Good News: 5 Jahre „Film ohne Grenzen“

Landluft. Aber nicht die, die nach Kuhmist riecht. Die, die nach Urlaub riecht. Es ist leicht frisch, aber sonnig. Der Himmel ist blau und Schäfchenwolken ziehen langsam vorbei.

Direkt am malerischen Scharmützelsee, zwischen Reitstall und Herrenhaus fand zum fünften Mal das Filmfestival „Film ohne Grenzen“ statt. Dieses Jahr unter dem Motto „Good News“.

In der heutigen Zeit ist die Medienlandschaft von schlechten Nachrichten durchzogen. Wir sind omnipräsent von ihnen umgeben. Um die positiven Nachrichten wieder stärker in den Vordergrund zu rücken, finde ich das Festival-Thema „Good News“ sehr gut gewählt. Alle Filme haben eines gemeinsam: Sie machen Mut und inspirieren. Daimler ist auch in 2017 Hauptsponsor und unterstützt weltweit soziale Projekte zur Förderung von Respekt und Toleranz.

Auf dem Weg nach Bad Saarow

Von Berlin aus fahre ich eine Stunde nach Bad Saarow. Aus dem Großstadtdschungel wird es mit jedem Kilometer grüner, bis ich im idyllischen Kurort am See ankomme. Der enge Kiesweg zum Veranstaltungsort ist mit Fackeln gesäumt. Heute sind nur sichere Autofahrer unterwegs, alle Fackeln stehen noch.

Das „Film ohne Grenzen“-Festival auf dem Eibenhof im brandenburgischen Bad Saarow zeigt bereits seit 2013 Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme. Filme mit Persönlichkeit und Botschaft, abseits klassischer Popcornfilme der Multiplex-Kinos.

Kulturscheune Gut Eibenhof

Ich bin überrascht von der Atmosphäre auf dem Eibenhof. Ich habe es mir „kinohafter“, „mummeliger“ vorgestellt. Falls es das Wort überhaupt gibt. Stattdessen stehe ich gefühlt selbst in einem Film á la „Ferien auf dem Reiterhof“. Zwischen Reitställen, einer Kulturscheune und Bierbänke finden angeregte Gespräche statt. Es erklingt ein Gong, der die Vorstellung des nächsten Films ankündigt. Alle machen sich auf den Weg in die Kulturscheune. Film ab!

Von Iran nach Frankreich

Das autobiografische Filmdrama „Nur wir drei gemeinsam“ (2015) vom Regisseur Kheiron läuft. Es handelt von Kheirons Vater Hibat, der mit Frau und Kind zur Zeit der iranischen Revolution von Iran nach Frankreich flieht. Kheiron ist Regisseur und Schauspieler zugleich: er spielt die Rolle seines Vaters Hibat.

Wegen Demonstrationen gegen das Regime wird der junge Jurastudent Hibat zu einer 10-jährigen Haftstrafe verurteilt. Am Geburtstag des Schahs weigert sich Hibat den Geburtstagskuchen zu essen. Er wird in Einzelhaft gesteckt und gefoltert. Aufgrund öffentlichen Drucks wird Hibat wieder freigelassen und entscheidet sich mit seiner kleinen Familie zu fliehen, um sie zu schützen.

Was sich erstmal nach schwerer Kost anhört, wird durch witzige Dialoge und Charme aufgelockert. Ich habe noch keinen Film gesehen, der so ernste Themen wie Diktatur, Flucht und Integration auf eine so humorvolle und leichte Weise erzählt.

Zwischen Tapferkeit und Verletzlichkeit

Eine ganz andere Art von „Good News“ zeigt sich im Film „Amelie rennt“ (2017) von Tobias Wiemann. Amelie ist eine Großstadtgöre, wie sie im Buch geschrieben steht. Eigensinnig, schlagfertig und stur. Doch eine Sache hasst Amelie: Ihre Asthmaerkrankung. Was sie vielleicht noch mehr hasst, sind die Leute, die ihr helfen wollen. Nach einem besonders schlimmen Anfall muss sie zur Kur in die Berge fahren. Wie zu erwarten reißt sie aus. Da sie niemand in den Bergen vermuten wird, tritt sie trotz Asthma den Aufstieg an.

Zwischen Tapferkeit und Verletzlichkeit: Der Film gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen, die mit chronischen Krankheiten aufwachsen. Ein Film, der berührt und uns zeigt, wie man über den eigenen Schatten springt.

Kerstin Jeßberger mit Regisseur Tobias Wiemann und Drehbuchautorin Jytte-Merle Böhrnsen des Films „Amelie rennt“

„Viele kleine Leute…

… an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern“ Dieses afrikanische Sprichwort passt perfekt auf den Dokumentarfilm „Little Stones“ (2017) von Sophia Kruz. Die Dokumentation porträtiert vier Frauen, die durch Kunst soziale Veränderungen bewirken.

Panmela Castro aus Brasilien macht mit Street Art auf häusliche Gewalt aufmerksam. Die Inderin Sohini Chakraborty unterstützt ehemalige Opfer von Menschenhandel und Gewalt in Form von Tanz und Bewegung.

Einen weiteren positiven Wandel rief die US-amerikanische Designerin Anna Taylor hervor. Sie gründete ein Modelabel, in dem kenianische Frauen dazu ausgebildet werden, High-Fashion-Mode herzustellen und dadurch ein selbstbestimmtes Leben führen können. Die vierte in der Dokumentation porträtierte Frau ist die senegalesische Rapperin Sister Fa, die sich mit ihrer Musik gegen Genitalverstümmelung in Afrika einsetzt. Ein kleines Highlight war der Live-Auftritt von Sister Fa im Anschluss an die Vorstellung.

Die Vielseitigkeit der Filme, von ernsten politischen Themen, über persönliche Schicksale und Einzelpersonen, die ihr Privatleben für eine bessere Welt unterordnen, machen das „Film ohne Grenzen“-Festival zu einer besonderen und authentischen Veranstaltung. Mich haben die starken Persönlichkeiten der Filme inspiriert und mir gezeigt, dass jeder Einzelne etwas Großes bewegen kann.


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