Eine Rallye für den guten Zweck

16 Tage, 7.500 Kilometer, zehn Länder und nebenher Gutes tun – klingt verlockend finden meine sechs abenteuerlustigen Freunde und ich. Deshalb machen wir im Juni bei der „Baltic Sea Circle“ mit – einem Rallye-Abenteuer der Superlative. Dazu sammeln wir Spenden für zwei karitative Projekte.

Ab und zu braucht der Mensch Abwechslung, vor allem, wenn er abenteuerlustig ist. Und das waren wir schon immer. Wir, das sind meine sechs Freunde – Julia, Simon B. und Simon R., Stephan, Richard, Florian – und meine Wenigkeit. Gemeinsame Erlebnisse im Studium, ausgefallene Urlaube und verrückte Festivalbesuche – all das hat uns zusammengeschweißt. Vor knapp einem Jahr kamen wir dann zufällig auf die Allgäu-Orient-Rallye zu sprechen. Abenteuer? Querfeldein? Ohne GPS und nur mit altmodischen Straßenkarten Landschaften erkunden und dabei Aufgaben lösen? Das wollten wir auch mal ausprobieren – und zwar bei einer Rallye, die nicht nur Spaß macht, sondern bei der wir gleichzeitig etwas Sinnvolles tun können. Jetzt galt es nur zu entscheiden, welche das sein könnte.

Auf Los geht’s los

Die Allgäu-Orient-Rallye klang durch Erzählungen wahnsinnig spannend – doch die derzeit schwierige politische Situation in Israel, Jordanien und der Türkei hielt uns ab, uns zu bewerben. Nach einigem Hin- und Her stand die Entscheidung zwischen „Dust-and-Diesel“ und der „Baltic Sea Circle“ an. Da es unsere Truppe doch mehr gen Norden als nach Afrika zieht und wir zudem einen russischen „Native Speaker“ mit an Bord haben, machte letztere Option das Rennen.

Auf holprigen Straßen fahren, vorbei an weißen Stränden, einsamen Schären, rauen Kliffs und zerklüfteten Fjorden – so oder so ähnlich stellen wir uns nun unser Vorhaben im Juni vor. Dazu die reiche Kultur Russlands und der baltischen Staaten – und natürlich das Nordkap! Doch das ausschlaggebende Utensil für unsere Rundtour fehlte noch bis vor kurzem: das Auto.

Auf der Jagd nach dem perfekten Rallye-Auto

Die Regeln des Baltic Sea Circle für den fahrbaren Untersatz sind einfach: Das Auto muss älter als 20 Jahre sein und nicht teurer als 2.500 Euro. Das sollte zu machen sein, dachten wir. Klar war von Anfang an: Ein alter Benz muss her. Denn er ist für uns das perfekte Rallyefahrzeug: robust, langlebig und komfortabel. Jetzt mussten wir ihn nur noch finden. Genauer gesagt, drei davon. Schließlich wollten wir nicht als eine große Gruppe starten, sondern als drei kleine Teams. Das erhöht den Spaßfaktor.

Also machten wir uns in unseren Teams auf die Autosuche:

Team Herrenzimmer #1 zog als erstes los. Zunächst stöberten Simon B. und Julia nach einem 124er. Fündig wurden sie in einer Tiefgarage in S-Möhringen, welcher im Internet angeboten wurde. Hier stand ein T-Modell – mit einem super Interieur, doch leider verrostet. Das Team weitete daraufhin die Suche auf einen W201 aus. Nach einem Tipp von einem Bekannten fanden sie auf dem Heimweg von Affalterbach im Rems-Murr Kreis einen 190er. Das Auto sah tiptop aus und wurde gekauft. Das ging also schon mal schnell.

Team Herrenzimmer #2 recherchierte zunächst in der Fachliteratur und bei Experten und entschied sich dann, nach einem 126er zu suchen. In einer Old-/Youngtimer Werkstatt für Mercedes-Benz in der Nähe von Raststatt entdeckten sie ein Fahrzeug, das der Werkstattbesitzer für seine Alltagsfahrten nutzte. Technisch war das Auto top in Schuss, nur optisch etwas vernachlässigt. Jackpot! Das Modell war perfekt für eine Rallye. Die anschließende Probefahrt bestätigte den ersten Eindruck. Zurück in der Werkstatt erzählte Team #2 dem Chef und seinen Mitarbeitern – übrigens alle Daimler-Enthusiasten – von dem Renn-Vorhaben. Die waren begeistert. Sie wiesen auf ein paar Schwachstellen hin, die bei der Rallye Probleme machen könnten, und wechselten noch den Plastik-Kühlerventildeckel gegen ein Modell in Metallausführung aus – robuster! Und schon war Benz Nummer zwei mit an Bord.

