Baltic Sea Circle: Von stinkendem Fisch und röhrenden Motoren

Eine offene Dose Surströmming für die nächsten 200 Kilometer im Fahrzeug befördern – das war eine von vielen Aufgaben, die es für uns sieben beim Baltic Sea Circle zu erfüllen galt.

Bei der nördlichsten Rallye des Erdballs mussten wir, das Team „Herrenzimmer“, harte Prüfungen bestehen und der rauen Wildnis trotzen. Einzig erlaubte Hilfsmittel: Karte, Kompass und drei Benz.

Bevor es diesen Sommer gen Norden ging, habe ich hier versprochen, über witzige, verrückte, und schwierige Erlebnisse auf den rund 7.500 Kilometern zu berichten. Ohne zuviel vorweg zu nehmen: Ja, die gab es alle. Allein die offene Fisch-Dose Surströmming zu transportieren war „verrückt“ und „schwierig“. Wer die schwedische Spezialität schon mal gerochen hat weiß, wovon ich spreche. Es handelt sich um vergorenen Hering …

Fisch liegt in der Luft

Ein nicht ganz so intensiver Fischgeruch umnebelte uns bereits vor dem Start des Baltic Sea Circles. Grund dafür war der Ort, an dem mein Team und ich unser Roadbook erhielten: der Hamburger Fischmarkt. Dort bekamen wir quasi unser Navigationsgerät in die Hände gedrückt. Eine Karte, noch ganz klassisch analog auf Papier. Voller Vorfreude und Elan machten wir uns danach direkt an die Planung der ersten Etappe.

Start am Hamburger Fischmarkt

Road-Trip Deines Lebens

Der Baltic Sea Circle gilt als „Road-Trip Deines Lebens“. Über zwei Wochen fährt man mit seinem Team vorbei an weißen Stränden und holprigen Straßen. Und das mit einem „Old School“-Wagen im Alter von mindestens 20 Jahren. Freiheit und Abenteuer garantiert! Und das alles auch noch für einen guten Zweck, denn alle Teilnehmer sammeln Spendengelder für Charity-Projekte. Unsere Summe kam zwei Projekten zu Gute – dazu später mehr.

Erholung für Nase und Magen

Wir hatten den Ansporn, jede Challenge und jeden Punkt auf der zu fahrenden Strecke mitzunehmen. Auf jeder Etappe der Rallye gilt es, eine Aufgabe aus dem Roadbook zu meistern, wofür es letztendlich Punkte für die finale Wertung gab. Allerdings ließen sich die Schwierigkeit mancher Aufgaben und der Zeitdruck nicht immer vereinbaren. Wie anfangs erwähnt, erforderte die eine oder andere Herausforderung Erholungsbedarf – besonders für Nase und Magen.

Kompass und Duftbaum durften natürlich nicht fehlen

Am Steuer eines alten Benz

Am Steuer eines alten Benz und der Landkarte in der Hand ging es los. Der Baltic Sea Circle führt durch beeindruckende Landschaften. Mein Highlight war Norwegen. Die Strecke über Berg und Tal, vorbei an grünen Fjorden und schneebedeckten Bergrouten, bis hin zur Fähre auf die wunderschönen Lofoten, war jeden Kilometer wert. Selten haben wir so eine schöne und abwechslungsreiche Landschaft gesehen!

Beeindruckende Landschaft auf dem Baltic Sea Circle

Teuer Parken am Nordkap

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Unser „Lowlight“ war das Nordkap. Schlappe 50 Euro Parkgebühr für ein bisschen Klippe, auf der eine Weltkugel aus Metall steht. Nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Aber immerhin können wir behaupten: Wir waren am fast nördlichsten Punkt Europas!

Nordkap: der fast nördlichste Punkt Europas

Into the wild

Je nach Strecke klingelte der Wecker zwischen sieben und neun Uhr. Zum Frühstück gab es meistens nicht mehr als ein Nutella-Toast oder einen kurzen Stopp an der Tankstelle. Danach ging es auf die Straße, wo wir den Weg mit der Landkarte finden mussten – denn GPS und Navi blieben zuhause.

Abends, meist gegen sieben Uhr, suchten wir uns einen schönen Ort zum Campen und schlugen dort unser Nachtlager auf. Mit Camping-Grill, Nudeln mit Soße und Lagerfeuer haben wir die Abende ausklingen lassen. Immer wieder wurden wir daran erinnert, dass wir uns in tiefster Wildnis befanden. Eines Abends etwa hörten wir in der Ferne ein heulendes Rudel von Wölfen – ein bisschen mulmig wurde es uns da schon.

Ein Hoch auf unsere pannenfreien Twens

Umso schöner, dass unsere drei robusten, langlebigen und sehr komfortablen Benz von Pannen verschont blieben, auch wenn sie das Alter von 20 Jahren schon überschritten hatten. Das konnten einige andere Teams von ihren Fahrzeugen leider nicht behaupten. Das ein oder andere Mal mussten wir mit Hand und Benz zur Seite stehen. Hilfsbereitschaft wird bei den Teilnehmern des Baltic Sea Circles groß geschrieben – auch wenn es am Ende nur einen Sieger geben kann.

Ölcheck

8.500 Kilometer in 16 Tagen

Über die gesamte Rallye hinweg waren wir ein Team. Natürlich gehen bei einer großen Gruppe, die Tag und Nacht miteinander verbringt, Meinungen und Erwartungen auch mal auseinander. Wir haben aber immer einen Weg gefunden, Probleme und Meinungsverschiedenheiten im Team zu lösen. Nicht umsonst sind wir untereinander sehr gut befreundet.

Nach 7.500 Kilometern und 16 Tagen hatten wir es geschafft. Müde, erschöpft und erleichtert erreichten wir die Zieleinfahrt. Auch wenn uns der Baltic Sea Circle viele neue Erfahrungen, traumhafte Landschaften und nicht zuletzt neue Geruchserlebnisse beschert hat, werden wir im nächsten Jahr wohl nicht wieder auf der Teilnehmerliste stehen. Das hat allerdings nichts mit Suströmming zu tun…

Ziel erreicht!

Die Idee eines Roadtrips für den guten Zweck hat sich auf jeden Fall bewährt. Bereits Mitte Mai habe ich unsere Teilnahme angekündigt und zu Spendengelder aufgerufen. Wir haben unser gesetztes Sammelziel von 3.000 Euro erreicht. Davon gingen 1.245 Euro an die Meeresschutzorganisation Deepwave e. V. und der Rest an das Projekt „Ein behindertengerechte Zuhause für Johanna“.

Allen Spendern und Unterstützern dieses Roadtrips ein großes: DANKESCHÖN!

Finish nach 7.500 Kilometern und 16 Tagen


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