A-Klasse Interieur-Designer im Interview: WOW-Effekt!

Noch bevor die neue A-Klasse komplett vorgestellt wird, gewährt Mercedes-Benz vorab exklusive Einblicke in das neue Interieur.

Maximilian Schmitz spricht mit Hartmut Sinkwitz, Leiter Interieur-Design, über das neue Raumgefühl, wie wichtig die Lichtinszenierung ist und warum Luxus nicht den Verzicht auf Sportlichkeit bedeutet.

Die neue A-Klasse hat mehr Platz für Schulter, Ellbogen und Kopf. Wie trägt das neue Interieur-Design dazu bei?

Das Interieur-Design trägt definitiv zu dem neuen luftigeren Gefühl bei, und das war auch unser erklärtes Ziel. Wie haben wir das geschafft? Die Instrumententafel ist zweigeteilt aufgebaut: Mit einem Oberteil, das optisch mit den Türen verschmilzt und einem unterem Volumenkörper. Durch die enorme Tiefenwirkung schaue ich als Passagier von oben auf die Instrumententafel und erziele damit das Gefühl eines sehr viel flacheren Cockpits.

Im übertragenen Sinne schaue ich nicht auf eine dunkle Wand, die aufgrund ihres steilen Winkels wenig Licht fängt, sondern vielmehr auf eine freundliche und hell erleuchtete Terrassenlandschaft.

Zudem haben wir den Mitteltunnel extra flach nach vorne abschließen lassen, um auch hier mehr Raum zu schaffen. In der Kompaktklasse sitzen Fahrer und Beifahrer ja etwas näher beieinander als in größeren Baureihen. Zudem steht unser Widescreen-Display komplett frei und kommt ohne die sonst übliche Cockpit-Hutze aus. Dadurch konnten wir an dieser Stelle sehr viel Volumen einsparen, das  ansonsten  den Innenraum verbaut hätte.

Im Ergebnis ist die Instrumententafel im Bereich des Fahrers genauso flach wie im Bereich des Beifahrers gestaltet. Das vermittelt einen neuen – man kann sagen – nie da gewesenen freien Blick nach vorne.

Das Widescreen-Display in Serie zu bringen war also von Anfang an gesetzt?

Wir haben viele Alternativen ausprobiert und sind sehr früh zu dem Entschluss gekommen, dass wir das Doppel-Display als Standard in das Fahrzeug bringen wollen. Das sehr emotionale und starke Design-Konzept sollte vor allem eins sein: typisch Mercedes-Benz.

Der Widescreen ist für unsere Marke ein starkes Statement und soll es auch weiterhin über viele Baureihen werden.

Würden wir das digitale Anzeigekonzept nur als Sonderausstattung anbieten, müssten wir in der Basis wieder eine Hutze verbauen.

Das galt es zu vermeiden, denn zwei Cockpits zu verbauen kann nicht in unserem Sinn sein. Der Bildschirm ist ein Symbol der Modernität und für uns ein ganz zentrales Design-Element, das frei im Raum positioniert – ohne Abdeckung oder Einbuchtung – viel schöner zum Ausdruck kommt. Das war also ganz klar eine Design-Entscheidung und macht auch den Kunden klar, dass sie in einem Luxusprodukt sitzen.

Die neue A-Klasse verfügt über eine umfangreiche und raffinierte Ambiente-Beleuchtung. Wie wichtig ist die Lichtstimmung in einem modernen Interieur?

Sehr bedeutend. Wenn wir neue Designs entwerfen, denken wir von Anfang an auch an das Potenzial der Lichtinszenierung. Ein Interieur-Design ist umso stärker, wenn es auch im Dunkeln seine Form expressiv zum Ausdruck bringen kann. Schon mit der ersten Zeichnung spielen unsere Designer mit Lichtelementen und lenken damit die Gesamtwirkung des Entwurfs in die gewünschte Richtung.

