F1 in der Schule: Kleine Flitzer, große Faszination

Rennwagen im Miniatur-Format, technikbegeisterte Schülerinnen und Schüler und jede Menge Teamgeist – dafür steht „Formel 1 in der Schule“. Vor gut einem Jahr habe ich hier erstmals über das Projekt berichtet, als Jurorin bin ich jetzt schon seit einigen Jahren mit dabei.

Es ist wieder soweit: Die Deutsche Meisterschaft mit den besten 23 aus 199 gemeldeten Teams steht an. Sie werden sich am 13. Mai in Neckarsulm mächtig ins Zeug legen, um eines der heißbegehrten Tickets für die Weltmeisterschaft zu ergattern. Diese findet 2017 in Kuala Lumpur, Malaysia in der Woche vor dem Formel 1 Grand Prix im Herbst statt. Und nur die Teams, die es aufs Treppchen schaffen, dürfen mitfliegen.

Doch worum ging‘s nochmal?

Kurz gesagt: Formel 1 in der Schule ist ein multidisziplinärer, internationaler Technologiewettbewerb aus Großbritannien – der weltweit größte seiner Art. Dabei bauen Schülerteams mit drei bis sechs Mitgliedern in zwei Alterskategorien (Junior: 11-14 Jahre und Senior: 15-18 Jahre) Miniatur-Formel-1-Rennwagen. Klingt erst mal einfach, aber dazu gehören neben der Konstruktion in einem 3D-CAD-System auch die Optimierung  im virtuellen Windkanal, die Produktion der Fahrzeuge und Anbauteile (Fräsmaschine, 3D-Drucker, Drehmaschine, …) sowie „Hochzeit“, Lackierung, aber auch reale Tests.

Damit nicht genug: Neben dem Auto müssen die Teams auch einen Messestand und ein Projektportfolio gestalten, eine acht-minütige Präsentation halten und die Teamkleidung darf auch nicht fehlen. Zu all diesen Aufgaben gibt es natürlich ein sehr umfangreiches Regelwerk – wie bei der „großen“ Formel 1. Und dann müssen die Schülerinnen und Schüler das ganze Projekt natürlich noch finanziert bekommen. Daher darf auch die Sponsorenakquise und -betreuung nicht zu kurz kommen.

Das Team ist der Star

Um all das bewältigen zu können, gibt es Teamrollen, die von den einzelnen Mitgliedern erfüllt werden müssen: Teammanager, Grafikdesigner, Konstrukteur, Produktionsingenieur, Sponsoring-/Marketing-Beauftragter. Natürlich gibt es auch einen Betreuer (Lehrer, Elternteil, ehemaliger Teilnehmer), der die Teams begleitet – der blickt aber, sobald die Teams sich mal eingearbeitet haben und richtig starten, meistens schon nicht mehr überall durch. Erwähnenswert ist auch, dass nicht nur Jungs mit Autos spielen, sondern auch gut ein Drittel Mädchen mit dabei sind. Sie sind nicht nur Grafikdesigner, sondern sehr häufig auch Teammanager oder Konstrukteur!

Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb

Mit den Regionalmeisterschaften im Februar/März haben die Teams die erste Ausscheidungsrunde hinter sich gebracht. Dafür haben sie sich von Beginn des Schuljahres an – manche fangen auch schon vor den Sommerferien an – vorbereitet. Es liegen also mehrere Monate harter Arbeit und, insbesondere unmittelbar vor dem Wettbewerb, kurzer Nächte hinter den Schülerinnen und Schüler. Für alle, die sich nicht qualifizieren konnten, ist diese Saison bereits vorbei. Aber nach dem Wettbewerb ist ja bekanntlich vor dem Wettbewerb. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Teams ist sicherlich schon wieder mitten in den Vorbereitungen für die nächste Saison.

BW Junior Platz 1 Silver Arrow

Alles auf Anfang

Und die Regionalmeister? Für die ging es direkt nach weiter: Für die Deutsche Meisterschaft muss ein verbessertes Auto her, ein neuer Messestand. Und die Präsentation und das Portfolio? Alles neu, alles auf Anfang – die Arbeit von mehreren Monaten muss in den paar Wochen zwischen den Meisterschaften noch mal grundlegend überarbeitet werden, das bedeutet Stress pur. Wer sich zu fragen getraut hat, hat auch Feedback von der Jury bekommen, welches es zu verarbeiten gilt. Dabei versuchen wir Juroren immer, einen harmlosen Eindruck zu machen. Immerhin treten Deutschlands beste Teams gegeneinander an!

Auf zur Weltmeisterschaft!

Und dann? Der Deutsche Meister fliegt zur Weltmeisterschaft, um dort die deutsche Ingenieurs-Ehre (wir sind vermutlich noch heute das Land, das am häufigsten den Innovationspreis gewonnen hat) zu verteidigen. Je nach Startplätzen darf der zweite Platz als komplettes Team oder Kooperationsteam und der dritte Platz als Kooperationsteam mitfliegen. Die Vorbereitung hierfür ist dann noch mal eine ganz andere Hausnummer.

Das Level von einer WM würden Sie niemals von Schülern erwarten. Ich nenne hier nur mal die magnetische Federung des Fahrwerks zum Ausgleich der Rennbahn-Unebenheiten als eines von vielen Beispielen. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist es zum Beispiel den 2×3 Meter großen Messestand nach Kuala Lumpur zu bringen. Und dann muss auch noch alles auf Englisch ausgearbeitet und vorgestellt werden – und das vor Juroren wie beispielsweise dem Formel 1-Konstrukteur und -Kommentator Gary Anderson.

Eine Schule fürs Leben

So abgedroschen das auch klingen mag: Jeder Schüler, der es zur WM schafft, ist ein absoluter Gewinner. Am Ende ist es kaum wichtig, wer auf dem Treppchen steht. Man lernt so viele interessante Menschen von überall her kennen und verbringt eine unglaubliche Woche mit ihnen. Noch dazu entwickelt man sich stark fachlich wie auch vor allem persönlich weiter. Bis heute war mir dieser Wettbewerb noch der beste Lehrmeister in meiner Schul- und Studienzeit.

Wer sich das Ganze mal aus Nähe ansehen möchte, ist herzlichst eingeladen, am 13. Mai nach Neckarsulm zu kommen und die kleinen Flitzer mit zugehörigen Teams anzuschauen und natürlich anzufeuern. Rennen laufen den ganzen Tag – vormittags Wertungsrennen und am Mittag dann ein K.O.-Rennen. Der Eintritt ist frei.

Die letzte WM 2016 in Austin, Texas – ein einmaliges Erlebnis:


Wenn Ihr Interesse an „Formel 1 in der Schule“ geweckt ist – ob als Betreuer, Lehrer, Gast, oder Teilnehmer – schauen Sie auf www.f1inschools.de vorbei oder wenden Sie sich gern auch direkt an Lisa Rottmann.

Bilder: (C) Felix Kästle / ZF Friedrichshafen AG


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