Auf ein Date mit dem Concept EQ

Da steht es also. Nur für mich. In den nächsten knapp 90 Minuten ist dies also mein ganz persönliches Date. Und wie das vor einer ganz besonderen Verabredung nun einmal so ist, bin ich ausgesprochen aufgeregt.

Wie wird der erste Kontakt verlaufen? Die einleitenden Blicke, die dann final zur ersten Berührung führen, die dann hoffentlich das Eis brechen lässt.

Jetzt weiß ich nicht, wer von euch umgehend vermutet hat, dass ich meine Erfahrungen mit einer Partneragentur in Worte fassen wollte, aber wenn wir das mal aus dieser Perspektive angehen, dann bin ich davon gar nicht so weit entfernt. Zumindest emotional. Statistisch gesehen verliebt sich jemand circa alle 15 Sekunden in einen Mercedes-Benz und ich bin hier keine Ausnahme. Wobei… bei mir ging es dann doch ein wenig schneller.

Der Schalter, um die „Liebe auf den ersten Blick“-Botenstoffe in meinem Kopf zu entfesseln, wurde direkt umgelegt. Ja, das Mercedes-Benz Concept EQ hat mich umgehend entfacht. Wie so ein kleiner Junge, der zum ersten Mal erkennt, dass sein Herz für einen ganz speziellen Fußballclub oder für dieses Mädchen aus der Parallelklasse schlägt. Naiv, unschuldig und mit all der Ungewissheit, ob der emotionale Peak, zu dem einen diese Gefühle führen sollten, noch eintritt

Angesichts der Tatsache, dass ich seit meinem fünften Lebensjahr Anhänger von Schalke 04 bin, könnt ihr euch vielleicht ansatzweise vorstellen, wie leidensfähig man sein kann :) . Das Concept EQ drückt bei mir umgehend auf die richtigen Knöpfe. Da ist dieses bullige, aber dennoch elegante Design, welches so klar und zeitlos die gesamte Halle der Testfahrt-Location ausfüllt, so dass ich erstmal schweigend zweimal um den Wagen laufen muss.

Der GLC aus der Zukunft?

4,73 Meter ist das schicke Konzept lang – Kanten sucht man vergeblich. Breitschultrig und satt steht es da vor mir, ohne aber zu aufdringlich zu wirken. Ja ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es auf mich einen dennoch recht femininen Eindruck macht. Man sehe es mir nach – ich bringe, ganz wie Sebastian Vettel, Sportwagen immer auch irgendwie in Verbindung mit einer schönen Frau. Keine Angst, einen passenden Namen habe ich mir für das EQ nicht einfallen lassen. Das wär dann doch ein wenig zu viel des Guten.

Und eigentlich habe ich dann jetzt doch nur einen kompletten Absatz dafür verwendet, um euch durch die Blume zu sagen, dass ich mich in das Design dieses Wagens verknallt habe.

Hach…

Es werde Licht

Stichworte: Licht und Farben für den Innenraum. Entsprechend beleuchtete Leisten finden sich nicht nur außen – beleuchteter Stern, illuminierte Einstiegsleisten und die kapazitiven, grifflosen Türöffner, sondern vor allen Dingen auch im Innenraum. Für mich persönlich eine Ästhetik, die mich irgendwie an einen Hybriden aus dem Science Fiction-Streifen „Tron: Legacy“ und ein schnittiges, italienisches Schnellboot erinnert. „Hot and cool“ ist auch hier angesagt, aber auf eine Art und Weise, die das Auge nicht überfordert. Weniger ist mehr. Das spiegelt sich auch in den recht übersichtlich verbauten Bedienelementen wieder.

Das Concept EQ fühlt sich anders an. Ich sitze hier nicht nur in einem elektrischen SUV, hier wird für mich ein völlig neuer, sehr angenehmer Raum geschaffen. Was unsere Designer hier geschaffen haben lässt sich wohl am besten damit erklären, dass man Science Fiction so in Szene setzt, dass die Zukunft auf einmal gar nicht mehr so weit entfernt scheint. Vielmehr habe ich nach wenigen Minuten das Gefühl, dass ich nun damit vom Hof fahren möchte und diese Plattform zu meinem „daily driver“ wird. Es fühlt sich gut an! So verdammt richtig und logisch.

Das große, rundum durchgezogene Lichtband und das Dashboard setzen hierbei nur auf den ersten Blick bestimmende Akzente. Es sind vielmehr die LEDS, die durch das perforierte Leder der Türverkleidung pulsieren, die es mir angetan haben.

