Fast von Anfang an dabei

Nicht viele können von sich behaupten, Werksgeschichte über ein halbes Jahrhundert lang hautnah erlebt zu haben. Ich kann das. Seit 51 Jahren arbeite ich im Werk Düsseldorf. Das 55. Jubiläum unseres Werks bezeichnet für mich als dienstältesten Mitarbeiter auch ein Stück meines eigenen Werdegangs.

Vor 55 Jahren lief der erste Mercedes-Transporter „made in Düsseldorf“ vom Band. Die Transporterlegende L 319 und der Minibus O 319 waren die ersten Fahrzeuge mit Stern, die 1962 dort gefertigt wurden. Und kurz danach kam ich. Früher ging man dahin, wo der Vater gearbeitet hat. Es hieß immer: „Geh zum großen Werk, dann hast du keine Probleme.“

Also begann ich mit 14 Jahren meine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei Daimler in Düsseldorf. Zwar wünschte sich mein Vater, ich würde Werkzeugmacher werden, aber für mich kam das nicht in Frage. Der Berufsalltag des Betriebsschlossers ist abwechslungsreicher – um neun Uhr ist man woanders, als man noch um acht war. Es ruft jemand an und man macht sich auf zum Einsatzort. So kommt man viel im Betrieb herum. Das gefällt mir an meinem Beruf auch heute noch.

Begeisterung kam mit dem Führerschein

Wenn ich ehrlich bin, interessierte ich mich mit 14 Jahren ohnehin mehr für Wasserball, als für Autos. Gerade da mein Vater keinen Führerschein hatte, fehlte mir zu Letzteren einfach der Bezug. Wie Jugendliche aber so sind, brannte ich nach Beendigung meiner Lehre dann umso mehr darauf, meinen Führerschein machen zu dürfen. Da war ich 17. Und mit dem eigenen Auto kam dann auch die Begeisterung.

Als Geselle reparierte ich zu dieser Zeit vor allem Maschinen. Wenige Jahre später wechselte ich dann in die Abteilung, in der ich heute noch bin. In meinem Team sind wir dafür verantwortlich, die Produktion im Bereich der Montage instand zu halten. Stockt das Band, sorgen wir – Elektriker und Schlosser – dafür, dass es wieder läuft. Das heißt vor allem: Plattenbänder und Förderanlagen schweißen. Zu Anfang war das eine Umstellung, aber mit der Hilfe der älteren Kollegen fand ich mich schnell zurecht. Heute bin ich es, der unserem Nachwuchs unter die Arme greift.

Damals und heute überprüfen Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf die Maschinen. Ruhiger, sauberer, moderner: In den letzten 50 Jahren hat sich im Werk Düsseldorf einiges getan.

In fünf Jahrzehnten habe ich viele Veränderungen erlebt: Früher war mehr handwerkliche Arbeit gefragt. Und wir mussten schwerer arbeiten. Heute gibt es etliche Maschinen, die unsere Arbeit erleichtern. Vieles ist moderner geworden. So ruhig und sauber wie heute war es damals in der Produktion auch nicht.

Alles spielte sich in einer Halle ab: Auf der einen Seite war der Rohbau, quer durch den Raum ging die Lackiererei und gegenüber befand sich die Montage. Das alles zusammen hat ganz schön viel Lärm gemacht. Verließen damals 65 Fahrzeuge pro Tag das Werk, sind es heute dank des technischen Fortschritts 725. Die Produktionsabläufe greifen Hand in Hand, sodass wir schneller und damit mehr produzieren können.

Weltgrößtes Transporterwerk mit Stern

Nicht umsonst ist das Mercedes-Benz Sprinter-Werk das weltweit größte Transporterwerk von Daimler. Mit rund 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 145 Auszubildenden sind wir einer der größten industriellen Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in der Region.

Und weil ich finde, dass den jungen Leuten Platz gemacht werden muss und es nun Zeit dafür wird, beende ich meine lange Zeit bei Daimler in diesem Jubeljahr. Zwar gehe ich mit etwas Wehmut in den Ruhestand, aber ich weiß, mir bleibt der Kontakt zu den Kollegen erhalten. Die nächste große Reise bahnt sich bereits an – diese verbringe ich in meinem Wohnmobil.


Das Werk Düsseldorf feiert sein 55. Jubiläum. Happy Birthday!

  • Anfang der sechziger Jahre übernahm die damalige Daimler-Benz AG das Düsseldorfer Werk von der Auto Union.
  • Am 1. April1962 liefen im Werk Düsseldorf mit dem O319 und dem L319 die ersten Busse und Kastenwagen der Marke Mercedes-Benz vom Band.
  • In der Gewerbeanmeldung heißt die Firmenbezeichnung damals „Daimler Benz AG Werk 65“, die Betriebsstätte kurz „D´Dorf, Rather Straße 51“, Gegenstand des Gewerbes ist die „Produktion von Fahrzeugen für Nutz-und Personenverkehr u. Kfz-Teilen.“
  • Schon damals waren fast 4.000 Mitarbeiter an Bord.
  • In den folgenden Jahren wurde Düsseldorf Schritt für Schritt zum zentralen Transporterwerk des Konzerns ausgebaut. In den 55 Jahren sind hier unter anderem der L 319, der „Düsseldorfer Transporter“ L 406 D und L 408, der T1/“Bremer Transporter“ sowie der Großtransporter T2 und spätere Vario vom Band gelaufen.
  • Seit 1995 wird der Mercedes-Benz Sprinter in Düsseldorf gefertigt. Kurz nach seiner Einführung übersprang die jährliche Produktion 1996 erstmals die Hürde von 100.000 Transportern und eilt seitdem von Rekord zu Rekord.
  • 2015 feierte der Sprinter in Düsseldorf 20. Geburtstag und gleichzeitig sein bis dato mit Abstand erfolgreichstes Jahr seiner Geschichte. In 2016 konnte der große Transporter mit weltweit insgesamt rund 193.400 abgesetzten Einheiten nahtlos an dieses Rekord-Niveau anknüpfen.
  • Allein im Jubiläumsjahr investierte die Daimler AG 180 Millionen Euro in den Standort – insgesamt eine halbe Milliarde Euro seit 2013.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er sorgt als Industriemechaniker für einen reibungslosen Ablauf in der Montage.

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