Flüssiges Gold: Besuch bei den Daimler-Bienen

Daimler ist sehr vielseitig und überrascht mich während meines Praktikums immer wieder. Doch dass es an verschiedenen Standorten sogar Daimler-Bienen gibt, die leckeren Honig produzieren – damit hatte ich dann doch nicht gerechnet!

Das Unternehmen unterstützt die Imkerei und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Es leistet einen Beitrag zu Biodiversität und bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, ihr Hobby buchstäblich neben der Arbeit auszuführen.

Morgens lautet meine Devise am Frühstückstisch: je süßer, desto besser. Da darf der Joghurt gerne mal mit einer ordentlichen Portion Honig gepimpt werden. Bisher habe ich mich nie gefragt, wie Honig eigentlich genau entsteht. Klar, Bienen sammeln Nektar und transportieren ihn dann zu ihrem Bienenstock.

Besuch in Möhringen: Dagmar Maria Schweizer (links) und Silke Wendel (rechts) zeigen mir die Welt der Bienen.

Und dann? Außer durch eine gewisse Zeichentrickserie und zwei schmerzhafte Begegnungen mit ihrem Stachel im Fuß hatte ich bislang kaum Berührungspunkte mit den schwarz-gelb gestreiften Insekten. Dass ich genau darüber etwas während meines Praktikums bei Daimler erfahren darf, hätte ich nicht gedacht. Daimler ist schließlich ein Autohersteller, da summt höchstens der Motor … oder nicht?

Bienen fliegen bei Daimler ein und aus

Nein, denn hier setzt sich die Belegschaft auch dafür ein, dass die Bienen fröhlich summen und Nektar sammeln dürfen. Dass Daimler die Imkerei unterstützt, ist ein wichtiges Zeichen dafür, den Bienen und ihrer schwindenden Anzahl mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn sterben sie aus, so prophezeite sogar Albert Einstein, dann sterben auch Pflanzen und Tiere und schließlich der Mensch aus. In China müssen Menschen wegen massiven Bienensterbens teilweise die Blüten selbst per Hand bestäuben – ein merkwürdiges Bild, wie ich finde.

Die Wabendeckel müssen mit einer Entdecklungsgabel abgetragen werden, damit der Honig in der Honigschleuder aus den Waben gelöst wird.

Um mir einen ersten Überblick darüber zu verschaffen, an welchen Standorten es Daimler-Bienen gibt, treffe ich mich in Stuttgart-Untertürkheim mit Sven Giesler, der schon seit vielen Jahren im Arbeitskreis Umwelt tätig ist. Sobald er anfängt, von den fleißigen Tierchen zu sprechen, versprüht er eine Begeisterung für das Thema, die ansteckt.

Zusammen mit Steffen Ley hat er sich für die Ansiedlung von Honigbienen in den Stadtteilen Hedelfingen und Wangen eingesetzt, wo es seit 2014 nun oberhalb der Weinberge auf den Wiesengrundstücken fleißig wuselt. Momentan gibt es dort zwei Bienenstöcke, es sollen aber wieder mehr werden, nachdem der Winter den Bestand dramatisch geschrumpft hat. Der Honig, den die geflügelten Mitarbeiter dort produzieren, wird verlost oder gespendet. Auch ich durfte den Daimler-Honig probieren und war begeistert. Die Bienen haben hier – wie es von Daimler-Mitarbeitern nicht anders zu erwarten ist – volle Arbeit geleistet!

Im Schleudergang

Zu sehen, wie aus den Waben schließlich das flüssige Gold gewonnen wird, hat mich völlig fasziniert. Sven Giesler schleuderte den Honig mit drei weiteren Imkern – ehrenamtlich, und damit außerhalb der Arbeitszeit, versteht sich. Eines der im wahrsten Sinne des Wortes jüngsten Mitglieder der Imkergruppe in Untertürkeim war Tobias Zechiel.

Sven Giesler (Bereich Antriebsstrang), Andreas Jäkel (Bereich Forschung & Entwicklung), Nina Trost und Tobias Zechiel (beide aus dem Bereich Van) schleudern den Honig, den die Bienen in Hedelfingen-Wangen gesammelt haben.

