Klapprad-WM 2017: Projekt Titelverteidigung? Check!

Dieser Moment, wenn „KLAPP SABBATH“ – der Name deines Klapprad-Rennteams bei der Siegerehrung der Weltmeisterschaft in Mannheim als Letztes aufgerufen wird, ist einfach überwältigend. Und damit nicht genug: Auf der Bühne überreichte uns Céphas Bansah, ein waschechter ghanaischer König, höchstpersönlich die Siegertrophäe „HORST“.

Wir, das sind Michael Hofmann, Mike Rinks, Franz Tobaschus und ich: Ralf Kien. Ein absolut eingeschworenes Team!

Ja, wir haben es geschafft und konnten unseren Titel, den wir uns im letzten Jahr beim „24h World-Klapp Rennen“ im pfälzischen Schopp erkämpft haben, beim diesjährigen 4er-Mannschaftszeitfahren in Mannheim verteidigen.

Für mich gewissermaßen ein Heimspiel: Schließlich arbeite ich seit über einem Vierteljahrhundert im Mercedes-Benz Werk Mannheim. Und in den acht Wochen vor der WM wurde mein Arbeitsweg zu meiner Trainingstrecke mit dem „Klappi“. Zwischen meiner Haustür im Haßloch/Pfalz und der dem Werkstor in Mannheim kamen in Summe rund 1.400 Klapprad-Kilometer zusammen.

Mit 48 Metern Vorsprung ins Ziel

Es war wirklich ein recht knappes Ding dieses Jahr, denn die Konkurrenz ist enorm stark. Wir konnten uns im Hauptrennen über drei Runden à 1,8 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,6 Stundenkilometern auf der 5,4 Kilometer langen Strecke einen Vorsprung von vier Sekunden (ca. 48 Meter) auf die zweitplatziere Mannschaft „Feuer.Wasser.Blitz“ herausfahren.

Für diese Durchschnittsgeschwindigkeit im Rennen, war auf den geraden Streckenpassagen eine Höchstgeschwindigkeit von 48 Stundenkilometern nötig. Im Training hatte ich mit der Rennübersetzung für Mannheim (ca. acht Meter Fahrweg pro Kurbelumdrehung) sogar einmal eine Höchstgeschwindigkeit von 53,8 Stundenkilometern erreicht.

Training macht den Meister

Das Training für den diesjährigen World-Klapp war sehr zeitintensiv, denn neben dem eigenen Einzeltraining hatten wir auch ein viertel Jahr vorher, fast wöchentlich im Team auf dem Rheindamm zwischen Altrip und Speyer trainiert. Dort haben wir uns eine Trainingsstrecke von 5,4 Kilometern markiert, mit 450 Metern-Wechselmarkierungen, um auch diese bis zur Perfektion zu trainieren. Denn so ein Sprintrennen, wie in Mannheim, gewinnt man in den Kurven und bei den Wechseln innerhalb des Teams.

Dieses Jahr wurden wir in unserer letzten Woche vor dem Rennen von dem Foto-Journalisten Philipp Sann begleitet, was ein echter Glücksfall für uns war. Ihm haben wir auch die tollen Fotos zu verdanken. Er hat dafür hautnah mitbekommen, mit wieviel Einsatz und Leidenschaft wir diesen Sport ausüben. Beim Wettkampf hat er dann selbst mitgefiebert und die Daumen gedrückt.

Aber was ist überhaupt: Klapprad-Sport?

Der „Klapprad-Sport“ gilt als Radsport der besonderen Art.

Wir fahren mit Klapprädern aus den 70er- und 80er-Jahren, die im Rahmen des Reglements getunt werden dürfen, freizeitmäßig und auch Straßen- und Bergrennen. Dabei muss der Klappmechanismus des Fahrrads funktionstüchtig sein, ein originaler Klappradlenker verbaut sein und das Klapprad mit 20 Zoll bereift sein. Zudem darf das Rad nur einen Gang haben, der aber von jedem Fahrer durch Umbau frei gewählt werden kann.

