Die Nordschleife, 3 Jubiläen, mein Onkel und ich

„Da geht es doch hoch nach Wehrseifen, wo man früher so schön am Hang sitzen konnte!“. Du hörst nur einen Namen und sofort sind sie wieder da. Diese Bilder, der Sound und diese so unbeschreibliche Melange aus Benzin- und Gummi-Geruch.

Im zarten Alter von 5 Jahren hockte ich, nein ich hüpfte vor Begeisterung am Streckenabschnitt Pflanzgarten und wartete auf die erste Startgruppe des mit 180 „Rennautos“ besetzten Starterfeldes. Seit zwei Stunden schon schoss die Stimme des unvergleichbaren Kalli Hufstadt durch die Lautsprecher rund um die Nordschleife. „Die ersten Porsche RS befinden sich jetzt an der Hohen Acht. Legt die Grillzange im Brünnchen weg, die sind gleich da“.

Helden meiner Kindheit

Und dann ging es los. Ab Wippermann konntest du das Feld vernehmen und ja, auch ein wenig in der Magengrube fühlen. 40 Sekunden später schossen sie an uns vorbei und in mir die Glücksgefühle in den letzten Winkel meines Körpers. Ja, man kann auch durch die Augen schwitzen. Vor Begeisterung! Der infernale Krach der luftgekühlten Boxermotoren mit ihren Edelstahl-Auspuffanlagen… für mich war das Musik. Meine Musik! Während all meine Freunde im Kindergarten die Matchbox-Autos durch selbstgebaute Nürburgring-Klone im Sandkasten schoben, saß ich mitten in der Eifel und jubelte den Helden meiner Kindheit zu.

Wobei, der größte von allen kam erst in der zweiten Startgruppe und das auf einem 1600er Golf GTI (bevor die Poppnieten-Verbreiterungen in Mode kamen), mit dem wir noch selber zum Ring gefahren sind. Mein Patenonkel Manfred Birk war und ist nicht nur ein genialer Mechaniker, sondern hat auch den Rennsport-Virus in mich eingepflanzt, der mich bis zum heutigen Tage nicht mehr loslässt.

Nicht nur ein Jubiläum

All dies ist nun genau 40 Jahre her. Zehn Jahre nach der Gründung von AMG, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiern. Und da ich ein Freund von runden Geburtstagen in Kombination mit ein wenig Mathematik bin, setze ich noch einen drauf. 40 (1. Mal auf der Nordschleife) + 50 (AMG-Jubiläum) = 90. Richtig, der Nürburgring feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag! Und genau deshalb habe ich mir was ganz Besonderes ausgedacht. Eine Reunion in der Eifel. Aber mit allem Zipp und Zapp.

Die wunderbaren Kolleginnen und Kollegen von AMG haben wieder einmal gezeigt, was für ein Organisationstalent sie besitzen. Meinen Patenonkel habe ich via Zug aus Dortmund geholt (seine erste Zugfahrt überhaupt), wir sind dann zusammen in ein MyTaxi (Mercedes natürlich) gestiegen und nach Affalterbach gefahren. Schließlich mussten wir ja irgendwie in die Eifel kommen und warum dann nicht auf ein Traumauto aus der Sportwagen-Manufaktur AMG setzen?

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,9 l/100 km; CO-Emissionen kombiniert: 208 g/km.*

Wobei, an dieser Stelle muss ich mich noch einmal in Ehrfurcht vor der Orga verneigen! Da drüben arbeiten nicht nur sensationelle Techniker, Designer und Ingenieure, offenbar zählt ebenso das Büro für Wettervorhersagen zu einem der führenden im Lande. Ein Wochenende mit „Kaiserwetter“ durfte von uns beiden mit einem Mercedes-AMG C63 S Edition (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,9 l/100 km; CO-Emissionen kombiniert: 208 g/km.*) in Angriff genommen werden.

Ab in die Eifel!

Ja, der Tank war voll und nein, ich durfte die Komfort-Stufe der Fahrdynamik-Einstellungen nur für gefühlte 25 Minuten nutzen. Nämlich als wir im Stau standen. „Stell mir das wieder auf Sport+, mein Golf war damals auch so hart“ wurde mehr oder weniger zum Running-Gag und zeigt, wie schnell man von der Faszination eines derartigen Fahrzeugs gepackt wird. Klar, wir beide haben in den letzten 40 Jahren (unwesentlich) an Gewicht zugelegt, was dem hervorragenden Seitenhalt der Schalensitze aber durchaus zu Gute kam. Und dann war da ja noch dieser Motor…

Drei Spuren, alles frei und keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn du dann bei 200 den Kickdown machst und dieses Drehmoment spürst. Herrlich! Das ist als würde dich von hinten eine unsichtbare, überdimensionale Hand, wie ein aufgezogenes Darda-Auto loslassen. Muss ich noch erwähnen, von wem ich meine erste Darda-Bahn bekommen habe? Richtig, von meinem Patenonkel! Gekauft auf der Motorshow in Essen, die damals noch Jochen Rindt Show hieß. Ach, diese Fahrt zur Nordschleife, ließ mich nicht nur mein Ohr auf die Schienen der Geschichte legen. Das waren vier Stunden, inklusive Zwischenstopp in Bad Kreuznach, voller feinster Unterhaltungen oder wie der Mike Frison von Renn.tv wohl sagen würde: Klönerei!

