Hier piept’s ja: Wanderfalken-Küken bei Daimler

Hoch hinaus bei Daimler – das hatte ich mir doch irgendwie anders vorgestellt. Ein leichtes Ruckeln in luftiger Höhe – etwa 15. Stock. Wackeliger als gedacht. Nein, ich stehe nicht in der Chefetage und kämpfe mit meiner Nervosität.

Ich befinde mich 40 Meter über dem Boden im Rettungskorb der Werkfeuerwehr im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen – direkt vor dem Horst, als das erste Falkenküken mich mit einer Mischung aus Neugierde und Angst beäugt.

Für alle, die bei „Horst“ an Männer mittleren Alters denken: Der Name gehört den werten Herren nicht ganz allein. Doch bei dem zuckersüßen Anblick teilt jeder Namensvetter bestimmt gerne: Ich darf heute den Sindelfinger Falkenküken einen Besuch abstatten. Sie heißen Savannah, Svea und Sirius und sitzen brav in ihrem Zuhause, dem Horst. Und heute ist ein aufregender Tag für die drei: Die Beringung steht an.

Ein vorsichtiger Blick um die Ecke. Das Falkenküken ist noch skeptisch.

Noch nicht flügge und doch schon aus dem Nest

Den Horst müssen die Jungen heute für kurze Zeit verlassen. So richtig überzeugt sehen die drei Geschwister nicht aus. Ganz scheu blickt der erste Falke um die Ecke, als wir mit dem Kran der Werkfeuerwehr vor ihnen stehen. Weit und breit keine Mama und auch kein Papa. Die Eltern der Kleinen sind unterwegs. So bricht Panik im Horst aus und die Falkenbabys beginnen zu schreien. Kein Wunder: Denn ihr allererster „Ausflug“ steht an. Die Ironie dabei: Sie können noch nicht einmal fliegen. Ganz schön beängstigend. Völlig allein mit Fremden in eine neue noch völlig unbekannte Welt.

Die Beringung ist der Grund für den ersten Ausflug der Sindelfinger Falken. Da das in 40 Metern Höhe zu gefährlich wäre, holen wir die drei Geschwister auf den sicheren Erdboden – ganz neues Terrain für die Vögel. Aber sehen Sie selbst:

„Und wo bleiben meine Geschwister?“

Ein Ring ganz ohne Stein

Wer bei „Beringung“ an Heiratsanträge oder Traualtäre denkt, den muss ich enttäuschen. Die Aktion bei den Falken ist weniger romantisch. Auch wenn die Emotionen in beiden Fällen überschwappen – das Herz schlägt bis zum Hals. Doch der Zweck ist irgendwie der gleiche – zumindest in etwa. Ein Ring an den Finger, ein Ring an die Fänge, so nennt man den Fuß eines Greifvogels, und jeder weiß, wo der Vogel oder die Dame hingehört. Statt Steinchen gibt es bei unseren gefiederten Freunden Zahlen und Buchstaben auf dem Ring. Diese Kennzeichnung hilft bei der Zuordnung. Und so können Ornithologen, also Vogel-Forscher, neue Erkenntnisse über die Wanderfalken gewinnen, falls sich die Falken mal auf die Reise begeben. Doch allzu oft reisen die Tiere nicht. Genaueres dazu finden Sie unten bei den „Falken-Fun-Facts für Fortgeschrittene“

Gefiederte Werbebotschafter

Aber Moment – einige von Ihnen fragen sich nun sicher „Was machen Falken bei Daimler? Ich dachte die bauen hier Premiumautomobile und sind keine Zoobetreiber?“. Doch Falke und Auto haben mehr gemein, als man denkt. Das zeigt der Daimler-Umweltfilm:

Schornstein statt Steilküste

Die Falken gibt es hier im Konzern natürlich nicht nur, weil man sie so schön als Werbebotschafter einspannen kann. Das hat auch mit Verantwortung zu tun. Denn Anfang der 1960er-Jahre war der Wanderfalke in Europa vom Aussterben bedroht. Vor allem wegen des Einsatzes des Insektizids DDT. Man musste reagieren, denn schließlich wollte man nicht zusehen, wie ein so faszinierendes Tier vom Erdboden – oder besser aus der Luft – verschwindet.

Und so wurde das giftige Insektizid verboten. Doch das allein genügt nicht: Damit die Wanderfalken fleißig Nachwuchs bekommen, brauchen sie auch in Städten geeignete Brutplätze. Auch Daimler kann an mehreren Standorten einen sicheren Ort für die Flugkünstler bieten. Ein Plätzchen, das in luftiger Höhe liegt und an die tiefen Schluchten des Gebirges oder einer Steilküste erinnert. Denn dort brüten Falken am liebsten. In Sindelfingen ist es das Heizkraftwerk. Für einen der beiden Schornsteine haben Auszubildende des Sindelfinger Werks einen Horst gebaut – ein idealer Ort für die Familienplanung der Wanderfalken.

Der kleine Falke sitzt auf der Hand des Experten vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Daniel Schmidt-Rothmund. „Ganz vorsichtig und bloß nicht nach unten sehen…“.

Ein aufregender Ausflug geht zu Ende

Nach der Beringung landen die drei Geschwister erschöpft, aber wohlauf wieder im Horst. Mama und Papa kommen sicher auch bald zurück und kümmern sich um die Kleinen. Denn entgegen der landläufigen Meinung, verstoßen Vögel ihre Jungen nicht, nachdem Menschen sie berührt haben. Und das hat einen Grund: Anders als Säugetiere besitzen die gefiederten Freunde kein besonders gutes Näschen und bemerken nicht einmal, dass ihr Nachwuchs unterwegs war.

Es wird nicht mehr lange dauern und die Küken tauschen ihr flauschiges Gewand gegen dichtes Gefieder. Da bleibt mir nur, den Jungen zu wünschen, dass sie schon bald ihre Flügel aufspannen und mutig ihren ersten Flug bestreiten.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist Praktikantin in der Internen Kommunikation. Sie hat Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen studiert. Der Besuch bei den flauschigen Falkenküken war für Sie ein absolutes Highlight.

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