50.000ster Citaro – Ein Blick hinter die Kulissen

50.000 Stadtbusse einer Baureihe! Was unsere Kollegen in Mannheim mit dem Citaro-Bus geschafft haben, ist vorher noch niemand anderem gelungen.

Aber wie entsteht unser Klassiker eigentlich und was macht den Stadtbus so besonders? Das wollte ich als Praktikant in der Unternehmenskommunikation unbedingt rausfinden – und habe mich in Mannheim auf die Suche nach Antworten gemacht.

Angekommen in den Produktionshallen, musste ich keine Überzeugungsarbeit leisten, um mit den Mitarbeitern über den Stadtbus-Bestseller zu reden. Im Gegenteil, die Kollegen erklärten mir gerne ihr Erfolgsrezept und machten schnell klar: Die Macher des Citaros verstehen ihr Handwerk.

Der Rohbau in Holýšov macht den Auftakt

Im tschechischen Holýšov arbeiten etwa 420 Kollegen für EvoBus Bohemia. Neben der Teilefertigung für diverse Nutzfahrzeuge werden hier auch Rohbaustrukturen für den Citaro bearbeitet. Hier arbeitet Karel Koukl, der schon an allen Fertigungsprozessen in Holýšov beteiligt war. Er arbeitet seit vielen Jahren bei Daimler und ist zur Zeit für den Trennlaser der Profilteilung verantwortlich.

Der Fertigungsprozess des Stadtbusses geht von der Profilteilung zum Profilbiegen und daraufhin in die Phosphatierung. Im Phosphatierungsprozess wird die Oberfläche von jährlich etwa 11.000 Tonnen Eisen „gewaschen“. Darüber hinaus tragen die vielen anderen Kollegen beispielsweise in der Schweißerei, der Qualitätssicherung (QS) oder der Logistik dazu bei, die Segmente in einem einwandfreien Zustand in Mannheim abzuliefern, wo den Citaro die nächsten Produktionsschritte erwarten.

Der Unterbau stellt sich vor

Erste Station in Mannheim: Rohbau, genauer gesagt: Unterbau. Hier wird der Untergrund des Citaros gefertigt. Ich treffe auf Frank Migga, der den Citaro wohl so gut kennt wie kaum ein anderer. Der Produktionsleiter der Rohbaulinie hat den Stadtbus einst selbst mitentwickelt.

Migga zu mir: „Der Citaro begleitet mich schon mein ganzes Berufsleben. Ich habe hier gelernt, war viele Jahre in der Entwicklung und bin jetzt seit vier Jahren Produktionsleiter der Rohbaulinie Citaro. Es macht mich sehr stolz, dass wir den 50.000sten Citaro gebaut haben. Es ist toll zu sehen, dass der Bus gut läuft und der Kunde das annimmt. Wir freuen uns auf die nächsten 50.000.“

Frank Migga, Produktionsleiter, Rohbau, Unterbau

Als nächstes komme ich mit Wolfgang Weiss ins Gespräch. Ich erfahre, dass er bereits seit 44 Jahren bei EvoBus beschäftigt ist. Gerade befindet er sich in seiner letzten Arbeitswoche, bevor er in den verdienten Ruhestand geht. Er kennt jeden Handgriff des Unterbaus.

Auf meine Frage, wie man sich fühlt, über so viele Jahre Teil der Erfolgsgeschichte zu sein, sagt Weiss:

Es ist eine schöne Sache, wenn man sich bewusst ist, dass man hier mitgewirkt hat. Der Citaro fährt schließlich überall auf der Welt und bringt seine Leistung mit der Mercedes-Benz-Qualität.

Ich bin beeindruckt und freue mich über den glücklichen Zufall, so kurz vor dem Ende seiner Betriebszugehörigkeit noch mit Wolfgang Weiss sprechen zu können.

