie sich die Roboter bewegen und die Leute arbeiten und dabei in zwei Schichten 1000 Autos fertigstellen. Diese Anzahl Autos ist einfach der Wahnsinn!

Hat Dich heute auch etwas überrascht?

Nein, weil ich schon einmal hier war. Was ich vielleicht nicht erwartet hatte, war die herzliche Begrüßung, als ich in die Kantine kam. Das war ganz sicher das Schönste des Tages.

Was hat Dich heute am meisten beeindruckt?

Am meisten beeindruckt haben mich die Mitarbeiter und wie hart alle arbeiteten. Wie gewissenhaft und fleißig alle sein müssen, damit diese Autos so zuverlässig sind. Die Qualitätskontrolle ist vielleicht das Beeindruckendste.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert, als sie Dich gesehen haben?

Manche haben gar nicht aufgeschaut und einfach nur weitergearbeitet. Manche haben mit ihren Handys Fotos gemacht. Manche haben vielleicht gar nicht bemerkt, dass ich es war. Es war positiv.

Stell Dir vor, Du wärst kein Rennfahrer, würdest aber trotzdem für Mercedes-Benz arbeiten. Was wäre dein Job?

Wenn ich nichts mit dem Rennsport zu tun hätte und noch nie Rennen gefahren wäre? Dann wäre ich wahrscheinlich im Design-Team.

Wieso?

Ich bin gerne kreativ. Mir gefällt es, die Linien und das Styling dieser Autos anzuschauen. Und ich habe dazu jede Menge Ideen. Selbst wenn ich in einen Mercedes einsteige, sehe ich Dinge, die ich vielleicht ein bisschen anders machen würde. Nicht, dass dort Veränderungen nötig wären, aber das ist wahrscheinlich etwas, was ich tun würde.

Kannst Du zeichnen?

Ich weiß nicht, ob ich noch zeichnen kann, aber wahrscheinlich schon. Jedenfalls war ich als Kind gut in Kunst.

Wenn Du Dich für Design begeisterst, was ist Deiner Meinung nach das schönste Auto, das wir haben?

Im Moment ist mein Favorit der GTC. Er sieht mit seinen heruntergezogenen, großzügigen Linien einfach fantastisch aus. Ein bisschen wie die Bestie aus der grünen Hölle. Und mit dem 63er-Motor bietet der GTC Leistung und ist elegant, aber trotzdem sportlich.

Wie sehen Deine Pläne für die Weihnachtsferien aus? Hast du ein bestimmtes Rezept zum Entspannen und Runterkommen?

Ich gehe jedes Jahr an den gleichen Ort,  in die Berge. Ich habe meine Hunde bei mir und bin im Schnee unterwegs. Dort ist es sehr ruhig und friedlich, und ich sitze fast den ganzen Tag vor dem Kaminfeuer. Ich fahre Ski, schaue mir Filme an und bringe mich bei bestimmten Fernsehserien auf den neuesten Stand.

Das überrascht mich jetzt! Ich hab einen Artikel über Dich gelesen mit der Zeile: „Ich bin gerne auf der Überholspur – nicht nur in meinem Job, sondern auch in der Freizeit“. Deshalb dachte ich, dass Du mir etwas über viele Unternehmungen und jede Menge Spaß in den Ferien erzählen würdest.

Oh, ich werde jede Menge Spaß haben. Nämlich dann, wenn die Skipiste schließt und wir den Tag ausklingen lassen. Meistens packen wir den Tag ganz voll und sind deshalb am Abend müde. Aber nach dem Mittagessen kann man „Game of Thrones“ anschauen. Wir sind immer in Bewegung, und wir sitzen selten längere Zeit still.

Gruß an die Daimler-Mitarbeiter

Hallo zusammen! Ich wollte Euch schnell noch eine Nachricht schicken. Ich bin heute hier in Stuttgart, aber ich wollte noch eine Botschaft an alle Kollegen hier schicken. Es war toll, hier zu sein. Ihr habt dieses Jahr so hart gearbeitet, daher herzliche Glückwünsche zu Euren Erfolgen – sowohl persönlich als auch vom Team. Und ich wünsche Euch allen ein schönes Weihnachtsfest mit Euren Familien und alles Gute für 2018!


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Er ist ein britischer Formel-1-Rennfahrer.

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