Duales Studium: Start your engines!

Der erste Schritt war schwer. In einem neuen Unternehmen ein Studium mit einer anderen Fachrichtung beginnen. Was würde wohl auf mich zukommen in meinem IT-Automotive Studium bei Daimler?

Ganz klar, meine vorherige Ausbildung als Papiertechnologe war eine andere Welt. Informatik, ein Gebiet, das nahezu komplettes Neuland für mich war. Auch die Automobilindustrie spielte in meinem bisherigen Berufsleben keine Rolle. Doch warum den Schritt raus aus einer sicheren Berufung wagen? Es war die Leidenschaft zum Motorsport, gepaart mit der Herausforderung neue Wege zu gehen, die mich zu dieser tollen Erfahrung getrieben haben.

In meinem persönlichen Rennen durch das Duale Studium mit der Fachrichtung IT-Automotive habe ich einige „Boxenstops“ eingelegt.

Die Vorbereitungsphase

Vor dem Start des Rennens mussten die richtigen Vorkehrungen getroffen werden. Denn ohne die notwendige Vorbereitung kann selbst der beste Rennfahrer seine Ziele nur schwer erreichen. Bevor wir Studierende nun auf die Duale Hochschule losgelassen wurden, besuchten wir während der ersten Praxisphase verschiedene Seminare. Das Duale Studium beinhaltet nämlich den ständigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis.

Die Seminare umfassten dementsprechend die Basics, die jeder IT Automotive Studierende für die Hochschule benötigt. Dazu zählen Programmieren, Elektrotechnik und Digitaltechnik, aber auch ein einwöchiger Besuch der Auszubildenden-Werkstatt in Esslingen-Brühl. Hier bekamen wir die Möglichkeit selbst einmal einen Motor auseinander und zusammen zuschrauben.

Ready, Set, Go!

Der wahre Beginn des Studiums: Die erste Theoriephase . Man merkte von der ersten Sekunde an, mit der Schule beziehungsweise der Berufsschule ist ein Studium kaum zu vergleichen. Der einzige sinnvolle Vergleich ist die Größe des Kurses, die es den Dozenten mit rund 30 Personen erlaubt, auch auf einzelne Fragen genauer einzugehen.

Nichts desto trotz ist die Zeit im Dualen Studium eine sehr rare Ressource, sodass wir schnell merkten, wie gut uns die vorangegangenen Seminare weiterhalfen. Jeder konnte seinen Fokus verstärkt auf die Inhalte legen, die ihm zuvor noch unklar blieben. Ganz klar, dies beeinflusste die Ergebnisse der Klausuren positiv, denn die Vorbereitung vertrieb die Sorgen vor den gestellten Aufgaben. Der erste Teil des Rennens war somit bestanden.

Boxenstopp bei Mercedes-Benz Cars

Nach dem das erste Studienjahr vorbei war, waren wir endlich soweit, auch praktisch den Welpenschutz abzulegen. Das bedeutete gleichzeitig auch die Übergabe von Verantwortung, denn in den weiteren Praxisphasen erhalten die Studierenden große Freiheiten. Jedem Studierenden ist es gestattet, den Fachbereich, in den er reinschnuppern möchte, selbst auszusuchen. Die einzigen Hürden, die sich dabei stellen, sind die Überzeugung des Fachbereichs, eine für die Fachrichtung des Studiums geeignete Aufgabe, sowie einen Betreuer für den Zeitraum bereitzustellen. Das praktische Profil seines Studiums kann somit jeder selbst bestimmen.

So war für mich klar, dass sich meine Laufbahn in jedem Fall in Richtung Motorsport bewegen sollte. Um Erfahrungen zu sammeln und mich sicherer zu fühlen, legte ich einen Zwischenstopp in der Entwicklung der Hybridfahrzeuge ein. Hier betreute ich die Entwicklung eines Tools, das den Entwicklern erlaubt, den Datenfluss innerhalb des Fahrzeugs effizienter auszunutzen. Mithilfe meines bisher gesammelten Wissens, in Kombination mit der sehr gut balancierten Betreuung, war aber auch diese anfangs komplex wirkende Aufgabe gut zu meistern.

So blieb mir ausreichend Zeit den Grundstein für ein Auslandssemester zu legen. Die Ausführung eines praktischen Auslandssemesters wird jedem Dualen Studierenden angeboten. Die Auswahl ist dabei immens und reicht von Japan bis hin zum Silicon Valley. Wie soll man sich bei dieser Auswahl nur entscheiden? Für mich stellte sich diese Frage jedoch kaum.

God save the Queen

Auf dem Weg zu meinem Auslandsstudium verschlug es mich nach Großbritannien, genauer gesagt in die Nähe Londons. Der Ort meines Aufenthaltes: Brackley. Dieser Ort wird wahrscheinlich nur den wenigsten geläufig sein. Es ist einer der beiden Standorte des Formel 1 Teams Mercedes-AMG Petronas. Ich denke ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass dies für mich das Highlight des gesamten Studiums war. Egal, wie das Wetter im tiefsten England auch sein mag, ich hatte spätestens wieder ein Lächeln im Gesicht als ich an den Rennboliden vorbei zu meinem Arbeitsplatz ging.