Wolfgang Weiß, Rohbau, Unterbau

Kurz darauf gesellt sich Andreas Bezler, Meister im Rohbau, unserem Gespräch dazu. Bezler, der 1971 schon seine Ausbildung im Werk absolvierte, muss kurz schmunzeln, als ich frage, wie er all die Jahre den Bau des Citaro miterlebt hat: „Es ist immer wieder spannend, mit den neuen Anforderungen umzugehen und jedes Mal aufs Neue die beste Lösung zu finden.“

Stefan Alter zeigt den Bereich Außenhaut und Fußboden

Vom Unterbau geht es in den Bereich Außenhaut und Fußboden (AF). Wie es der Name schon vermuten lässt, werden hier Abdichtungen an Dachhaut und Fußboden vorgenommen und bewegliche Klappen an der Karosserie montiert. Hier treffe ich Stefan Alter. Er ist seit 28 Jahren im Unternehmen beschäftigt. Alter montiert die Klappen am Heck des Citaros. Das Erfolgsgeheimnis des Citaros ist nach seinen Aussagen in seiner Vielfältigkeit zu sehen.

Das Citaro-Jubiläum markiert ein Stück weit Geschichte von Mercedes-Benz und von Omnibussen generell.

Stefan Alter, Rohbau, Außenhaut und Fußboden

Manfred Hamm lässt in der Bänderinsel die Funken fliegen

Die nächste Station ist die Bänderinsel. An der Fertigungsinsel werden Produktteile für den Stadtbus gefertigt. Hier arbeitet Manfred Hamm. Seit 1973 ist er Teil des Unternehmens am Standort in Mannheim.

Manfred Hamm, Rohbau, Fertigungsinsel Bänder

„Manchmal kommt dir das vor, als wenn es gestern war, dass ich hier begonnen habe. Aber es macht immer noch Spaß.“ Auf die Frage, was den Citaro so erfolgreich und beliebt bei Kunden mache, höre ich ein weiteres Mal: „Die Vielfältigkeit und die Qualität.“ Als ich daraufhin wissen wollte, wie die Qualität des Citaros zum Ausdruck kommt, antwortet Hamm:

Sie können mich mit verbundenen Augen in einen Bus setzen. Ich kann Ihnen nach zehn Sekunden sagen, ob ich in einem Citaro sitze. Der leise Geräuschpegel des Citaros ist einmalig im Vergleich zu Wettbewerbern.

Ein weiteres Mal bin ich beeindruckt von der Identifikation, die die Mitarbeiter ihrer Arbeit und dem von ihnen produzierten Produkt entgegenbringen.

Nur geprüfte Qualität darf auf die Straße

Weiter geht es in der Abteilung Qualitätssicherung (QS). In der Qualitätssicherung des Rohbaus ist seit etwa vier Jahren Florian Lienhard tätig. Der Mitarbeiter hat bereits 2001 seine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker im Unternehmen absolviert.

In der Qualitätssicherung wird geprüft, ob bis zum jeweiligen Produktionsschritt Fehler entstanden sind. Dabei sind beispielsweise Kundensonderwünsche und Rückmeldungen von internen und externen Kunden wichtig. Neben der Qualitätssicherung im Rohbau werden die Stadtbusse auch in der Montage und in der Lackierung geprüft.

Florian Lienhard, Rohbau, Qualitätssicherung

KTL steht für Kathodische Tauchlackierung

Mein nächster Halt ist die Kathodische Tauchlackierung (KTL). Hier wird die Buskarosserie in einem unter elektronischen Stromfluss stehenden Tauchbad beschichtet. Alexander Klug betreut die KTL als Betriebselektriker seit etwa sieben Jahren. Er und sein KTL-Kollege  Markus Lohnert sind sich sich einig, dass vor allem das besondere Design und die Qualität des Citaros ausschlaggebend für den langjährigen Erfolg des Busses sind.

Alexander Klug, Rohbau, Kathodische Tauchlackierung

Zwischenstation Neu-Ulm

Sobald die Mitarbeiter in der Kathodischen Tauchlackierung, KTL, ihre Arbeit erledigt haben, macht der Stadtbus einen Zwischenstopp in Neu-Ulm. Hier spreche ich mit Marina Gruber, die erklärt: „Die Citaros werden in Neu-Ulm für den kompletten Lackaufbau vorbereitet und anschließend lackiert. Meine Arbeit umfasst unter anderem das Abkleben der nicht zu lackierenden Stellen.“

Marina Gruber, Lackierung

Fortlaufende Optimierungen im Innenausbau der Montage

Von der Lackierung in Neu-Ulm geht es zurück nach Mannheim. Wenn der Citaro hier ankommt ist er noch nicht mehr als eine lackierte Karosserie mit Boden, Seitenteilen und Dach. Hier treffe ich auf Christian Joest. Der Meister im Bereich Verglasung und Klimaverrohrung war schon im Unternehmen, als im Zuge des Qualitätsmanagements in den 1990er Jahren die Kaizen-Philosophie verinnerlicht wurde.

