Oh Tannenbaum! Von der Plantage ins Büro

Vor lauter Wald sehe ich keine Bäume mehr – dieses abgedroschene Sprichwort passt einfach zu gut zu meiner Situation, um hier im Text darauf zu verzichten. Ich stehe inmitten von fünftausend prächtigen Nordmanntannen und versuche, zwischen den vielen schönen Bäumen den „allerperfektesten“ Weihnachtsbaum herauszusuchen.

Ja, der Job in der Nutzfahrzeug-Kommunikation kann manchmal ganz schön vielfältig sein. Die meiste Zeit im Jahr verbringe ich im Büro vor dem Bildschirm und befasse mich mit Texten. Und auf einmal besuche ich ein grünes Fleckchen in der Oberpfalz, das ich unter anderen Umständen vermutlich niemals bereist hätte.

Für unsere Einsatzreportage drehen wir auf einer Weihnachtsbaumplantage im beschaulichen Städtchen Eslarn und zeigen, wie die Tanne ins Wohnzimmer kommt. In unserem Fall kommt die Tanne natürlich mit dem Stern – um ganz genau zu sein: zuerst mit dem alten MB Trac, einem Traktor, der seit 1991 nicht mehr produziert wird und damals auf Basis von Unimog-Aggregaten entwickelt wurde, danach mit einem Mercedes-Benz Atego von CharterWay und für die letzte Strecke mit einer V-Klasse. Ich bin die ganze Zeit dabei und begleite die Tanne auf ihrem Weg.

Doch wozu das alles?

Unsere Motivation bei der Einsatzreportage ist es, nicht unbedingt die Fahrzeuge in den Mittelpunkt zu stellen – diese kennen sowohl unsere Mitarbeiter als auch die Zuschauer unserer Videos meist eh gut genug. In unseren Einsatzreportagen möchten wir die Menschen vorstellen, die täglich mit unseren Fahrzeugen zu tun haben. Wer sind sie, was tun sie und welchen Nutzen stiften unsere Fahrzeuge in ihrem Leben? Diese Menschen engagieren sich ehrenamtlich zum Beispiel bei der Düsseldorfer Tafel oder bei der Freiwilligen Feuerwehr in Uhingen und sie sorgen unter anderem auch dafür, dass am Weihnachtsfest der Baum nicht fehlt.

Also bin ich hier. Der Mensch mit den Tannen heißt übrigens Thomas Bösl, Besitzer einer Weihnachtsbaumplantage mit etwa 30.000 Bäumen. Den MB Trac nutzt er im Winter vor allem zum Einnetzen der Tannen. Mit der Netzmaschine geht das schnell und spart so manche Kopfschmerzen. Trotz fehlender Fahrkenntnisse mit einem Traktor vertraut mir Thomas seinen Oldtimer an und ich darf eine Runde über die Plantage drehen.

In der Kabine des MB Trac 900 Turbo fühle ich mich wie in eine andere Zeit versetzt – das übergroße Lenkrad, der braune Sitzbezug, eine quietschende Türe und viele Schalter und Knöpfe, die sich schwerfällig bedienen lassen. Der 85-PS-starke Traktor, Baujahr 1981 oder 1982, rüttelt und brummt wie es sich für so ein robustes Gefährt gehört.

Gesucht – gefunden!

Wir suchen ein Bäumchen für mich aus, markieren es mit einer Schleife, netzen es ein und bringen es auf Thomas’ Hof, wo seine Hündin uns aufgeregt begrüßt. Perlhühner gaggern uns entgegen und die Täubchen, die jemand aus der Familie Bösl hier züchtet, sehen auch anders aus, als die mir bekannten, kümmerlichen Stadttauben Stuttgarts.

Die Deutsche Dogge bewacht die Tanne? Eigentlich will sie nur schmusen.

Ach, in der Oberpfalz ist die Welt noch in Ordnung. Nur die bayerischen Urbewohner ganz genau zu verstehen, fällt mir manchmal schwer. Im nur drei Kilometer entfernten Tschechien hätte ich mit meinem polnischen Migrationshintergrund wohl bessere Verständnischancen, denke ich. Aber mit Händen und Füßen hat das ja auch schon in anderen Teilen dieser Welt funktioniert.

Mein Baum kommt nun gemeinsam mit seinen hübschen Gleichgesinnten in einen Mercedes-Benz Atego, den ein Fahrer von CharterWay auf dem Hof parkt. Gemeinsam laden wir die Bäume ein. Neben den Männern gebe ich mir besondere Mühe, um beim Verladen nicht abzustinken, doch spüre ich nach dem siebten Baum langsam meine Arme und packe mir dann lieber doch die kleineren Bäumchen.

Umso regionaler, umso besser

„Wer sich für eine günstige Tanne aus Dänemark entscheidet, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese nach dem langen Transport bereits nach einigen Tagen im warmen Wohnzimmer austrocknet und nadelt“, erklärt mir Thomas während dem Beladen. Diese Personen kommen dann auch noch am 24. Dezember auf seinen Hof, kaufen ihren zweiten Baum in der Saison und freuen sich spätestens dann über den schönen Tannengeruch beim Weihnachtsfest.

Unsere Ware wird gesichert und ins etwa 100 Kilometer entfernte Regensburg gebracht. Dort empfängt uns Horst Niesner, der dafür sorgt, dass die Betreiber der Baumschulen mit den deutschlandweiten Verkaufspunkten zusammenkommen. Während wir die Bäume ausladen, erzählt er mir, dass er bei seiner Weihnachtsbaumzentrale großen Wert auf die Qualität der Bäume legt. Hier gilt, genauso wie bei Lebensmitteln: umso regionaler, umso besser. Auf diese Weise sparen sich die Tannen lange Transportstrecken und bleiben länger frisch.

Thomas‘ Tannen werden neben weiteren regionalen Bäumchen aufgestellt und warten dort nun auf ihren großen Auftritt: mit einem Stern auf der Spitze und viel Lametta besinnliche Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Für mich ist der Auftrag damit erledigt.

Während die ein oder andere Familie sich bereits unter die Tannen mischt und ihr perfektes Bäumchen sucht, packe ich meinen Baum mit der roten Schleife in die V-Klasse, fahre zurück nach Stuttgart und freue mich über meinen ersten selbstgefällten Weihnachtsbaum.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.0 / 5 (29 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie arbeitet in der Internen Nutzfahrzeug-Kommunikation.

Lernen Sie weitere Autoren kennen oder lesen hier mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Ohne Reisekosten und Urlaubstag –Die erste virtuelle Daimler-Job-Messe

    Jochen Reinhardt: Glückwunsch Tina, Dir und dem ganzen Team. Super, was ihr in der kurzen Zeit...

  2. Daimler Türk-Treff feiert 25-jähriges!

    Gülgün Ersoy: Hallo Ismet Cetin, ich kann dein Kommentar 1:1 bestätigen, so wie du es hier...

  3. Benz & ballet – How arts and automotive themes go hand in hand

    Matthias Geiger: Awesome opportunity for the Alumnis! The festspielhaus in Baden-Baden is a...

  4. Auf ein Date mit dem Concept EQ

    Ying: Endlich hat das speed-dating ein Ende. Der EQ nimmt sich Zeit jemanden näher und länger an...

  5. Mehr als Yin und Yang: Hier zeigt Daimler seine neue China-Kunst

    Sascha Pallenberg: Da mache ich doch den Vorschlag: anschauen, sich Gedanken machen und dann...