Challenge Brasilien accepted!

Für sechs Wochen nach Brasilien in einem Praxissemester klingt zu schön um wahr zu sein, oder? Mir bot sich diese Gelegenheit und ich ergriff sie. Ich, dualer Student für Wirtschaftsingenieurwesen im 3. Semester mit der Fachrichtung Produktion und Logistik, wurde auf eine Projektausschreibung im Bereich „Resource Management“ aufmerksam.

Das Besondere daran war, dass bei diesem Projekteinsatz ein sechswöchiger Aufenthalt in Brasilien vorgesehen war. Das Projekt war die Implementierung der Methodik des Resource Managements in zwei Pilotbereichen bei Mercedes-Benz do Brasil Ltd.

Was ist Resource Management?

Kurz gesagt: Resource Management ist eine Methode zur qualitativen, strategischen Personalplanung. Klingt sehr trocken, ist es aber nicht. Jeder Mitarbeiter lässt sich so genannten Jobfunktionen zuordnen – je nach Qualifikationen, Bereich und der Erfahrung. Nach dieser Zuordnung simuliert man unter Festlegung bestimmter Prämissen den aktuellen Personalbestand. Danach wird in Dialogen mit den Führungskräften der Bedarf für die nächsten Jahre ermittelt. Nun werden  mit Hilfe des Daimler-internen Experten IT-Tools „Jobfit“ Bestand und Bedarf  zusammen gebracht und daraus ergibt sich die GAP-Analyse (auch bekannt als: Lückenanalyse). Mit Hilfe der Analyse werden Personalmaßnahmen abgeleitet, um für die Zukunft die richtige Anzahl an Mitarbeitern, mit den richtigen Qualifizierungen zum richtigen Zeitpunkt sicherzustellen.

Das Werk vom Highway aus

Das Projekt in Mercedes Benz do Brasil Ltd. war zu einem guten Zeitpunkt gewählt. Das Werk verändert sich momentan sehr stark, aufgrund einer neuen Werksstrategie und der Neustrukturierung der Logistik. Umso wichtiger ist eine vorausschauende Personalplanung. Mit der Methodik des Resource Managements sollen mögliche Maßnahmen generiert werden, die sicherstellen dass das Personal fit für die Herausforderungen der nächsten Jahre ist – zum Beispiel neue Technologien, neue Produkte und die Digitalisierung.

Ankunft in einem fremden Land

Ich muss ehrlich zugeben, ich stieg mit gemischten Gefühlen in den Flieger. Ich war aufgeregt und freute mich auf das Neue und Unbekannte und meine Vorfreude auf ein neues Land war geweckt. Andererseits, waren da auch die negativen Gefühle, die durch „schlimme“ Geschichten, wie Überfälle auf der Straße, Entführungen auf dem Arbeitsweg und Gewalt gegenüber Touristen, von Kollegen, Freunden und Familie ausgelöst wurden. Als ich nach zwölf 12 Stunden Flug im Flughafen von Sao Paulo ankam, war mein erster Gedanke: „heiß“. Das Wetter war schwül warm und das, obwohl es 4 Uhr in der Nacht war. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt war beeindruckend. Sao Paulo ist geprägt von vielen Hochhäusern in unterschiedlichster Ausführung. Ich staunte die ganze Fahrt über.

The place to be

Meine Wohnung in Sao Paulo lag in einem Viertel direkt in der Innenstadt. Die berühmte „Avenida Paulista“ – eines der Wahrzeichen der Stadt – war nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Zahlreiche Restaurants, die geprägt sind von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, befanden sich nahe der Paulista. Hier war es nie langweilig. Jeden Tag entdeckte ich etwas Neues in Sao Paulo: Sei es ein nettes Lokal, ein Geschäft oder eine neue Straße. Von meiner Wohnung zur Arbeit in Sao Bernardo do Campo brauchte ich circa eine  Stunde. Zuerst fuhr ich mit der Metro, welche das schnellste und sicherste Verkehrsmittel in Sao Paulo ist. Dort traf ich jeden Morgen deutsche CAReer (das Trainee-Programm von Daimler) Kollegen mit denen die Fahrt zur Arbeit nie langweilig war. Dann ging es weiter mit den Daimler eigenen Shuttle Bussen, welche die Mitarbeiter zur Arbeit brachten.

Ein völlig falsches Bild

Bereits in der ersten Woche stellte ich fest, dass Brasilien ganz anders ist als ich es erwartet hatte. Brasilianer, die ich kennen lernte, seien es Kollegen, Menschen auf der Straße oder der Kellner in einem Restaurant waren total nett, herzlich und offen. Obwohl die meisten Brasilianer kein Englisch sprechen, sind sie immer sehr hilfsbereit und versuchen ihr Bestes.

