Intelligent World Drive – Mit der S-Klasse auf Testfahrt in Australien

Eine der größten Herausforderungen für die kommende Generation der selbstfahrenden Fahrzeuge ist die Objekterkennung. Hört sich nüchtern betrachtet wie die aufgedruckte Zusammenfassung auf dem Umschlag einer Ingenieurs-Bibel an, ist aber in der Tat sowas wie das Zentrum des Entwicklungs-Universums.

Autonome Plattformen der Zukunft müssen nicht nur sehen, sondern vor allen Dingen auch verstehen und den Kontext herausarbeiten können. Und das kann regional – und erst recht global gesehen – eine echte Herausforderung sein.

Wer meinen Artikel zur „Tour de Stuttgart“ aus dem Frühjahr noch vor Augen hat, der kann sich ungefähr vorstellen welche Herausforderungen unsere Ingenieure für autonomes Fahren im Ländle meistern müssen. Autobahnen mit drei Spuren, Stop-and-Go durch Stuttgart und recht entspannte Überlandfahrten, die uns von einem „Ingen“ ins nächste brachten.

Kein Wildwechsel, kaum unvorhersehbare Situation, ja der grösste Thrill bestand eigentlich darin, mal durch einen Kreisverkehr zu fahren. „Piece of cake“ würde ich da als alter Fan von „Duke Nukem 3D“ sagen. Das hat die S-Klasse nicht nur gemeistert, sondern faktisch inhaliert. Heimspiel für unsere Entwickler in Sindelfingen.

Aber wie reagieren unsere Systeme, wenn sie auf einmal auf Linksverkehr treffen? Was, wenn statt einem ausgewachsenen, schwäbischen Brunfthirsch auf einmal ein Känguru über die Fahrbahn hüpft und warum ist ein Hook Turn nicht einfach Teil eines australischen Boxkampfes?

Fragen, die man sich nicht nur stellen, sondern deren Antworten man wortwörtlich erfahren muss. Genau deshalb haben wir uns im Rahmen des Intelligent World Drive auf den 5. Kontinent begeben und an den Erfahrungen der Kollegen von Mercedes-Benz Australia angeknüpft. Mehr als 20. 000 Testkilometer haben die „Aussies“ mit einer zum Versuchsfahrzeug umgebauten S-Klasse abgespult. Von Perth nach Melbourne, von Melbourne nach Brisbane und all das, was so dazwischen liegt.

Das ist nicht nur wichtig für das „Land Downunder“ (ich kann es nicht lassen, denke ich an Australien, habe ich immer diesen Klassiker von Men at Work im Ohr), welches einen der Kernmärkte für uns darstellt, sondern auch um das digitale Kartenmaterial von HERE umfangreich testen zu können. Die daraus gesammelten Erkenntnisse kommen dann schließlich auch den Plattformen auf den anderen Kontinenten zu Gute.

Was ist bitte ein „Hook Turn“?

Als wäre der Linksverkehr nicht schon spannend genug, hat sich Melbourne noch einen weiteren Endgegner für Zentraleuropäische Fahrzeugführer ausgedacht. Der sogenannte „Hook Turn“ ist weltweit einmal und nur in der australischen Metropole anzutreffen. Letztendlich ist er weitaus unspektakulärer als der Name vermuten lässt.

Das öffentliche Verkehrssystem ist derart gut ausgebaut, dass sämtliche Hauptverkehrsstraßen auch zwei Spuren für Straßenbahnen haben. Will man aber aus dem Linksverkehr heraus rechts, und somit über die Gleise hinweg abbiegen, bedient man sich eines Hook Turns. Ganz rüber auf die linke Spur, warten bis die Signale den Weg freigeben, mittig auf die Kreuzung fahren und einmal den großen Bogen nach rechts machen. Klappt wunderbar und vor allen Dingen stressfrei. Aber die Sensoren unserer S-Klasse müssen natürlich in der Lage sein, so ein Hook Turn-Schild zu erkennen und vor allen Dingen dann auch interpretieren zu können.