Er schloss sich der Imkergruppe Anfang 2017 an. Auf die Frage, was ihn zum Imkern bewegte, antwortete er: „Mich interessierten Bienen schon immer. Der letzte Impuls, um wirklich aktiv zu werden, kam aber erst durch den Aufruf im Intranet, sich den Imkern bei Daimler anzuschließen. Die Imker-Treffen sind jedes Mal äußerst lehrreich und mir wurde von Anfang an alles sehr gut erklärt. Die Verbindung aus Natur, Bienen und dem leckeren Endprodukt ist für mich einfach eine schöne Kombination!“

Bevor die Waben in die Honigschleuder eingelegt werden, müssen die Imker die Waben entdeckeln, sprich, die Wachsdeckel mit einer Entdecklungsgabel abheben. Die Kunst hierbei: nicht zu tief einstechen und die Deckel möglichst schnell entfernen, da sonst zu viel Honig verloren geht. Nachdem die Imker die Waben in die Maschine gestellt haben, schaltete Sven Giesler die Honigschleuder ein. Es piepte und wackelte – und bald floss goldener Honig aus dem Auslaufhahn hinaus und mir das Wasser im Mund zusammen.

Die Arbeit von tausenden von Bienen fließt aus der Honigschleuder heraus. Das Sieb hält kleine Wachsteilchen zurück.

Bienen in Berlin und Bremen

Bei Bremen denke ich zuerst an die Stadtmusikanten. Eine Biene zählt nicht zu dem illustren Kreis, doch auch sie fühlt sich in der Hansestadt wohl. Auf dem Werksgelände in Sebaldsbrück in Bremen bieten zwischen vier und zehn Bienenstöcke den fleißigen Tierchen ein Zuhause. Momentan gibt es dort sechs Bienenvölker und zwei Ablegervölker, um für Nachwuchs zu sorgen. Thomas Becker ist im Qualitätsmanagement tätig. Ihm gehören die Bienen. Durch sie kann er 45 bis 55 Kilogramm Honig pro Volk und Jahr produzieren.

In luftiger Höhe fühlen sich die Bienen in Berlin wohl.

Auch in Berlin dürfen die nützlichen Insekten ausschwirren und die Mitarbeiter mit ihrem Produkt erfreuen: Hier sind seit 2013 auf dem Dach des Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland-Gebäudes acht Bienenstöcke angesiedelt. Ein Imker kümmert sich ganzjährig um die Völker dort. Flachdächer eignen sich für die Bienen optimal, da sie wegen ihrer Höhe Baumhöhlen ähneln und vor Honigdieben schützen.

Besuch in Möhringen

Um mir von dem fleißigen Gewusel selbst ein Bild zu machen, habe ich die Bienen in Stuttgart-Möhringen besucht. Dort sind Dagmar Maria Schweizer und Silke Wendel für die drei Bienenstöcke verantwortlich. Dagmar Maria Schweizer erzählte: „Nachdem ich die Idee hatte, Bienenstöcke im Unternehmen anzusiedeln, berichtete ich dem Bereichsleiter des Corporate Business Service Managements Ulrich Sippel davon. Er gab grünes Licht und stellte das Budget dafür zur Verfügung. Da ich das Projekt nicht alleine stemmen konnte, holte ich noch Silke Wendel mit ins Boot.“ Die beiden machten privat einen Imkerkurs und imkern seitdem außerhalb der Arbeitszeit.

Idylle pur: Die Bienenstöcke sind nur ein paar Gehminuten vom Standort Möhringen entfernt.

Die Bienenstöcke liegen etwa fünf Gehminuten von den Büros in Möhringen entfernt auf einer Wiese. Silke Wendel rät mir, nicht vor die Fluglöcher, also die Ein- und Ausgänge, zu laufen, was ich dankbar annehme. Bienenstiche genieße ich lieber in Kuchenform. Wir haben Glück an dem Tag: Die Bienen sind so friedlich, dass der sogenannte „Smoker“ nicht zum Einsatz kommen muss.