Im AMG-Corso um die Nordschleife

Samstagmittag. Die Ruhe vor dem Sturm. Um 15:30 werden mehr als 150 Boliden losgelassen, um sich dann 24 Stunden durch die legendäre „Grüne Hölle“ zu kämpfen. Was sich nach einem martialischen Kriegsfilm anhört, ist nicht ganz so dramatisch. Zumindest im 21. Jahrhundert. Zu Zeiten eines Jackie Stewarts, der der Nordschleife auch diesen Spitznamen gab, hob man noch im Schnitt 13 mal pro Runde mit allen vier Rädern ab.

Nach heutigen Maßstäben ist es nahezu unvorstellbar, dass die F1-Fahrer der 70er dermaßen mit der Strecke kämpften, dass sie in der Kompression der Fuchsröhre kaum den Fuß vom Gas bekamen, um für den Adenauer Forst anzubremsen. Die auftretenden G-Kräfte ließen, bei Geschwindigkeiten von weit über 200km/h, den Gasfuß wie mit Sekundenkleber auf dem Pedal haften.

Das ist inzwischen nicht nur für die heutigen Profis einfacher, was vor allen Dingen aber der jeweiligen körperlichen Fitness zuzuschreiben ist. Auch „Otto Normal“-Fahrer dürften derartige Phänomene nur schwer nachvollziehen können. Vor allen Dingen, wenn er gemütlich im Corso die Strecken kennenlernen darf.

Genau das stand auf dem Programm und ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass dies für mich ein ganz besonderer Moment war. Mein Onkel am Steuer eines AMGs, ich daneben und dann auch noch mitten in einer Kolonne von dutzenden klassischen und neuen Traumwagen der Affalterbacher. Die wunderbare Bergauf-Passage vom Bergwerk, übers Kesselchen zum Klostertal und der Steilstrecke … ach, ich kam bei diesem Wetter aus dem Fotoschießen gar nicht mehr heraus. Das ist wie der wahr gewordene Traum eines Zeitreisenden, der eigentlich zu jedem beliebigen Punkt in der Vergangenheit zurückreisen könnte, sich dann aber für dieses eine, dieses ganz besondere Ereignis entschied. Für mich wär es immer der Ring!

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,4 l/100 km; CO-Emissionen kombiniert: 259 g/km.*

BMW-Motorsport mit großer Geste

Auch wenn es beim eigentlichen Hauptevent, also dem 24h-Rennen, für die Vertreter mit dem Stern auf der Haube nicht für einen Podestplatz reichte, so haben sich die Teams von Black Falcon (Gesamtplatz 5) und Haribo (Platz 9) doch grandios geschlagen. Gegen die im Rennen unglaublich schnellen Audis war einfach kein Kraut gewachsen. Die Ingolstädter umrundeten die Nordschleife zum Teil um bis zu 10 Sekunden schneller und ließen dabei auch die Wettbewerber aus München und Zuffenhausen hinter sich.

Womit ich mich an dieser Stelle ganz besonders bei BMW-Motorsport bedanken möchte, die wieder einmal zeigten, dass die Langstrecken-Familie eine ganz besondere Verbundenheit zeigt. Die Glückwünsche zum 50. Geburtstag von AMG, weit sichtbar an der eigenen Hospitalität angebracht, zeigen, was da für ein feiner Sportsgeist bei den Bayern herrscht. Rivalen auf der Strecke, aber Schwestern und Brüder im Geiste. Wie sehr ich mir doch wünsch, dass eine derartige Fairness auch in anderen Sportarten Einzug halten würde. Gruß in die bayerische Landeshauptstadt, es macht so richtig Spaß mit euch!

Wir sehen uns wieder!

Dieses ganz besondere Wochenende, vollgepackt mit Rennaction, alten Freunden und Kollegen, drei Jubiläen und einer ganz speziellen Fahrt mit meinem Patenonkel, sowas bekommst du in der Form nicht noch einmal geboten. Ein Erlebnis, von dem ich mein ganzes Leben zehren kann und genau das ist es dann auch, was diese Veranstaltung ausmacht.

Die Nordschleife, die Teams, die Fahrer und Fahrerinnen … uns alle verbindet diese ganz besondere Leidenschaft. „The Need for Speed“ und diesen dann auch noch gemeinsam zelebrieren zu dürfen. Mein Dank gilt den Freunden bei AMG, die dies ermöglicht haben, Tommi Melkko vom Nürburgring für seinen sensationellen Einsatz und natürlich dem Mike Frison von Renn.tv, der das Foto von uns beiden geschossen hat.


* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter http://www.dat.de/ unentgeltlich erhältlich ist.


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