Ein Königreich für ein Känguru

Emus, Kängurus, Koala, Salzwasser-Krokodile und Wombats sind nicht nur schön anzuschauen, sie sind leider auch eine häufige Unfallursache in Australien. Und dabei lasse ich mal die mehr als eine halbe Million wilder Dromedare außen vor. Ja, in Australien gibt es Kamele und das nicht zu knapp. Nur irgendwie haben die sich bei mir nicht vorgestellt. Die australische Fauna beschränkte sich während meines dreitägigen Aufenthalts auf die Sichtung eines Kakadus. Was ich persönlich ja schon für eine Sensation hielt, für die Optimierung der Datenbank für unsere Fahrassistenzsysteme aber eher vernachlässigbar war.

Und somit bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf die Eindrücke und Aussagen der Kolleginnen und Kollegen zu verlassen. Ja, die zuvor genannten Wildtiere gibt es hier und zwar in großer Anzahl. Darauf haben zumindest auch die Warnschilder an den Landstraßen hingewiesen und mir wurde versichert, dass man während umfangreicher Testfahrten durchaus die eine oder andere Begegnung vorweisen konnte. Die Entwickler hat es gefreut!

Warum machen wir das alles eigentlich?

Daten, Daten und noch ein paar Daten! Was ich allein in den wenigen Tagen für Besonderheiten im australischen Straßenverkehr entdecken konnte… ganz ehrlich, mir war das zum größten Teil einfach neu. Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass man sich hier infrastrukturell am Königreich oberhalb des Ärmelkanals orientiert. Aber wenn wir mal den Linksverkehr außen vor lassen dann trennen die beiden Länder… ähm… Kontinente!

Ich habe noch nie so viele LED-Displays im Straßenverkehr gesehen, wie in Australien. Roter Ring umschließt eine weiße Anzeige und wenn man dann noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit erlangen will, dann kann eine gelbe Warnleuchte angeschaltet werden. Vorteil an dieser Lösung: sie ist nicht statisch. Nachteil für unsere Systeme: die Schilder sind dynamisch!

Hier müssen nicht nur die verbauten Kameras ganze Arbeit leisten, auch die Aktualität der HERE Kartendaten ist hier extrem wichtig. Schließlich müssen wir gewährleisten, dass der aktive Geschwindigkeitslimit-Assistent und aktive Abstands-Assistent DISTRONIC funktioniert. Zuverlässig und immer. Ob es gerade wie aus Kübeln regnet oder aber die pralle Sonne direkt auf diese LED-Schilder scheint. Sicherheit ist oberstes Gebot und da helfen uns, Achtung ich schließe jetzt wieder den Kreis, Daten. Viele Daten, denn mehr ist ja bekanntlich… mehr!

Revolutionen sind Herzenssache

Nein, Revolutionen startet man nicht vor dem Fernseher. Anpacken ist angesagt und genau das macht das Team rund um Christoph von Hugo, seines Zeichens Leiter der Abteilung Aktive Sicherheit für die Fahrerassistenzsysteme von Mercedes-Benz. Wenn du fast zwei Jahrzehnte lang viel mit Startups zu tun und selber mehrere gegründet hast, dann erkennst du innerhalb der ersten Sekunden wer für seinen Job brennt und bereit ist, die berühmte Extra-Meile zu laufen, um Zeitpläne einhalten zu können. Ja, um das möglich zu machen, was vor 20 Jahren noch wie ein feuchter Traum eines Mobilitäts-Futuristen klang.

Um das zu schaffen, braucht es motivierte Kolleginnen und Kollegen. Und die haben wir!


Wir suchen ständig Menschen, die viel können, viel leisten – und viel erwarten: Jobs bei Daimler im Bereich autonomes Fahren


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Dieser Artikel wurde von Sascha Pallenberg geschrieben. Er hat zum 01.02.2017 die neu geschaffene Funktion „Leiter Digital Content“ innerhalb des Kommunikationsbereichs übernommen und bereitet als erfahrener Online-Redakteur insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf.

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