Mittlerweile sei man schon wieder viel weiter, wie mir Joest erklärt. Das sieht man beispielweise an der Optimierung durch die einlinige Montage, bei der so viele Arbeitsschritte wie möglich direkt entlang der Produktionslinie erfolgen. Der Citaro ist seiner Ansicht nach deswegen erfolgreich, weil man fortlaufend Verbesserungen anstrebt. Darüber hinaus stellt Joest den Zusammenhalt der Mitarbeiter heraus. Auch in schwierigen Situationen würden alle an einem Strang ziehen, um den Anforderungen der Kunden immer gerecht zu werden.

Christian Joest, Meister, Montage, Verglasung u. Klimaverrohrung

Der Feinschliff erfolgt in der Inbetriebnahme und Elektrik

Daniel Chluba und sein Team sind meine nächsten Gesprächspartner. Das Gerüst des Citaros hat sich mittlerweile in einen lackierten Stadtbus gewandelt. Im Bereich Inbetriebnahme und Elektrik werden die Stadtbusse je nach Kundenwunsch mit der entsprechenden Elektrik ausgestattet und eingehend geprüft.

„Meine Mitarbeiter haben eine besondere Verbindung zum Citaro. Sie müssen sich vorstellen, der Bus wird hier nicht funktionsfähig angeliefert.

Wenn wir in der Inbetriebnahme/Elektrik unsere Arbeit gemacht haben, fährt der Citaro aus unserer Halle. Dem Citaro wird hier Leben eingehaucht. Deswegen identifiziert sich jeder, der hier arbeitet, mit dem Bus.

Daniel Chluba, Montage, Meister Inbetriebnahme/Elektrik

Mit am Besprechungstisch von Daniel Chluba steht Steffen Ulitzsch, mit dem ich als nächstes ins Gespräch komme. Steffen Ulitzsch hat bereits seine Ausbildung und seinen Meister bei EvoBus absolviert. Seit 2014 ist er nun in Mannheim. Als er auf den Erfolg des Citaros zu sprechen kommt, merkt Ulitzsch an:

„Hier in Mannheim haben wir was den Stadtbus betrifft das Know-how. Über die letzten Jahrzehnte wurde dieses Wissen hier gefestigt, was den Standort so immens wichtig macht.“

Steffen Ulitzsch, Montage, Inbetriebnahme/Elektrik

Zuletzt spreche ich mit dem langjährigen Mitarbeiter Frank Stutz. Stutz ist seit 1980 im Unternehmen. Zu seinem Aufgabengebiet gehören besondere Kundenwünsche, wie zum Beispiel der Einbau von Videoanlagen oder unterschiedliche Klimaregelungen.

Der Kunde kann bestellen was er möchte, denn er bekommt bei uns alles gebaut.

Franz Stutz, Montage, Inbetriebnahme/Elektrik

Die Busse, die in der Halle der Inbetriebnahme und Elektronik stehen, sehen dem fertigen Stadtbus bereits sehr ähnlich. Zuallerletzt müssen hier alle mechanischen Funktionen geprüft werden. Insgesamt arbeiten etwa 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein in er Produktion daran, den Stadtbus auf die Straße zu bekommen. Durchschnittlich dauert es zwei Monate bis ein Citaro fertiggestellt ist.

An dieser Stelle endet meine Besichtigung der Citaro-Produktion, durch die ich die Möglichkeit hatte, den Stadtbus und seine Mitarbeiter richtig kennenzulernen. Vor allem wurde mir bewusst, wie viele Mitarbeiter an dem Endprodukt beteiligt sind und wie viel Feinarbeit der Citaro den Mitarbeitern abverlangt.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Praktikant in der Unternehmenskommunikation von Daimler Buses. Er studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig.

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