Wer geht denn schon zur Hauptversammlung?

Pünktlich wie jedes Jahr lag Ende Februar wieder die Einladung zur Daimler Hauptversammlung in meinem Briefkasten. In den letzten Jahren wurde diese von mir nicht weiter beachtet. Schließlich gehen dort doch nur alteingesessene Investoren hin, oder?

Das wollte ich genauer wissen – also entschied ich mich, mir das Event dieses Jahr doch einmal persönlich anzuschauen. Und so machte ich mich vor genau einer Woche auf den Weg nach Berlin.

Gut eine Stunde vor Beginn der Hauptversammlung stehe ich vor dem Berliner „CityCube“. Ich möchte noch genug Zeit haben, um mich etwas umzusehen. Bevor es losgeht, werde ich erst einmal von der Security durchgecheckt und erhalte bei der Akkreditierung meine Stimmrechtzettel. Mit den Stimmkarten dürfen die Aktionäre über die Verwendung des Bilanzgewinns, die Entlastung von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, die Bestellung der Abschlussprüfer sowie über die Anpassung der Aufsichtsratsvergütung abstimmen. Darüber hinaus kann man mittels der Stimmkarten an der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder teilnehmen.

„Neuland“ – kein Problem

Dass mir der Prozess noch nicht bekannt ist, ist kein Problem: Am Stand von Investor Relations finden sich schnell Mitarbeiter, die mir alles erklären, was ich wissen muss. Dort werde ich auch gleich mit umfangreichen Informationsunterlagen, wie dem Geschäftsbericht und dem Jahresabschluss, versorgt. Mit allen wichtigen Unterlagen in der Tasche, mache ich mich auf den Weg zum Plenum, der zentralen Veranstaltungshalle der Versammlung.

Hier finde ich mich unter rund 6.200 weiteren Aktionären wieder. Am meisten überrascht mich die bunte Mischung des Publikums. Es sind nicht nur Banker in feinen Anzügen angereist, sondern auch Menschen „wie du und ich“. So fühle ich mich vom ersten Moment an wohl und freue mich, in inspirierenden Gesprächen die Sichtweisen von Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen kennenzulernen.

Offizieller Teil

Um Punkt 10 Uhr geht es los mit dem offiziellen Teil der Hauptversammlung. Manfred Bischoff, der Aufsichtsratsvorsitzende der Daimler AG, begrüßt uns Aktionäre und übergibt anschließend das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche. Im Mittelpunkt der Reden stehen vor allem die Investitionen in die Elektromobilität und die neuen Geschäftsmodelle, mit denen die Anforderungen der aufkommenden Sharing-Kultur bedient werden sollen. Aufgrund des vollbesetzten Plenums, kommt recht schnell Stimmung auf. Diese reicht von lautstarkem Beifall über das Unternehmensergebnis bis hin zu Buhrufen, als die Anhebung der Aufsichtsratsvergütung angesprochen wird.

Danach geht es weiter in die Fragerunde, bei der sich die Investoren zu Wort melden können. Die Fragen gehen hier in die unterschiedlichsten Richtungen: die Aktionäre interessieren sich für Dividende und Corporate Social Responsibility, genauso wie für einzelne Fahrzeugeigenschaften. Besonders interessant finde ich, dass einige Investoren auch Themen ansprechen, die nicht regelmäßig in den Medien kursieren. So werden beispielsweise Sponsoring Aktivitäten kritisch hinterfragt oder Beförderungsquoten von Managern erläutert.

Das obligatorische Saitenwürstchen

Viele Aktionäre nutzen ihre Redezeit von zehn Minuten voll aus. So zieht sich die Veranstaltung eine ganze Weile hin. Ich brauche mal eine Pause, um mir etwas die Beine zu vertreten. Ich informiere mich an den Messeständen zu verschiedenen Zukunftsprojekten von Daimler. Am Info-Stand von moovel lasse ich mir den Wachsdrucker zeigen. Dieser bildet in Echtzeit die Suchanfragen der App in Berlin ab. Mit heißem Wachs werden die gefahrenen Strecken nachgezeichnet – gelb steht für mytaxi, blau für car2go und rot für öffentlichen Nahverkehr. Schon nach wenigen Minuten erkenne ich die Hauptverkehrsknoten Berlins und sehe, wie oft und mit welchen Verkehrsmitteln die moovel-App in Berlin genutzt wird.

In der Ausstellungshalle schaue ich mir Exponate an, die man nicht tagtäglich auf der Straße sieht: den Vision Mercedes-Maybach 6, den Future Bus und den Vision Van. Während ich so um den Mercedes Formel 1 Wagen schlendere oder im neuen E-Klasse Cabrio sitze, kann ich über riesige Bildschirme, die ringsherum in der Ausstellungshalle aufgehängt sind, weiterhin die Diskussionen im Plenum verfolgen.

Der Ton wird schallend auf dem gesamten Messegelände übertragen, so dass ich nicht einmal auf der Toilette ein Wort verpasse. Bei mir kommt langsam der Hunger auf und ich lege einen kurzen Stopp beim Catering ein, denn das obligatorische Saitenwürstchen darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Auch wenn ich mich um dieses – im Vergleich zum letzten Jahr – nicht mit anderen Aktionären streiten muss. ;-)

Eine unterhaltsame Erfahrung

Nach meiner Rundtour über das Messegelände kehre ich ins Plenum zurück, um mir die letzten Wortmeldungen anzuhören. Diese werden gegen Ende immer unterhaltsamer, da viele Redner schnell von fachlichen Themen abschweifen und stattdessen lieber auf die Missstände ihres Fahrzeugs hinweisen oder fordern, unbekleidet bei der Hauptversammlung erscheinen zu dürfen. Als auch diese Redner all ihre Anliegen kundgetan haben, werden die Stimmkarten ausgezählt und die Ergebnisse der Abstimmung verkündet. Dieses Jahr wird allen Tagesordnungspunkten mit großer Mehrheit zugestimmt.

Nach einem langen Tag voller Eindrücke mache ich mich schließlich auf den Rückweg zu meinem Hotel. Die Daimler Hauptversammlung 2017 war für mich eine komplett neue, aber sehr interessante und unterhaltsame Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ob ich im nächsten Jahr wieder mit dabei bin? – Definitiv.


Anmerkung der Redaktion: An der Hauptversammlung nahmen rund 6.200 Anteilseigner teil, die insgesamt  49,18% des Grundkapitals vertraten. Zudem wurde eine konstante Dividende in Höhe von 3,25 € pro Aktie beschlossen. Die Mitglieder des Vorstands wurden mit 99,22%, die Mitglieder des Aufsichtsrats mit 96,42% entlastet.  Weitere Informationen finden Sie auf unserer MediaSite.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie arbeitet bei Best Finance im Project Management Office und berichtet von ihrem ersten Besuch auf der Daimler Hauptversammlung. Sie interessiert sich auch privat für Finanz-Themen.

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