Ohne Bart kein Start

Es geht beim Klapprad-Sport nicht nur um das sportlich ambitionierte Radfahren an sich, sondern auch um den 70er- und 80er-Jahre Spirit. So muss beispielsweise jeder Teilnehmer einen echten 70er-Jahre-Bart zum World-Klapp tragen. Das Motto lautet: „Ohne Bart kein Start“. Frauen dürfen sich einen Bart ankleben, müssen sich aber bei der Anmeldung vom Amtsfriseur Rainer KLAPP eine „Bartwuchsunfähigkeitsbescheinigung“ ausstellen lassen.

Und auch die Team-Outfits sollen optisch aus den 70er- oder 80er-Jahren sein. Hier haben wir uns für dieses Jahr wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Als amtierende Titelträger haben wir unseren Teamnamen ergänzt und uns „KLAPP SABBATH the heroes“ genannt. Dafür kam natürlich nur ein Outfit infrage: Die Superhelden aus den 70er-Jahre-Comics Batman, Superman, Spiderman und Flash. Die Outfits kamen bei den Zuschauern und Fans richtig gut an, was uns natürlich riesig gefreut hat.

Radfahren beim „Benz“?

Ja, sehr viel! Ich fahre schon seit meiner Ausbildung regelmäßig mit dem Rennrad von Haßloch nach Mannheim – das sind 72 Kilometer täglich. Da kommen im Jahr zwischen 12.000 und 13.000 Trainingskilometer alleine als Arbeitsweg zusammen. Ohne die könnte ich meinen Sport nicht so ambitioniert betreiben, wie ich das aktuell tue. Insgesamt fahre ich im Jahr etwa 18.000 Kilometer mit all meinen Rädern – in der Freizeit und bei Wettkämpfen. Somit ist der größte Trainingsanteil mein täglicher Arbeitsweg.

Im Mannheimer Motorenwerk arbeite ich als Meister in der Zylinderkopffertigung für Lkw- und Bus-Motoren. Mein Team und meine Kollegen nennen mich spaßeshalber „Der Verrückte“, da so viel mit dem Rad fahre, vor allem im Winter. Aber das Radfahren ist auch ansteckend, denn ich konnte in den knapp 26 Jahren, die ich schon beim „Benz“ arbeite, viele Kollegen motivieren, auch mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen. Es freut mich sehr, auf diese Weise meiner Vorbildfunktion gerecht zu werden und einen kleinen Teil zu den vielen Initiativen von Daimler in Sachen Gesundheitsförderung beizutragen!

Der perfekte Ausgleich

Für mich gibt es fast nichts Schöneres, als bei tollem Wetter vor und nach der Arbeit aufs Rad zu steigen. Denn wenn mein Arbeitstag mal stressig war, ist das Radfahren für mich der perfekte Ausgleich. Und ich habe auch noch das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden: Ich halte mich gesund und fit! Das ist für mich gelebte „Work-Life-Balance“ und ich tue mir jeden Tag etwas Gutes!

In Bezug auf den Klapprad-Sport gibt es mittlerweile viele Fans unter den Kollegen, Vorgesetzten und MitarbeiterInnen. Wenn ich mir dann etwa drei Wochen vor dem World-Klapp den „Schenkelbürsten-Bart“ wachsen lasse, werde ich oft darauf angesprochen, wie beispielsweise „Oh, ist es wieder soweit?“ oder „Ist der Bart porno!“. Denn normalerweise bin ich kein Bartträger. Oft sorgt er für große Erheiterung bei Leuten, die noch nicht wissen, warum ich mir den Bart wachsen lasse.

Nach der Tour ist vor der Tour

Meine Jungs von „KLAPP SABBATH“ und ich sind immer noch glücklich, dass wir unseren Titel in diesem Jahr verteidigen konnten. Und eins ist klar: Wir sind natürlich schon wieder mit unseren Rädern auf den nächsten Touren unterwegs!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Meister in der Zylinderkopffertigung des Mercedes-Benz Werkes Mannheim und arbeitet konsequent daran, auch seine Frau und die beiden Töchter mit seiner Begeisterung für den Radsport anzustecken.

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