Visuelles Feedback als Usability Feature

An dieser Stelle kurz ein Tritt auf die Bremse. Nein, nicht im EQ, sondern bezüglich meines Vokabulars. Ich werfe da doch gerne mal mit für mich komplett eingedeutschten angelsächsischen Definitionen um mich, für die ich auf Deutsch einfach kein passendes Äquivalent finde. Usability gehört dazu und mit selbiger stand ich, zumindest in der Automobilbranche, in den letzten Jahren auf Kriegsfuß. Zu sehr hatte ich das Gefühl, dass diverse Abläufe und Prozesse nicht mehr dem neuesten Stand entsprachen und wir hier gegenüber Touchscreen-Plattformen bei Smartphones und Tablets einfach an Boden verlieren. Zu kompliziert, zu verschachtelt und zum Teil einfach … ach verzeiht es mir einfach mal … nicht schön!

Anders beim EQ, denn hier ging man nun endlich neue Wege. Noch besser, ich denke wir gehen hier sogar vorweg und schaffen in gewisser Weise einen Benchmark. Informationen via Licht!

Das kann ganz simpel, bei zur Musik synchronen LEDs losgehen und schnell bei einem weiß illuminierten Innenraum enden. Genau so bekommt der Fahrer mit, dass er den Boost-Modus aktiviert hat, der die komplette Power der Motoren abruft. Ja selbst die Lüftungsdüsen wechseln zwischen Rot (warme Luft) und blau (für entsprechend kalte). Das ist selbsterklärend, stört nicht und gibt eine subtile Gewissheit, immer über entsprechende Zustände informiert zu sein.

In einer immer komplexeren Welt fährt das EQ mindestens einen Gang zurück. Es entschleunigt dort, wo es den Fahrer entlasten und die Sicherheit erhöhen kann. Einfach nur durch die Illumination des Innenraums. Das fühlt sich gut an und man fragt sich schnell, ob dies nicht zum Standard werden sollte.

Der Virtual Reality-Moment, oder weniger ist mehr

Mal abgesehen von den eher „prototypischen“ Fahreigenschaften des EQ (nein, hier werde ich wirklich nicht näher drauf eingehen. Es ist nun einmal kein Endprodukt), wollte ich mich lieber noch mit der Gestaltung des Innenraums auseinandersetzen und wie diese inzwischen konzeptioniert wird.

Jetzt spiele ich seit gut zwei Jahren selber mit diversen Virtual Reality-Brillen rum und auch die Google Glass schaffte es immerhin gute zwölf Monate auf meine Nasenspitze (ein Selbstversuch, um die Auswirkungen dieser Technologie auf mein tägliches Leben verstehen zu können). Aber was die UX- und Innenraum-Designer mit einer vor Ort installierten Demo auffuhren, das sprengte definitiv meine Vorstellungskraft.

Haptisches Feedback in der virtuellen Welt

Wer seine Augen und damit dem Hirn ein Szenario vorgaukelt, welches nur virtuell existiert, der wird merken, wie schnell man sich darin verlieren kann. Wenn dann aber noch der Tastsinn mit einbezogen wird, schießt ein Feuerwerk an Sinneseindrücken durch den Kopf, welches Horizonte sprengt. Durch die VR-Brille betrachte ich das Cockpit des Concept EQ, während meine Hände, die natürlich nicht in meine virtuelle Welt projiziert werden, sich Richtung Lenkrad strecken. Und das ist dann in diesem Demo-Cockpit auch noch vorhanden.

Ein Moment, den mein Kopf einfach nicht mehr verarbeiten konnte. Wobei nach mehreren „Ahs“ und „Ohs“ auch die umstehenden Kollegen so langsam aber sicher an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifelten. DAS war ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Haptisches Feedback in einer virtuellen Welt. Faszinierend und ein kleiner Ausblick auf die Möglichkeiten, die uns diese Technologien für die Zukunft bieten werden.

Fazit

Ja, es handelt sich hier um ein Konzept, aber mir wurde auch umgehend versichert, dass es schon verdammt nah an der Serie ist. Und genau das gefällt mir. Wenn sich Designer (außen und innen) so richtig austoben dürfen, aber dem Lauf der technologischen Entwicklung dennoch nicht uneinholbar vorauseilen. Ist es eine „neue Sachlichkeit“, oder die von Gorden Wagener so gerne zitierte „klare Sinnlichkeit“? So oder so …, wir müssen uns damit abfinden, dass die Zukunft viel näher an der Gegenwart liegt, als so mancher vermutet. Das Mercedes-Benz Concept EQ zeigt jetzt schon, wie das aussehen kann und wird.


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