Der Rauch signalisiert den Bienen Gefahr – ihr Instinkt ruft: Es brennt! Um sich für die Flucht zu wappnen, saugen sie sich mit Honig voll und werden dadurch ruhiger. Das fleißige Treiben beeindruckt mich. Jede Biene hat ihre Aufgabe: Die einen bauen Waben, die anderen sammeln Nektar und wieder andere sind so etwas wie die Türsteher am Eingang und wimmeln Feinde ab.

Der Smoker dient dazu, die Bienen zu beruhigen. Manchmal ist er aber gar nicht nötig.

In der linken Zarge, einer der Holzkisten, in welchen die Rähmchen eingehängt sind, finden wir etwas Honig und darunter die Brut. Die kleinen Larven werden von den Ammenbienen mit Futtersaft, Pollen und Honig gefüttert. Doch auch eine etwas brutale Szene spielt sich vor unseren Augen ab: Ein Drohn, also eine männliche Biene, die lediglich der Fortpflanzung dient, wird von anderen Bienen aus dem Stock geworfen – zum Wohle der Mehrheit, um Nahrung zu sparen.

Auf die Frage, was ihnen am Imkern besonders Spaß macht, meint Dagmar Maria Schweizer: „Abgesehen vom Fachlichen und der Arbeit in der Natur finde ich auch das Drumherum sehr schön: Durch das Bienenteam lerne ich Leute aus ganz anderen Abteilungen kennen. Statt in einer Kneipe treffe ich mich lieber abends zum Imkern, das ist Socializing auf eine andere Art.“ Silke Wendel erklärt: „Ich bin ein naturverbundener Mensch und Bienen sind ein essentieller Teil des Ökosystems. Es ist schön, durch so ein Projekt soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen und dadurch die Botschaft weiterzutragen, dass jeder einen Beitrag leisten kann.“ Wie die Bienen, denke ich mir: viele Einzelne tragen zum großen Ganzen bei.

Der Stockmeisel dient zum Beispiel dazu, Wachs abzuschaben.

Was macht ein Imker?

Was bedeutet Imkern nun genau? Dagmar Maria Schweizer beschreibt den Ablauf so: „Wenn es nötig ist, setzen wir zunächst den Raucher ein, um die Bienen zu beruhigen. Dann ziehen wir einzelne Rahmen heraus und schauen, was im Volk vorgeht. Gibt es eine Königin? Sind Weiselzellen da, die auf die Produktion einer neuen Königin hindeuten? Wie sehen die Waben aus?“ Außerdem gilt es, Krankheiten zu erkennen und zu bekämpfen, für die Wintereinfütterung zu sorgen und natürlich den Honig zu ernten.

Mir wurde allein durch die ersten Schritte bewusst, dass die Imkerei deutlich komplexer ist, als ich bisher angenommen habe und auch Silke Wendel bestätigt: „Das ist nichts, was man mal sich mal schnell in einem VHS-Kurs aneignen kann. Imkern ist ein ständiger Lernprozess.“ Umso bewundernswerter finde ich den Einsatz der ehrenamtlichen Imker.

In einigen Waben sieht man die kleinen Larven.

Apropos Einsatz: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich bei Daimler nicht nur für den Erhalt der Honigbiene ein. Auf dem Werksgelände in Sindelfingen gibt es beispielsweise Insektenhotels, um Wildbienen ein Zuhause zu bieten. Diese werden von Auszubildenden im Rahmen von Sozialprojekten gefertigt. In Bad Cannstatt gibt es hinter dem Werk eine Ausgleichsfläche, auf der es sich die Seidenbiene gemütlich gemacht hat, und auch in Hamburg gibt es Insektenhotels für Wildbienen.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist Praktikantin in der Internen Kommunikation und studiert Kommunikationsmanagement an der Universität Hohenheim. Als Nervennahrung für ihre anstehende Masterarbeit legt sie sich schon mal einen Vorrat an Honig an.

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