Fehlte also nur noch Team Herrenzimmer #3, in dem ich mitfahre. Unsere Suche war schwieriger. Mein Kollege Stephan und ich haben in den vergangenen Wochen einen wahren Besichtigungsmarathon absolviert. Wir schauten uns mehrere W201 und W124 an, aber keiner überzeugte. Kurz bevor wir die Hoffnung aufgegeben hatten, entdeckten wir ein Angebot eines W124 in der Nähe von Untertürkheim. Der Besichtigungstermin und die Probefahrt waren vielversprechend – doch leider ließ sich der Besitzer Zeit mit der Rückmeldung. Nach drei Tagen der rettende Anruf: Benz Nummer drei stand zur Abholung bereit. Das Trio war damit komplett, Team Herrenzimmer #1, #2  und #3 glücklich.

Feintuning an den Autos

Wir hatten also drei super Modelle abgestaubt, doch den Schraubenzieher mussten wir hier und da doch noch mal anlegen. Besonders unser W201 forderte einige Investitionen. Wir tauschten unter anderem den Kühlwasser-Thermostat aus, richteten das Lager des Gebläselüfters der Heizung, kümmerten uns um einen neuen Drehzahlsensor für das ABS und tauschten in liebevoller Friemelarbeit das Spiegelgestänge links. Auch der angesetzte Rost musste weg. Das kostete uns zwar mehrere Stunden und Nerven, aber durch das Rumbasteln haben wir unser Auto und seine Feinheiten im Detail kennengelernt – das könnte für die Rallye noch nützlich werden.

Bei den anderen zwei Fahrzeugen hatten die Vorbesitzer bereits viele Verschleißteile getauscht – zum Beispiel die Bremsbeläge und -scheiben sowie den Auspuff. Jetzt hoffen wir, dass während der Rallye keine Überraschungen folgen. Aber, ehrlich gesagt, was wäre eine Rallye ohne Pannen und Nervenkitzel?

Gleichzeitig Gutes tun

Das Schöne am Baltic Sea Circle ist der Wohltätigkeitsgedanke hinter dem Abenteuer. Die Teilnehmer sammeln Spendengelder für Charity-Projekte. Je mehr desto besser, mindestens aber 750 Euro pro Team. Unser Sammelziel liegt bei 3.000 Euro. Wichtig: Wir finanzieren mit diesem Geld nicht unsere Teilnahme an der Rallye – die Summe kommt zu 100 Prozent zwei Projekten zu Gute.

Zum einen haben wir uns für „Deepwave e.V.“ entschieden. Das ist eine Meeresschutzorganisation aus Hamburg, die sich seit 2003 mit regionalen und internationalen Kampagnen für die Erhaltung des Ökosystems Ozean einsetzt und die Entwicklung umweltverträglicher Strukturen fördert.

Zum anderen möchten wir das Projekt „Ein behindertengerechtes Zuhause für Johanna“ unterstützen. Johanna ist ein junges Mädchen aus Stuttgart, das an der schweren Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie leidet. Die 11-Jährige ist dabei in ihrer derzeitigen Wohnumgebung stark auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen. Ein Neubau soll die tägliche Routine enorm vereinfachen und zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Die Möglichkeit, gemeinsam im Team an der Rallye teilzunehmen und gleichzeitig etwas an andere weitergeben zu können, gefällt uns sehr. Vielleicht haben Sie ja Lust, uns dabei zu helfen? Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Beitrag.

Als kleines Dankeschön werden wir auf dem Daimler-Blog natürlich darüber berichten, wie die Rallye verlaufen ist und von unseren witzigen, verrückten, peinlichen und schwierigen Erlebnisse erzählen.


Anmerkung der Redaktion: Mehr über The  Baltic Sea – Team Herrenzimmer gibt’s auf Facebook.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er arbeitet als Entwickler im Bereich der Fahrassistenzsysteme und betreut die Hardware für den Remote Park Piloten der aktuellen Generation.

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