Startup Intelligence Center: Einhörner statt Esel

Auf einmal waren sie da: Uber, Airbnb, PayPal, Amazon – die Liste der mysteriösen Einhörner ist lang und wächst seit einigen Jahren rasant. Und so schnell wie sie da waren, begannen auch die Unternehmen, einschließlich uns, sogenannte Innovation Hubs aufzubauen und auszugründen.

Wozu? Um erfolgreich mit Startups zu kooperieren und schneller zu sein als der Rest der Mannschaft, der statt auf Einhörnern zu reiten, eher mit sturen Eseln kämpft. Erst war es nur ein Gedanke: auch wir müssen mitreiten…

Gesagt. Getan. Und im wilden Aktionismus begannen die ersten Teams Startups zu kontaktieren, Gespräche zu führen… Gespräche zu führen um am Ende dann doch nur Gespräche zu führen. So passierte es nicht selten, dass ich bei einem potenziellen Partner anrief und im zweiten Satz erfuhr: „Ach dazu sind wir doch gerade mit deinen Kollegen von Daimler Financial Service (DFS) im Austausch, gehörst du dazu?“

Peinlich. Denn ich weiß von gar nichts und lasse mir von dem Startup die Namen meiner Kollegen geben. Na, ähnliche Situation erlebt? Ich denke das war kein Einzelfall, denn es fehlte uns die globale Übersicht über unsere Pferdchen im Stall und die Rennen, an denen wir schon teilnahmen. Und das waren nicht wenige: „MobilityX“ in Austin, „Startup Autobahn Fintech“ in Singapur und viele mehr.

Erst war es also nur ein Gedanke

Wenn doch Startups so erfolgreich sind, weil sie in Netzen arbeiten und in Communities leben… brauchen wir dann nicht auch ein globales Netzwerk bei Daimler Financial Services, um mit ihnen erfolgreich zu kooperieren und gemeinsam etwas zu erschaffen?

Das war die Geburtsstunde des Startup Intelligence Centers (SIC) im November 2016. Prio 1: Definiere was du mit Startup Kooperationen erreichen willst und wieso du es willst. Fokussiere und strukturiere dich erst intern – bevor du den externen großen Aufschlag wagst.

Was also wollen wir damit erreichen?

Ein entscheidender Punkt ist, dass Startups die Technologie-Talente schon haben, die Daimler aktuell sucht, (du fühlst dich angesprochen und willst Daimler auch zum digitalen Champion machen? Dann schau am 16. November auf unserer Online Messe IT@Daimler  vorbei oder checke unsere offenen Stellen!) und das Wissen und die Fähigkeit besitzen, Bestehendes radikal zu hinterfragen und mutig über Board zu schmeißen.

Ganz menschlich würde ich sagen. Wer hinterfragt schon gern täglich, wieso gibt es mich hier, macht meine Arbeit überhaupt Sinn oder kann das eine App oder ein Roboter viel besser?

Genau hier brauchen wir die Innovationskraft von Startups. Mit ihren Ideen und Lösungswegen können wir unsere Prozesse und Services digitalisieren. Zum Beispiel wie wir den Kunden nach Auslaufen seines Finanzvertrags weiter bei uns halten.

Durch intelligente Analysen von Daten und Verhalten können wir unserem Kunden ein neues personalisiertes Finanzierungsangebot machen – am besten digital in unserem Kundenportal. Bei allem was wir tun, steht der Kunde im Zentrum und wir wollen durch neue Service-Erlebnisse unsere Kunden zu Fans machen. Tun wir das nicht oder nicht schnell genug, sind wir morgen weg vom Fenster.

Startups ticken allerdings anders

Was bedeutet anders? Sind es die kostenfreien Snacks, der Kühlschrank mit Bier, der Kicker oder die bunten Sitzsäcke? Definitiv nicht – das sind die Top-Vier-Startup Klischees, die in 99 von 100 Fällen nicht zutreffen. Denn statt bunten Säcken sitzen die oft sehr jungen Gründer meist in schäbigen alten Kellern auf Holzkisten.