Wir überlegen also nicht erst am Schluss, wo und wie mit Licht noch dekorative Akzente gesetzt werden können. Das Ambiente-Licht ist vielmehr integraler Bestandteil der gesamten Komposition. Nicht zuletzt wissen wir aus Kunden-Rückmeldungen, dass sie es sehr zu schätzen wissen. Zusätzlich verstehen wir uns als Designer immer als vorausschauender Stellvertreter des Kunden und sehen es auch als ein starkes emotionales Element.

Wenn sie sich im Dunkeln der A-Klasse nähern und mit dem Entriegeln der Tür das Interieur zum Leben erweckt wird, dann entsteht ein echter Wow-Effekt und wir haben unser Ziel erreicht.

Wow-Effekt! So geht’s mir jedes Mal bei den beleuchteten Lüftungsdüsen…

Absolut. Auch eines meiner Lieblings-Details. Mit dieser Idee konnte man nur offene Türen einrennen  – was ja in einem Gesamt-Projekt-Team bei der Entwicklung eines neuen Autos nun auch nicht immer der Fall ist. Aber sobald die ersten Prototypen der Lüftungsdüse verfügbar und damit auch  im Dunkeln erlebbar waren, hat das Feature komplett für sich alleine gesprochen. Wir mussten nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Das wollten alle von Anfang haben. Die verantwortlichen Ingenieure aus dem Ambiente-Licht-Team haben hier wirklich einen ganz tollen Job gemacht.

Wieso setzt Mercedes-Benz auch bei einem Kompaktwagen auf eine sehr hohe Materialanmutung und ein hochqualitatives Design?

Mercedes-Benz definiert sich durch modernen Luxus – und zwar über alle Klassen hinweg.

Und Luxus bedeutet für uns unter anderem, dass wir die Erwartungen an eine Interieur-Qualität bewusst übererfüllen.

Wir wollen unsere Kunden auch in der Kompaktklasse positiv überraschen.Ein starkes Luxus-Gefühl ist aber nicht nur die Summe vieler hochwertiger Details, sondern das gesamthafte hochemotionale Erlebnis, auch im Innenraum.

Die gestalterische Form und die Verarbeitung der Oberflächen müssen Hand in Hand gehen. Generell ist die Bereitschaft unserer Kunden auch in der Kompaktklasse luxuriöse Ausstattungen zu bestellen in den letzten Jahren gestiegen. Die jüngere Generation verzichtet eher mal auf den nächst größeren Motor und gönnt sich stattdessen beispielsweise eine tolle Lederausstattung.

Aber geht Luxus nicht auch oft mit einer gewissen Behäbigkeit einher?

Luxus bedeutet nicht etwa Verzicht auf Sportlichkeit. Ganz im Gegenteil. Wir haben bei der neuen A-Klasse das Ziel verfolgt, ein besonders emotionales Interieur zu gestalten. Und Sportlichkeit ist die stärkste Emotion, die wir einem Innenraum geben können. Viele junge Kunden wählen die A-Klasse als Einstieg in die Marke. Diese jungen Menschen träumen häufig von Sportwagen.

Mit der neuen A-Klasse können sie sich einen Kompaktwagen leisten, der im Interieur sogar ein gewisses Sportwagen-Feeling aufkommen lässt. Und wenn wir diese Generation – mit ihren speziellen Anforderungen – überzeugen, wird sie unserer Marke in späteren Jahren sicher treu bleiben und den Luxus nicht mehr missen wollen.

Jedenfalls fängt Mercedes fahren – wie es früher einmal hieß – nicht erst mit der C-Klasse an. Die Begeisterung für unsere Marke beginnt mehr denn je mit der A-Klasse.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er leitet den Bereich Interieur Design bei Mercedes-Benz und ist seit 1995 im Unternehmen. Gemeinsam mit seinem Team gestaltet er Fahrzeuginnenräume von der ersten Skizze über weitere Prozessschritte wie Entwurfsmodelle, CAD-Modelle und Clay-Modelle (Ton) bis in jedes kleinste Detail. So auch bei der neuen A-Klasse.

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