Praktikum als unverbesserlicher Weltverbesserer

„Und was macht man da genau?“ – eine der typischen Fragen, die mir gestellt werden, wenn ich jemandem von meinem aktuellen Praktikum im Corporate Responsibility Management bei Daimler erzähle.

Zugegeben, bei einem knallharten BWLer wie mir, mit einem Schwerpunkt in Finance, Accounting und Controlling in der akademischen Historie, mögen Themen wie „Nachhaltigkeit“ und „unternehmerische Verantwortung“ für den ein oder anderen ein wenig exotisch klingen. Allerdings liegt mir unser Planet und alles, was auf ihm so kreucht und fleucht, sehr am Herzen.

Deswegen versuche ich, unter Einsatz von Leidenschaft und Verstand, die Brücke zwischen finanziellem Erfolg und ethischen Werten sowie ökologischem Bewusstsein zu schlagen. Meine dementsprechende Antwort auf die Frage von oben: „Wir helfen dem Unternehmen dabei, finanziellen Erfolg mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden.“

Das mag zwar sehr nach reputationswirksamer Außendarstellung klingen, allerdings ist es im Prinzip genau das, was wir tun. So befassen wir uns zum Beispiel mit Menschenrechtsthemen, engagieren uns in Nachhaltigkeitsinitiativen wie dem UN Global Compact, pflegen Kontakte zu Teilnehmern unseres nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsdiskurses oder bearbeiten aufkommende Anfragen zu einem breiten Spektrum an Nachhaltigkeitsthemen.

Unternehmerische Nachhaltigkeit – nur eine gut gemeinte Worthülse?

Die angestrebte und kommunizierte Symbiose aus Profit und verantwortungsvollem Handeln, oder kurz gesagt, die unternehmerische Nachhaltigkeit, ruft oft zahlreiche Skeptiker auf den Plan. Auch ich selbst habe dem Konzept lange Zeit kritisch gegenübergestanden, was sich erst durch meinen Blick hinter die Kulissen geändert hat. Dennoch kann ich das Misstrauen gegenüber dem Nachhaltigkeitsbegriff verstehen.

Durch seine Omnipräsenz in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und den Medien sowie durch das Fehlen einer allgemein gültigen Definition für den Begriff wurde dieser im Laufe der Zeit zunehmend verwässert. Doch selbst wenn es mir gelingt, einem Außenstehenden die Nachhaltigkeitsthematik zu erläutern und die Bedeutung der Rolle der Wirtschaft dabei darzulegen, so begegne ich doch immer wieder scharfen Kritikern des Konzepts. Nicht etwa, weil sie Nachhaltigkeit für unwichtig halten, sondern vielmehr, weil sie den Unternehmen aufrichtige, intrinsisch motivierte oder gar altruistische Beweggründe nicht abkaufen. Der Wirtschaft wird dabei allzu oft „Augenwischerei“ – in diesem Zusammenhang auch als „Greenwashing“ bezeichnet – vorgeworfen.

Nachhaltigkeit kann sich lohnen

Allerdings sollte man dabei beachten, dass viele Unternehmen sich dem Thema auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive annähern. Nachhaltigkeit kann sich für Unternehmen lohnen. Sei es durch die Vermeidung von Reputationsrisiken, die Einsparung von Kosten etwa durch effizientere Fertigungstechniken oder das Generieren höherer Umsätze mit nachhaltigen Produkten, die sich dank eines zunehmenden Umwelt- und Sozialbewusstseins der Gesellschaft einer stetig wachsenden Beliebtheit bei Konsumenten erfreuen.

Die eigentliche Motivation für Unternehmen, sich der Nachhaltigkeit zu verpflichten, sollte also nicht unbedingt im Fokus stehen. Denn so lange die Bemühungen Früchte tragen und das Unternehmen mit verantwortlichem Handeln wirtschaftlichen Erfolg verzeichnen kann, schafft man eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten – für die Gesellschaft und die Umwelt auf der einen und für das Unternehmen auf der anderen Seite.

Stakeholder-Involvierung als Schlüssel zum Vertrauen

Um das Vertrauen der Interessengruppen zu festigen und die dafür notwendige Transparenz zu gewährleisten, ist es wichtig, die Stakeholder – also Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Investoren eines Unternehmens – aber auch die breite Öffentlichkeit bei nachhaltigkeitsrelevanten Planungen, Maßnahmen und Aktivitäten einzubinden. Hierfür dient bei Daimler die sogenannte Wesentlichkeitsanalyse: Über den unten stehenden Link gelangen Sie zur Befragung, mit der wir ermitteln möchten, für wie wesentlich unsere Stakeholder bestimmte Nachhaltigkeitsthemen halten und wie sie die Leistung der Daimler AG hierzu einschätzen.

Die Ergebnisse helfen dabei, wesentliche Handlungsfelder zu identifizieren, an welchen wir die Schwerpunkte unseres Nachhaltigkeitsmanagements festmachen, wodurch wir unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten an Ihren Erwartungen und Bedürfnissen ausrichten können.

Zudem ist die Wesentlichkeitsanalyse eines der Hauptprojekte meines Praktikums und wie bei jeder statistischen Erhebung ist auch die Qualität der Befragung von einem möglichst hohen Rücklauf an Antworten abhängig.

Falls Sie also einem unverbesserlichen Weltverbesserer dabei helfen wollen, sich weiter für seinen späteren Traumjob in der unternehmerischen Nachhaltigkeit zu qualifizieren, würde ich mich freuen, wenn Sie sich an der Umfrage beteiligen. Und wer weiß – vielleicht werden es Ihnen auch unser Planet und seine Bewohner eines Tages danken.


Anmerkung der Redaktion: Daimler Wesentlichkeitsanalyse 2017


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er studiert Internationales Management im Master an der Hochschule Worms und ist derzeit im Corporate Responsibility Management der Daimler AG tätig. In Kürze erscheint sein Buch „Der wirtschaftliche Nutzen von Nachhaltigkeit“, in dem er darstellt, dass nachhaltige Produkte gegenüber konventionellen wirtschaftlich von Vorteil sind. Nach seinem Studium möchte er sich weiter für die Verbindung von finanziellem Erfolg mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen einsetzen.

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