Außerdem muss alles mit ihnen schnell gehen. Nicht, weil sie uns ärgern und zeigen wollen, wie langsam und schwerfällig wir als großes Unternehmen sind. Ein Startup kann einfach nicht Monate lang abwarten, bis wir einen Bestellungs- und Abrechnungsprozess über zig Ebenen abgestimmt und finalisiert haben. Das Startup braucht das Geld sofort.

Wir müssen uns auf sie einlassen und anfangen ihre Kultur, Arbeitsweise und ihre Interessen zu verstehen, um erfolgreich mit ihnen zusammenarbeiten zu können . Einer der wichtigsten Punkte ist, eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu schaffen und die Beziehung nicht als übliche Dienstleister-Steuerung zu verstehen. Auch wenn das heißt „als Daimler mal vom hohen Ross abzusteigen“.

Um diese Integration von Startup Technologien und Produkten in die Landschaft von DFS zu beschleunigen und fix zu realisieren, brauchen wir ein globales Netzwerk an internen Experten und starken externen Partnern.

Und genau das ist das Startup Intelligence Center: Es verbindet weltweit mehr als 40 Business und IT-Fachexperten aus dem Feld Finanzierung, Versicherung und Mobilität und circa 10 Startup Experten, die global nach den passenden Startups suchen.

Arbeiten in einer engen Dreiecksbeziehung

Das heißt wir verbinden:

A) den Fachbereich als Produkt-Verantwortlichen

B) das Startup als Technologie-Experte und Entwickler und

C) das SIC als Koordinator und Vermittler zwischen beiden Welten.

So stellen wir sicher, dass die Startup Kooperationen reale Probleme entlang unserer Prozesse und Produkte lösen und jede Partei volles Engagement zur Umsetzung zeigt. So kam beispielsweise die Versicherungsabteilung auf uns zu: Wir müssen für unseren Kunden das emotionale Erleben im Falle eines Schadens verbessern. Es fehlt ihm an Transparenz.

Ein gefundenes Fressen für unsere Startup Scouter, die sofort loslegen können und nach passenden Startups Ausschau halten! Das Ergebnis: Eine spannende Kooperation mit motionscloud, eine Schadensregulierungsapp, die durch ihre gesammelten Daten die Bearbeitungszeit nach einem Schaden beschleunigt und die eigenen Ansprüche transparenter macht.

Anders als bei programmorientierten Konzepten wie unseren „Startup Acceleratoren“ kann die SIC Community als offene Plattform und Netzwerk jederzeit kontaktiert werden (E-mail: SIC@daimler.com; Twitter: SIC_io). Einzige Bedingung ist, ich muss ein Startup sein und eine gute Idee oder ein bereits bestehendes Produkt haben, um die Finanz-, Versicherungs- und Mobilitätsdienstleistungen von DFS zu verbessern und das individualisierte Kundenerleben auf ein nächstes Level zu bringen.

Beim diesjährigen Web Summit kamen einige Startup-Ideen auf

Passt ein Startup zur globalen Strategie, zu den Kundenbedürfnissen und den definierten Suchfeldern, steht einem Kennenlernen und einer gemeinsamen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege – es ist ein „Match“.

Also: Lasst uns Tango tanzen

Und auch wenn wir uns anfangs noch ordentlich auf die Füße treten, haben wir mit dem Startup Intelligence Center eine globale Plattform etabliert, auf der das gemeinsame Üben, Dazulernen und Groß werden nicht nur erlaubt, nein sogar gewünscht sind.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist verantwortlich für „Innovation und Partnerschaften” @ Daimler Financial Services (DFS) und ist treibender Teil des globalen Startup Intelligence Centers. Mit ihrem Team und anderen Fachbereichen sowie ihrer Expertise als Wirtschaftspsychologin identifizieren sie gemeinsam Bedürfnisse der Kunden und arbeiten an neuen Lösungen sowie Geschäftsmodellen – und das zusammen mit der Innovationskraft und dem Technologie-Wissen von Startups. Was sie persönlich an Startups begeistert, ist der Mut und die Fähigkeit, neue Wege zu gehen und sich auch mal einzugestehen, dass man den falschen Weg gegangen ist.

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