Ich eignete mir im Laufe meines Einsatzes einige Grundlagen in Portugiesisch an, um mich im alltäglichen Leben beim Einkaufen, im Taxi oder im Restaurant verständigen zu können. Die anfangs gemischten Gefühle waren schnell verschwunden. Klar ist, dass Brasilien in einer wirtschaftlichen Krise steckt und dass die Kriminalität wesentlich höher ist als in Deutschland.

Mit ein paar Anpassungen meines Verhaltens wie kein Handy in der Öffentlichkeit zu benutzen, keine Uhr zu tragen oder den Geldbeutel auf der Straße nicht heraus zu nehmen, konnte ich mich hier frei bewegen und die Stadt auf eigene Faust erkunden. Das tat ich auch fleißig. Mein Drang, das Neue zu entdecken, war geweckt und somit versuchte ich so viel wie möglich in Sao Paulo zu erleben.

Cross Cultural Management

Bald merkte ich, dass es bei der Arbeit kulturelle Unterschiede gab. Zum Beispiel, dass die Kollegen eine starke Bindung zueinander haben. In Brasilien gibt es keine „Tabu-Fragen“. Wenn die Brasilianer etwas wissen möchten, dann fragen sie einfach. Peinlichkeiten waren dadurch für mich erstmal vorprogrammiert. Ich wurde mehrmals über meine Lebensgeschichte bis aufs kleinste Detail ausgefragt, darüber, was ich vor meinem Einsatz gemacht habe, wie ich in Deutschland lebe oder wie es meiner Familie geht. Doch nach den ersten Wochen hier gehörte das auch zum Alltag.

Sonnenuntergang auf dem Amazonas

Ich habe mich persönlich weiterentwickelt und mich an den brasilianischen Lebensstil angepasst. Ich genoss die Unterhaltungen mit meinen brasilianischen Kollegen oder mit Freunden, die ich hier kennengelernt habe. Brasilien ist ein Land, das viel zu bieten hat. Für mich war es eine tolle Herausforderung hier zu leben, zu arbeiten und mich in einer Großstadt mit 20 Millionen Menschen zurecht zu finden.

Karneval mal ganz anders

Der Zeitpunkt für mein Projekt hätte nicht besser liegen können. Es war Karnevalszeit in Brasilien. Karneval dort bedeutet Ausnahmezustand. Ich fuhr mit dem Fernbus für die Feiertage nach Rio, wo der Karneval quasi erfunden wurde. Jeden Tag fanden sogenannte „Blocos“ statt. Das sind kleine Straßenumzüge, bei denen meist eine Sambaschule mit ihrer Band für die passsende  Stimmung sorgt. Die Brasilianer haben Samba im Blut. Ich wurde von der Musik, der Atmosphäre und der Stimmung sofort mitgerissen und hatte viel Spaß bei den „Blocos“.

Survival im Dschungel

Ich nutzte die Gelegenheit in Brasilien zu sein und verbrachte meinen Urlaub im Regenwald. Ich flog ins 3.000 Kilometer entfernte Manaus. Von dort ging es mit unterschiedlichen Booten und Bussen tief in den Regenwald. Ich war mit fünf anderen, mir anfangs Unbekannten und einem Tourguide, in einer Gruppe. Untergebracht in einer Lodge tief im Dschungel war ich froh, den Großstadtlärm los zu sein. Neben zahlreichen Kanu-Expeditionen in die überfluteten Mangrovenwälder, angelte ich Piranhas, fing eine Anakonda, wanderte mehrmals durch den Dschungel und schwamm im Amazonas. Mein persönliches Highlight der Tour war eine Übernachtung im Dschungel. Unter einem vorbereiteten Unterstand hing ich meine Hängematte mit Mückennetz auf. Bequem war es dort. Der Tourguide zeigte der Gruppe wie man im Dschungel überlebt und wie man Feuer macht. Abends saß dann die ganze Gruppe am Lagerfeuer und jeder erzählte Geschichten aus seinem Leben.

Rückblick

Am liebsten wäre ich noch länger in Brasilien geblieben. Mir haben die Arbeit und das alltägliche Leben dort sehr gut gefallen. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die mir diese Reise und vor allem die tolle Erfahrung ermöglicht haben. Und ein großes Dankeschön an meine brasilianischen Kollegen, mit denen ich sehr gerne zusammen gearbeitet habe.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er studiert dual im vierten Semester Wirtschaftsingenieurwesen. Aktuell arbeitet er bei HR Truck im Team für Resource Management in Wörth.

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