Auf den Spuren der Vergangenheit

Einige von uns Auszubildenden haben Tränen in den Augen als wir Personalvorstand Wilfried Porth und Gesamtbetriebsrats-vorsitzender Michael Brecht bei der Abschlussveranstaltung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst 2017 von unseren Erlebnissen in Polen erzählen.

Auch bei uns – Fabienne Maier und Dominik Tischbierek – sind die Erlebnisse aus unserer Zeit in Polen noch sehr präsent.

Mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst waren wir zwei Wochen in Polen. Der Verein engagiert sich seit über 50 Jahren für Versöhnung und Frieden und tritt aktuellen Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegen. Seit 2015 bietet Daimler seinen kaufmännischen und technischen Auszubildenden die Möglichkeit, nach Polen zu reisen und einige der Freiwilligen sowie ihre Projekte kennen zu lernen.

Ich, Fabienne, habe ein Praktikum bei der Stiftung für Polnisch-Deutsche Aussöhnung gemacht. Dort habe ich den Kindergarten und gehbehinderte Menschen der jüdischen Gemeinde unterstützt. Daneben habe ich mich mit Zeitzeugen getroffen, um mehr über das Leben der Juden im zweiten Weltkrieg zu erfahren.

Ich lausche der Zeitzeugin betroffen:

Ankunft in Auschwitz: Die kräftigen Männer und Frauen nach links, die Alten, Schwachen und Mütter mit Kindern nach rechts. Sie werden sofort getötet. In einer Gaskammer, die sie mit dem Glauben, dort desinfiziert zu werden, arglos betreten. Für die anderen beginnt ein Martyrium. Sie sind Arbeitssklaven, bis sie tot umfallen. Die SS-Offiziere scheren die Haare, keine Seife, einen Teller Suppe ohne Löffel und eine Pritsche zu zehnt. Nebenan die Vergasung. Mehrere Kammern sind gleichzeitig in Betrieb, täglich rollen mehrere Züge ein. Die Gefangenen bekommen alles mit. Sie riechen es. Und sie sehen die rauchende Schlote der Krematorien. Der Staub liegt überall.

Ich sitze mit ihr bei Tee und Kuchen. Über 70 Jahre nachdem ihr Bericht aus dem KZ endet. Sie wurde 1945 befreit und hat überlebt. Heute lebt sie in Warschau.

Geschichte lebendig halten

Ich, Dominik, hatte mich dafür entschieden, die zwei Wochen in der Stadt Auschwitz zu verbringen. Dort wollte ich mehr über den Hauptort des Holocaust lernen. Gearbeitet habe ich in der Internationalen Begegnungsstätte. Bei meiner Arbeit stieß ich auf viele Zeitzeugen- und Opferberichte.

In Gruppen hatten wir Präsentationen vorbereitet, um Wilfried Porth (2.v.r.) und Michael Brecht (r.) bei unserem Treffen in Sindelfingen zu zeigen, was wir während der zwei Wochen in Polen erlebt haben

Ab Februar 1943 wurden nahezu 23.000 Sinti und Roma aus elf europäischen Ländern in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Meist in überfüllten Waggons, in denen bereits vor Ankunft im KZ viele starben. Insbesondere Kinder und Ältere. Die Toten lagen während der oft tagelangen Fahrt zwischen den „lebenden“ Menschen. Im Lager wurden sie abgeschottet von den übrigen Insassen untergebracht. Der Schrecken war derselbe.

Als wir den Schirmherren der Aktion Sühnezeichen all das erzählen, wird wieder deutlich, was für ein Privileg wir hatten, mit Zeitzeugen sprechen zu können. Schließlich wird das in naher Zukunft nicht mehr möglich sein. Umso wichtiger ist es, dass wir, die diese Möglichkeit noch haben, sie nutzen und anderen von unseren Erfahrungen berichten. Genau dazu trägt das Programm Aktion Sühnezeichen Friedensdienst bei.

Das Team der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst 2017


Hintergrund: Daimler in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Geschichte von Daimler in der Zeit des Nationalsozialismus wurde durch externe Historiker und interne Recherchen erforscht und umfassend aufbereitet. Das Unternehmen übernimmt die historisch-moralische Verantwortung für die Zwangsarbeit und für die Verstrickung in das Unrechtsregime.

Anfang der 80er Jahre wurden die Firmenarchive für wissenschaftliche Forschung geöffnet. In der Folge entstanden mehrere Forschungsarbeiten, unter anderem die von Hans Pohl und Wilhelm Treue verfasste Firmengeschichte „Daimler-Benz AG in den Jahren 1933-1945“ (Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Steiner Verlag (1986)). Darüber hinaus hat sich die Daimler AG parallel zu einem intensiven Austausch mit früheren Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auch für humanitäre Leistungen für die Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt. So wurden 1988 20 Millionen D-Mark für die Conference on Jewish Material Claims Against Germany, das Deutsche Rote Kreuz und das Maximilian Kolbe Werk zur Verfügung gestellt. Daimler war außerdem Mitinitiator der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die 5,1 Milliarden D-Mark von 6.500 Unternehmen einwarb.

Im Mercedes-Benz Museum wird die über 130-jährige Unternehmensgeschichte dokumentiert und die jeweiligen Fahrzeugexponate stets in den zeitgeschichtlichen Kontext gesetzt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Rolle unseres Unternehmens während des Nationalsozialismus. Daimler bemüht sich intensiv darum, dieses dunkle Kapitel der Unternehmensgeschichte wach zu halten und setzt sich daher auch künftig für Völkerverständigung und die Wahrung der Menschenrechte ein.


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Sie ist Auszubildende zur Industriekauffrau im Mercedes-Benz Werk Rastatt. Im September hat sie ihr drittes Ausbildungsjahr begonnen. Der zweite Autor Dominik Tischbierek, Auszubildender KFZ-Mechatroniker in Sindelfingen, hat ebenfalls das dritte Ausbildungsjahr begonnen.

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