In einem Großraumbüro sitzt ein Teil der Weltmeistermacher der Jahre 2014-2016 und ich durfte zumindest kurzzeitig ein Mitglied sein. An den Wänden hingen Bilder, welche den Verbund zwischen Team, Fahrer und Auto illustrierten. Mein Favorit: Das Bild direkt neben meinem Sitzplatz! Es zeigt Michael Schumacher, wie sich dieser in seinen Rennwagen setzt. Eine große Persönlichkeit, dessen Ehrgeiz auch heute noch eine große Inspiration für mich ist. #keepfightingmichael

„Zurücklehnen“ und genießen!

Natürlich ist die Erwartung der Abteilung in Bezug auf die kurze Zeit und der möglichen Sprachbarriere, entsprechend angepasst. Die gestellte Aufgabe ist somit meist weniger komplex. Dies ermöglichte es mir auch mal zu genießen. Auch die Mitglieder des Teams verstehen, welch tollen Job sie haben und spendeten trotz Zeitdruck gerne freie Minuten, um mir ihren Arbeitsalltag zu zeigen. So konnte ich im Laufe meines Trips die lebenswichtigen Organe der Entwicklung kennenlernen. Dazu zählen der Windkanal, der Simulator und der Testbereich für das Fahrwerk.

Alles Bereiche, die nur wenige Menschen bisher live gesehen haben. Mir war immer bewusst, dass der betriebene Aufwand in einem Formel 1-Projekt groß ist, aber diese Verliebtheit in Details überstieg meine eigenen Erwartungen!

Die Rennwochenenden

Was fehlte nun noch? Genau, das Mitwirken an einem Rennwochenende. Von Brackley aus unterstützt der sogenannte Racesupport das Team vor Ort. Meine Aufgabe war es die Boxenanlage beim  Großen Preis von Kanada zu überwachen. Nach 70 Runden im Rennen war es geschafft, der Sieger heißt Lewis Hamilton. Bereits am nächsten Tag konnten wir ihn unter großem Applaus im Werk willkommen heißen. In einer persönlichen Rede bedankte er sich bei allen für die harte Arbeit, die seine Erfolge erst möglich machen.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal eine Woche hervorheben: Die Woche, an dem der Große Preis von Großbritannien stattfand. Zu diesem Heimrennen lud Mercedes-Benz alle Mitarbeiter inklusive Begleitung zum alljährlichen Familienevent ein. Natürlich mit Public Viewing. Ein Highlight war der Besuch der Fahrer nach dem Rennen, die sich für die Fragen der Besucher trotz der vorangegangenen Strapazen viel Zeit nahmen. Aber auch das war noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Bei den folgenden Testfahrten in Silverstone stand wieder ein Special an. So bekam ich die Möglichkeit die Testfahrt live aus der Box zu verfolgen. Esteban Ocon, der damalige Testfahrer, kam uns bei der Ausfahrt sehr nahe! Mit gemischten Gefühlen hieß es dann aber irgendwann doch Abschied nehmen und so ging es zurück in die Heimat. Wenn man mich fragen würde, was ich nicht vermisse, dann ist es wohl nur das britische Essen und die Straßenqualität.

Auf der Zielgeraden

So schön die Zeit während des Studiums war, auf das Ende freue ich mich sehr. Die letzten Prüfungen sind geschrieben, die Theoriephasen somit vorbei. Der Endspurt, der zwischen mir und dem Abschluss oder getreu der Zielflagge liegt, ist natürlich die Bachelorarbeit. Zum ersten Mal bekomme ich die Möglichkeit, die Entwicklung eines Fahrzeugs unmittelbar zu beeinflussen. Hierfür leiste ich die Konzeptarbeit für zukünftige Verbesserungen der Fahrerassistenzsysteme in der Entwicklung von Daimler-Trucks.

Eine weitere interessante Aufgabe, die eine perfekte Vorbereitung für die folgenden Aufgaben sein soll. Ich bin mir sicher, dass ich für die Zeit nach der Bachelorarbeit wieder mal eine Herausforderung finden werde, die mir aufs Neue gefallen wird. Schließlich steht der Automobilindustrie der wahrscheinlich größte Wandel bevor. Egal ob Autonomes Fahren oder Elektromobilität, IT-Automotive Studierende, aber auch Elektrotechniker werden händeringend benötigt. Jedoch ist auch ein Duales Masterstudium eine Option für mich. Schließlich passt duale Bildung zu mir und vielleicht auch zu euch?


Anmerkung der Redaktion: Der Studiengang IT-Automotive wird an den Standorten Stuttgart und Sindelfingen angeboten. Informationen zum Bewerbungsprozess finden Sie auf unserer Website: www.daimler.com/karriere


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist dualer Student der Daimler AG und studiert IT-Automotive an der DHBW Stuttgart. Im September dieses Jahres schließt er sein Studium mit dem Abschluss Bachelor of Engineering ab.

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