Hardy Krüger: Klare Kante gegen Rechts

Manchmal trifft man auf Menschen, die einen tief berühren. Solch ein Mensch ist für mich der Schauspieler und Autor Hardy Krüger. Der Senior. Mit welcher Energie der fast 90-Jährige gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt auftritt, hat mich tief beeindruckt.

Ab in die Schule! An einem Montagvormittag im August kamen wir, die Azubis des Mercedes-Benz Werkes Bremen, in der Oberschule an der Kurt-Schuhmacher-Allee an. Zugegebenermaßen wussten wir nicht so richtig, was oder wer uns da erwartet. Den Namen Hardy Krüger hatten einige zwar schon einmal gehört, dennoch zog uns eher das Thema zurück in die Schule: Demokratie stärken und gegen Rechtsradikale in unseren Parlamenten eintreten. Da wollten wir hin!

Gemeinsam sind wir stark!

Als wir gefragt wurden, ob wir uns diesen Vortrag anhören wollen, kam natürlich schnell die Frage auf, was uns die Möglichkeit dazu verschafft? Unser Meister erklärte uns, dass Daimler die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt, mit der Hardy Krüger eng zusammenarbeitet. Seit ihrer Gründung 1998 sei es das Ziel der Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken.

Deshalb besucht Hardy Krüger seit 2013 Schulen, um von seiner Jugend während der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten. Vor fünf Oberstufen hat er in diesem Jahr schon gesprochen. Dieses Mal in Bremen.

Die Spannung steigt

Die Aula war voll. Und um es vorweg zu nehmen: Kein Handy bimmelte, keine Gespräche zwischendurch und kein Rumspielen mit dem Smartphone. Dieser Mensch, seine Geschichte und seine Mission hielt alle gebannt. Hardy Krüger war klar, dass die Mehrheit von uns keine Ahnung hat, wer er ist. „Ist doch nicht schlimm. Die Filme, in denen ich mitgespielt habe, könnt ihr nicht kennen.“ Stimmt: „Die Brücke von Arnheim“ oder „Hatari!“ ist aus unserer Sicht schon ewig her.

Der 89-jährige Schauspieler erzählte uns Auszubildenden und weiteren Schülern von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Sehr eindringlich und doch sehr ruhig. Gleich zu Beginn sagte er, dass er nicht gern über sich rede. Dass er es nun trotzdem tue, läge daran, dass sein Schicksal mit dem der damaligen Generation vergleichbar wäre. „Und wir werden immer weniger“, fügte er an. Seine Generation könne somit bald nicht mehr von ihren Erlebnissen erzählen – deshalb sei er hier.

Eine seiner berühmtesten Rollen: Hardy Krüger im Film „Hatari!“

Alarmierende Tendenzen

Dass ihm sein Anliegen wichtig ist, merkt man ihm an. „Seit Jahren beobachte ich einen alarmierenden Trend zum Verneinen der Wahrheit. Und genau dieses habe ich schon einmal erleben müssen: damals – unter Hitler“, sagt Krüger. Und heute seien die Zeichen der Diktaturwilligen wieder zu sehen, ganz offiziell bei den Wahlen, denn „die Neonazis stoßen mit ihren demokratiefeindlichen, realitätsverdrehenden Parolen zunehmend auf Gehör. Sie sitzen längst wieder in Stadt- und Landesparlamenten und gefährden all das, was nach 1945 mühsam aufgebaut wurde.“

Hardy Krügers Eltern waren Hitler-Anhänger, er anfänglich auch: Auf dem Klavier zuhause in Berlin stand eine Hitler-Büste, an den Wänden hingen viele Bilder des Führers. Als er fünf war, steckten ihn seine Eltern voller Vorfreude in eine Jungvolk-Uniform, die eigentlich für 10-Jährige gedacht war.

Er fand das ja auch toll. Mit 13 kam er auf die Ordensburg Sonthofen , eine Schmiede für den SS-Nachwuchs. Denn seine eigentlich liebenswerten Eltern haben einen großen Fehler begangen, erinnert sich Krüger. Sie haben sich von Hitler verblenden lassen – doch das verstand er erst später.

„Ja“ zur Demokratie

1943 suchte der Regisseur Alfred Weidenmann nach Darstellern für seinen NS-Propaganda-Film „Junge Adler“. Krüger wurde ausgewählt und ging zum Film, wo er den Schauspieler Hans Söhnker kennenlernte. Dieser Schritt hat sein Leben verändert. Hans Söhnker verhalf Juden zur Flucht in die Schweiz und erzählte Hardy von den Konzentrationslagern in Dachau und Bergen-Belsen.

Er hatte den Mut, ihm zu sagen, dass sein „Halbgott“ ein Verbrecher sei! Die Erinnerungen an diese Zeit sind bei Hardy Krüger noch immer sehr präsent. 1945 verweigerte er einen Schießbefehl, desertierte und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Eines ist Hardy Krüger besonders wichtig: Den politischen Vertretern stets auf die Finger gucken. Wer die Demokratie abschaffen will, muss bekämpft werden – damit die Gesellschaft nie wieder das erleiden muss, was er zu überleben hatte. Das stimmt leider: Wie leicht lassen sich Menschen um den Finger wickeln, wie gern geben sie sich Feindbildern hin und suchen immer wieder die Schuld für ihren Frust bei anderen.

Hardy Krügers Rede schließt mit einem klaren Appell an uns: „Geht zur Wahl, sobald Ihr dazu aufgerufen seid. Schaut den Politikern auf die Finger. Wählt keine Partei, die unsere Demokratie abschaffen will. Denn dies ist Eure Zukunft. Euer Leben. Unser Land!“

WIR gehen wählen!

Seine Geschichte – die Geschichte Nazi-Deutschlands – kenne ich aus einer völlig anderen Perspektive. Ich stamme aus Russland und meine Großeltern, meine ganze Familie hat gegen die Nazis gekämpft. Mit meiner Familie lebe ich jetzt seit fünf Jahren in Deutschland. Der Trend von manchen, in Deutschland weg von einer Demokratie, macht mir manchmal Angst. Deshalb bin ich froh, in einem Unternehmen zu arbeiten, das sich klar positioniert! Diese Positionen versuche ich auch beruflich zu beziehen: Ich bin in der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Da „üben“ wir täglich, wie sich Rechte und Pflichten im Gleichgewicht halten.

Die Botschaft von Hardy Krüger kam bei uns allen an. Es ist etwas Besonderes, jemandem zuzuhören, der das alles wirklich erlebt hat. Niemand von uns möchte so etwas am eigenen Leib erfahren müssen. Und ja: WIR gehen wählen!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie absolviert eine Ausbildung zur Mechatronikerin im Mercedes-Benz Werk Bremen und engagiert sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

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