Leuchtende Sterne in Tokios Dauerregen

Ende der siebziger Jahre beginnt meine erste automobile Erinnerung mit einer Zugfahrt in einem Schlafwagenabteil. Ich darf meinen Vater aus dem hohen Norden (Hannover …) ins unendlich ferne Stuttgart im Süden der Republik begleiten.

In der folgenden Nebelschwade meiner Erinnerung stehen wir in einer riesigen Halle vor einem englischroten W123. Unserem ersten Mercedes-Benz. Die frühkindliche Prägung des kleinen Jan, also mir, ist hiermit bereits vollständig abgeschlossen.

Zeitsprung. Gut vierzig Jahre später laufe ich, mittlerweile einer dieser seltsamen Influencer (heute ein Sammelbegriff für Blogger, YouTuber und Instagrammer), im strömenden Regen über die bekannte Shibuya-Kreuzung in Tokio. Fünf Zebra-Streifen werden hier alle 90 Sekunden gleichzeitig vom Autoverkehr befreit und den Fussgängerströmen von allen Seiten freigegeben.

Tokio. Unfassbar groß. Und trotz Regens unfassbar wuselig und lebendig. Es ist mein erster Besuch in der japanischen Mega-Metropole. „Das kannst Du besser!“ will mich mein Kameramann Eyk Friebe motivieren. Also nochmal. Die gleiche Moderation, die ich – mittlerweile triefend nass – immer wieder verhaspele. Wir sind schließlich nicht zum Spaß hier: Im Vorfeld der Tokyo Motor Show wollen wir ein paar Videos für meinen YouTube-Kanal Ausfahrt.tv produzieren.

Auto-Blog mit fragwürdigem Namen

2004 habe ich meine ersten Zeilen in ein Blog geschrieben. Blogger also. 2011 hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem Daimler. Ob ich wohl Interesse hätte, mal zu einem Event zu kommen und die Marke näher kennenzulernen. Was für eine Frage an einen, in dessen Brust ein Herz in Sternform schlägt. Zwei Events später bin ich stolzer Selbstverleger und Eigner eines Auto-Blogs mit fragwürdigem Namen. Auto..Geil.

#tokyo #rushhour

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Ein letztes Mal auf grün warten. Ein letztes Mal in den Strom der Fußgänger mit ihren Regenschirmen einreihen. Das Strahle-Jan-Lächeln aktivieren. Los! Und endlich sitzt die Moderation. Ich würde gerne meinem Unmut über das Wetter freien Lauf lassen. Ich bin in Tokio. Was soll der Regen? So war das nicht geplant! Ariane Fiedler (Pressesprecherin smart) und Wolfgang Würth (ehemals mein Ansprechpartner und jetzt Produktsprecher EQ), grinsen mich an. Zum Teufel mit dem Unmut. Ich bin den beiden so dankbar, dass sie mich hier unterstützen, wie soll ich auch nur ansatzweise schlechte Laune bekommen?

Eine Woche vor meinem Abflug nach Asien kam ihr Anruf. Die beiden wären zeitgleich mit dem EQA Konzept und dem smart vision EQ fortwo in Tokio. Ob ich Interesse hätte, eine Geschichte gemeinsam mit ihnen zu produzieren. Na, sicherlich. Ein wenig Zeit für einen weiteren Beitrag würde ich schon finden.

Ariane Fiedler, Pressesprecherin smart (links) und Wolfgang Würth, Produktsprecher EQ (rechts)

Eben dieser Wolfgang begleitet mich auf der Daimler-Seite seit 2011. Bis Anfang dieses Jahres als mein Ansprechpartner. Zusammen mit Toby Müller, der immer noch für Blogger Relations (Influencer Relations) zuständig ist. Konstante Reibung erzeugt Wärme. Was gut ist in unserem People-to-People-Business. Ich kann ansatzweise unterhaltsam schreiben und hin und wieder meine Fotokamera gerade halten.

Ausfahrt.tv: nicht austauschbar

Wolfgang meint, dass dies auf Dauer nicht reicht. Eigenständig statt austauschbar müsse mein Format werden, wenn ich weiterkommen will. Ein konstruktives Miteinander – durchaus auf Augenhöhe. Eine Form der Zusammenarbeit, die ich sehr schätze. Ich will weiterkommen: 2013 gründe ich meinen YouTube-Kanal Ausfahrt.tv. YouTuber jetzt also.

Ich folge Ariane und Wolfgang zu einer in der Seitenstraße parkenden und auf uns wartenden V-Klasse. Endlich raus aus dem Regen. Der Verkehr in Tokio ist zäh, aber doch fährt man generell sehr rücksichtsvoll. Unsere nächste Station ist ein Micro-Home. 33qm Grundfläche, 100 qm Wohnfläche – Tokios Antwort als Alternative zu den Wolkenkratzern auf die vorherrschende Platznot. Um die Drehgenehmigung hat sich OSK(Oliver Schrott Kommunikation)-Agentur Kollegin Tine de Kesel unlängst gekümmert. Raus in den Regen. Nächste Moderation.

Ausfahrt.tv hat nunmehr über 130.000 Abonnenten. Jeden Monat werden 1.5 Millionen Ausfahrt.tv Videos konsumiert. Unter meinesgleichen gehöre ich zu den Größten. Nach gerade mal vier Jahren. Eigenständig und die Ausfahrt.tv-Fans meinen: Nicht austauschbar! Ein Anteil meines Erfolges gebührt der Zusammenarbeit mit dem Daimler.

