“Footloose” in der neuen S-Klasse

Wenn mich jemand nach den aufregendsten Momenten in meiner vorherigen Techblogger-Karriere fragt, dann nenne ich immer die diversen „Ausfahrten“ mit autonomen Plattformen. Und das liegt vor allen Dingen daran, dass ich ein eher schlechter Beifahrer bin.

Kontrollverlust hin, mitbremsen her, ich gebe eher ungern das Lenkrad aus der Hand und konzentriere mich auch während einer Taxifahrt umgehend auf mein Smartphone. Motto: Ich habe mit mir selber genug zu tun.

Ja und dann sitzt du zum ersten Mal in einer selbstfahrenden S-Klasse. Damals im Dezember 2014 in Sunnyvale. Und alles war irgendwie völlig anders. Ich habe seit jeher ein fundamentales Vertrauen in Technologien und genau dies kam mir bei meinem ersten Ausflug mit einem selbstfahrenden Pkw zu Gute. Ich genoss es. Jede Sekunde. Mensch, dachte ich mir, du erlebst da gerade den wohl größten Wandel in der Geschichte des Automobils mit. Es passiert. Jetzt im Prototypen und über kurz oder lang in der Serie.

Probefahrt durchs Schwabenland

Sprung ins Jahr 2017. Seit knapp zwei Monaten halte ich mich in Stuttgart auf und versuche fleißig sämtliche Orte und Städte kennenzulernen, die auf „ingen“ enden. Heute sollte sich die nächste Gelegenheit dazu bieten, denn ich hatte die Gelegenheit mit der neuen S-Klasse eine ca. einstündige Probefahrt zu absolvieren. Damit die Geschichte rund wird, starteten wir natürlich in… richtig: Sindelfingen!

Und dann ist es sofort wieder da, dieses Gefühl. Du erlebst hier gerade ein weiteres Kapitel aus dem Geschichtsbuch für technologische Entwicklungen. Die neue S-Klasse ist nicht nur ein riesiger Schritt in Richtung des vollautonomen Fahrens, sie hat für mich diese Begrifflichkeit auch neu definiert.

„Footloose“ statt „Hände weg“

Wenn immer ich zuvor an Fahrassistenzsysteme dachte, die uns in Summe in den nächsten Jahren zum selbstfahrenden Fahrzeug führen werden, so schwebte mir immer das Szenario „Hände weg vom Lenkrad“ vor. Und genau das hat sich nun nicht nur geändert, mir ist die Tür zu einer völlig neuen Welt aufgestoßen worden. Und damit sind wir dann auch schon beim Titel dieser sehr persönlichen Eindrücke angelangt. „Footloose“, genau das ist es!

Ich bekam diesen Begriff einfach nicht mehr aus dem Kopf, nachdem ich unseren Fahrer und Instruktor eine Viertelstunde genauesten beobachten konnte. Während wir nämlich meinen regionalen Horizont mit weiteren Vertretern aus der Siedlungs-Kategorie „ingen“ erweiterten, musste unser Fahrer nur noch selten eingreifen. Halt… das ist falsch! „Eintreten“ wäre der richtige Ausdruck, denn während seine Hände das neue Multifunktionslenkrad fest in selbigen hielten, beschleunigte und bremste die neue S-Klasse von ganz alleine.

Und genau da hat es dann bei mir Klick gemacht. Unsere Füße sind auf einer derartigen Strecke (Autobahn, Landstraße, Ortsdurchfahrten) einem ordentlichen Stresstest ausgesetzt. Nicht mehr, denn das neue Distronic Plus System schafft hier wohltuende Abhilfe.

Ein Meilenstein

Die S-Klasse bremst angenehm weich ab, als wir unsere kurze Autobahnfahrt beenden und auf die Landstraße wollen. Wohlgemerkt passend abgestimmt auf die folgende Rechtskurve und nur um dann auch aus dieser wieder heraus zu beschleunigen. Automatisch und so, dass man es nicht mal ansatzweise merken würde. Es sei denn, man sitzt wie ich auf dem Beifahrersitz und versucht wirklich jede Situation zu „inhalieren“, um diesen Meilenstein begreifen zu können.

Mercedes-Benz Intelligent Drive in der neuen S-Klasse

Ob wir vor Kurven und Kreisverkehren abbremsen und wieder beschleunigen mussten, oder aber die Geschwindigkeit an Ortseingängen angepasst werden musste… unser Instruktor hatte seine Füße ganz entspannt vor der Pedalerie geparkt. Übrigens fällt dem aufmerksamen Beobachter dabei direkt auf, dass sämtliche Aktionen mit neuen Symbolen im Display angezeigt werden. Und damit sei an dieser Stelle den Designern ein großes Lob ausgesprochen. Diese „Icons“ sind absolut selbsterklärend und geben ein wichtiges optisches Feedback an den Fahrer.

DAS Feature der neuen S-Klasse

Ja, mit dem aktiven Spurwechsel-, Nothalt-, Spurhalte- und Totwinkel-Assistenten, wurde der neuen S-Klasse ein beeindruckender Strauß an technologischen Finessen spendiert, aber… die Kombination aus Geschwindigkeitslimit-, Brems- und Verkehrszeichen-Assistenten, die ist für mich persönlich DAS Feature der neuen S-Klasse.

Wie dieser Wagen durch Kamera- und Radarsysteme seine Umgebung analysiert und dann zusätzlich Karten und Navigationsdaten zur Berechnung des Fahrverhaltens einbezieht, das macht für mich den Unterschied aus. Die automatische Anpassung der Geschwindigkeit, das sanfte Abbremsen und die ebenso angenehme Beschleunigung aus Kurven heraus… du denkst dir umgehend: ja, so muss das sein!

Flaggschiffe einer Marke setzen Benchmarks für das gesamte Produktportfolio. Die neue S-Klasse setzt dabei einen neuen, wenn es darum geht Karten- und Navigationsdaten zu beziehen, dann zu verarbeiten und schließlich das Fahrverhalten darauf abzustimmen.

Diese Redundanz macht das Reisen nicht nur weitaus entspannter, es erhöht vor allen Dingen auch die Sicherheit.


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