20 Jahre A-Klasse: Von wegen „hässliches Elchlein“

Als die A-Klasse am 18. Oktober 1997 das erste Mal im Werk Rastatt ausgeliefert wird, bin ich sechs Jahre alt und spiele noch mit Matchbox-Autos.

Ganz schön jung also – aber alt genug, um mitzubekommen, dass ein neuer Mercedes die Autobranche in Aufruhr versetzt. Heute bin ich Praktikant in der Wirtschaftskommunikation bei Daimler und großer Fan des Kompakten, das war aber nicht immer so. Ein persönlicher Rückblick.

Ein lauer Herbstabend, irgendwo in der Nähe von Stockholm, Schweden. Es ist der 21. Oktober 1997. Auf dem Teststreckenasphalt markieren orange-weiß gestreifte Pylonen eine Slalomstrecke. Eine dunkelgrüne A-Klasse der Baureihe W 168, Kennzeichen S-AK 5231, beschleunigt auf knapp 60 Kilometer pro Stunde, versucht Hütchen auszuweichen, kippt zur Seite, stürzt – und landet schließlich auf dem Dach. Seit diesem Zeitpunkt ist der Begriff „Elch-Test“ fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes.

Enorm viel Platz auf kleinstem Raum bei gleichzeitig hoher Crashsicherheit

Keine Frage, ein schwarzer Tag für Mercedes-Benz: Die Presse mokiert sich über den missratenen Fahrstabilitätstest, die Kunden sind verunsichert, der Absatz von Elchstofftieren zieht an.

Doch das Unternehmen reagiert schnell und beherzt – getreu dem Motto Winston Churchills: „Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“ Mit Hochdruck tüfteln die Ingenieure an einer Lösung und machen aus dem Problem eine Tugend: Der kleinste Benz wird für 300 Millionen Euro nachgerüstet und bekommt die elektronische Fahrdynamikregelung ESP (Electronic Stability Control). Das gab es bis dato nur im Flaggschiff S-Klasse.

Mercedes-Benz Typ A 190 Limousine

Die Kunden fassen wieder Vertrauen und viele sind schon bald von dem radikal neuen Konzept des Autos begeistert. Schließlich bietet der Fronttriebler enorm viel Platz auf kleinstem Raum bei gleichzeitig hoher Crashsicherheit – dank genialem Sandwichboden und dreieckförmiger Anordnung der Fahrgastzelle. Den freien Raum im Zwischenboden des Autos nutzt Mercedes-Benz ab 1998, um alternative Antriebe zu erproben. Mit dem Versuchsfahrzeug NECAR schicken die Ingenieure die Elektroversion der A-Klasse zum Dauertest und schaffen damit die Basis für das heutige Zukunftsmodell EQA.

Der Erfolg des Kompaktfahrzeugs lässt nicht lange auf sich warten. Bereits im Jahr 2003 knackt der Kompaktwagen die Millionengrenze. Viele Käufer sind im Alter 50+ und schätzen insbesondere die hohe Sitzposition.

2004 kommt dann die zweite Generation der A-Klasse auf den Markt: mit größerer Spurweite, durchweg langem Radstand und auf Wunsch als Dreitürer-Variante. Doch das Pflaster wird rauer und die Konkurrenz schläft nicht: BMW fängt an, mit seinem 1er im Kompaktwagensegment zu wildern, VW schickt seinen Golf Plus ins Rennen, und Audi verkauft weiter erfolgreich seinen A3.

Und die A-Klasse kämpft immer noch mit ihrem Image, ein Rentnerauto zu sein – trotz aufwändiger Werbekampagnen mit Mika Häkkinen, Christina Aguilera und Co. Und sorry, bei aller Liebe: Bis heute finde ich das Design der ersten beiden Generationen nicht besonders ansprechend.

Weg vom Rentnerauto – her mit der Verjüngungskur!

Irgendwann zieht Daimler die Reißleine und entschließt sich zum radikalen Umbruch: Die A-Klasse kommt unters Messer. Besser gesagt unter den Bleistift von Marc Fetherston, verantwortlich für das Design der dritten Generation. 2012 stellt Mercedes-Benz das völlig neue Konzept auf dem Genfer Automobilsalon vor. Es heißt: Bye bye Sandwichboden und minivanartiges Konzept.

Stattdessen gibt’s eine 18 Zentimeter flachere Karosserie, einen breiten, aggressiven Kühlergrill und ein sportliches Schrägheck. Was für eine Verjüngungskur! Kein Wunder, dass das Auto einschlägt wie eine Bombe – auch bei mir. Als ich die ersten Bilder in der Fachpresse sehe, bin ich begeistert.  Das Motto “The pulse of a new generation“, mit dem Mercedes-Benz das neue Auto lanciert, trifft den Punkt. Und eine AMG-Version gibt’s auch noch!

Modell 2012 – 2015

Mit den neuen Modellen ganz vorne

Schon bald zaubert Mercedes-Benz weitere Kompaktmodelle aus dem Hut – allesamt Derivate der modernisierten A-Klasse. 2013 kommt der CLA – ein rasant designtes, windschlüpfriges Coupé mit einem stylisch gewölbten Heck, wenig später der CLA Shooting Brake. Ein Jahr später folgt der GLA, mit dem Mercedes-Benz auf den aktuellen SUV-Hype reagiert.

Mercedes-Benz CLA 250 Edition 1: nicht mehr im Handel

Mit den neuen Modellen jagt Mercedes-Benz dem Wettbewerb weltweit die Kunden ab. Die Eroberungsraten sind enorm: In den USA fahren mehr als die Hälfte der CLA-Käufer zum ersten Mal einen Mercedes-Benz. Und endlich schaffen es die Stuttgarter auch, junge Menschen anzusprechen: Europäische A-Klasse-Fahrer sind heute im Durchschnitt 13 Jahre jünger als noch 2011.

GLA 250 4MATIC (Kraftstoffverbrauch kombiniert : 6,2 (l/100 km); CO2-Emissionen kombiniert: 145 g/km)*

Mittlerweile hat Mercedes-Benz insgesamt 5.555.555 Kompakte ausgeliefert – davon 3.000.000 A-Klasse Fahrzeuge. Chapeau! Die eifrigsten Käufer sitzen dabei in Deutschland, China und Großbritannien.

Heute erinnert noch so manch verblichener Aufkleber oder ein Stofftier am Rückspiegel an die Zeit, in der die A-Klasse als das hässliche Elchlein abgestempelt wurde. Die bewegte Historie der Modellreihe hat sich mittlerweile zur Erfolgsgeschichte gemausert. Eine Erfolgsgeschichte, die Mercedes-Benz kontinuierlich fortschreibt: Einen ersten Ausblick auf die nächste Kompaktklasse-Generation liefert das Concept A Sedan, das Mercedes-Benz im April dieses Jahres in Shanghai vorgestellt hat.

In diesem Sinne: Alles Gute zum zwanzigsten Geburtstag, liebe A-Klasse. Du warst noch nie so cool wie heute und ich freue mich auf mehr!


* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Praktikant im Bereich Mercedes-Benz Cars Communications, Sales & Marketing.

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