Während andere Hersteller im Jahre 2012 nicht einmal wussten, wer wir Influencer sind oder was wir machen, hatte man sich in Stuttgart unlängst eine Strategie zurechtgelegt, um uns zu fördern und zu fordern. Mein erfolgreichstes Video zeigt den Mercedes-Maybach. Mein Stammformat ist eine ausführliche Video-Kaufberatung mit einer Länge von um die 60 Minuten und mehr pro Fahrzeug. Von den 290 deutschsprachigen Reviews kommen 52 Fahrzeuge aus dem Daimler-Verbund. Das Ergebnis einer engen, konstanten und produktiven Zusammenarbeit.

Der Smart der Zukunft: smart vision EQ fortwo

Für den heutigen Tag reicht es mir in Tokios Regen. Das Tageslicht schwindet früh, die Leuchtreklamen übernehmen jetzt. Den letzten Block meines Beitrags drehen wir am kommenden Tag. Zurück ins Hotel, in das wir für eine Nacht aus unserem schlichten Airbnb direkt neben der Stadtautobahn wechseln können.

Ich bin schon ein wenig dankbar. Es wird die einzige Nacht sein, in der ich mehr als drei Stunden schlafen kann. Als Abendessen bekomme ich das beste Sushi meines Lebens kredenzt. Wir sitzen in einem Restaurant, was ich wohl sonst kaum betreten hätte, weil es den Charme einer Ostblock-Kantine vor Grenzöffnung versprüht. Wie immer hat man sich gekümmert.

Fünf Tage Dauerregen

Eigentlich sind mein Kameramann Eyk Friebe und ich ohne Hersteller-Begleitung in Tokio unterwegs. Mazda hatte uns zur Motorshow eingeladen und Volvo vorab zu einer Weltpremiere nach Shanghai. Um nicht zwischen den Kontinenten hin und her zu pendeln, wollten wir an fünf Tagen in Tokio ein paar eigene Geschichten einfangen.

Japan verfügt über eine spannende Tuning-Szene. Und es gibt hier eine Bücherei, an der sich sonntags viele Freunde von klassischen Fahrzeugen einfinden. Natürlich alles nicht bei Dauerregen. Fünf Tage Tokio. Fünf Tage Dauerregen. Ein Airbnb inklusive Stadtautobahn-Krach. Wenig Schlaf. Keine einzige Geschichte. Meinen emotionalen Zustand würde ich mit „auf dem besten Wege in eine Depression“ bezeichnen.

Am zweiten Drehtag waren wir in einem Studio. Regen und concept cars vertragen sich nicht, darum hat man kurzer Hand Räumlichkeiten organisiert. Ein Interview mit Ariane schließt meine einzige Geschichte aus den Fluten Tokios ab. Meine Zuschauer hatten sich nach meinem IAA-Beitrag über den smart vision EQ fortwo eher mäßig begeistert gezeigt. Sie wollen selber fahren. Sollen sie doch auch.

Hier in Tokio, als ein Beispiel für eine echte Megacity, wird man sich über einen autonom fahrenden Kleinstwagen freuen. Car-Sharing ist mangels Stellflächen kaum umsetzbar, der Individualverkehr kriecht mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade mal 15 km/h durch die Straßenschluchten. Fahrspaß ist etwas anderes. Mein Beitrag ist jedenfalls im Kasten.

Ohne den Daimler wäre ich ohne eine einzige Geschichte aus dem verregneten Tokio zurückgekehrt. Man mag mir unterstellen, dass ich jetzt zu dick auftrage, aber für mich waren Ariane, Wolfgang und Tine durchaus drei leuchtenden Sterne, die mir im verregneten Moloch von Tokio den Weg geleitet haben. Dafür danke ich ihnen.

Stellvertretend für alle anderen Mitarbeiter, die mich in den letzten Jahren begleitet haben. Unvergessen – bis auf den Namen – der Kollege, der mir im März 2012 auf der SL Fahrveranstaltung in Marbella den Außenspiegel so enthusiastisch erklärt hat, dass ich seither mir jeden Autospiegel doch sehr genau und ehrfürchtig ansehe.

Sternförmiges Leuchten in den Augen

Auch als YouTuber halte ich mich selbstverständlich an die journalistischen Grundsätze. Ich sehe mich durchaus als unvoreingenommen, neutral und unabhängig. Aber auch ohne meine frühkindliche Prägung wäre mir unlängst aufgefallen, dass die Mitarbeiter beim Daimler ihren Job augenscheinlich mit noch mehr Liebe, Stolz und Begeisterung verrichten. Vielleicht liegt es am sternförmigen Leuchten in ihren Augen?

Wie auch immer, es macht sehr viel Spass mit Euch zusammen zu arbeiten. Danke schön!

Nachtrag: Nach dem Regen kam der Tropensturm und nach ihm die Sonne. Natürlich hatte uns auch Mazda dann in ein nettes Hotel  einquartiert und ich habe noch ein paar regenfreie Geschichten produzieren (und schlafen) können. Tokio ist eine wundervolle, aufregende und pulsierende Stadt, die ich lieben gelernt habe – trotz des Regens. Ich werde auf jeden Fall zurückkehren und kann einen Besuch der Megacity nur empfehlen.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er produziert regelmäßig Video-Kaufberatungen zu Neuwagen und veröffentlicht sie auf seinem YouTube-Kanal Ausfahrt.tv.

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