Kindheitsträume, die wahr werden

Es gibt ein finnisches Sprichwort, das besagt: „Ei arka mies saa kaunista akkaa“ – Ein schüchterner Mann kriegt keine schöne Frau, sprich keine Schönheit. Heute weiß ich: Ausnahmen bestätigen die Regel, ein deutsches Sprichwort.*

Rückblende: Ich bin 6 Jahre alt, sitze in meinem Heimatort Nastola vor dem TV und sehe Mika Häkkinen. Ein finnischer Formel 1-Fahrer. Wow. Ich bin begeistert. Gibt es eine unschuldigere Freude als die eines Kindes? Kurze Zeit später nimmt mein Schicksal seinen Lauf. Ich sitze zum ersten Mal in einem Go-Kart. Ich weiß jetzt: Ich will Rennfahrer werden.

Das Leben rast mit oder ohne F1

Es scheint typisch für die menschliche Psyche zu sein, immer weiter voranschreiten zu wollen. Das Leben rast an einem vorüber. Vor allem, wenn man regelmäßig in einem F1-Wagen sitzt. Man nimmt sich leider selten die Zeit, gedanklich einen Schritt zurück zu machen. Zu bewerten. Vielleicht muss das so sein, um zu funktionieren.

Zum Glück gibt es jedoch Augenblicke, in denen das automatisch passiert.

Einer dieser Momente war, als Mika bei mir anrief. Der Mika. Er bot mir an, mich zu managen. Mein Rennfahrer-Idol. Ich dachte nur: Was passiert gerade?

Sie sahen mich als Teil der Familie

Dann schien es wieder zu passieren. Ich war in Deutschland, in Stuttgart. In der Zentrale der Daimler AG. Ich traf Mitarbeiter in Blaumännern, in Anzügen, ja sogar Kinder von Daimler-Mitarbeitern. Sehr viele Mitarbeiter. Ungewohnt große Menschenmengen für mich, jedoch interessant. Sie hatten Erwartungen, Wünsche, Sehnsüchte und ganz viele Fragen. Ob ich schon immer Rennfahrer werden wollte? Von Kindesbeinen an. Meine Ziele für die erste Renn-Saison? So oft wie möglich auf dem Podium zu stehen! Die Augen glänzten. Ich sah mich selbst mit sechs Jahren.

Ich fühlte mich willkommen. Als Teil einer großen Gemeinschaft. Spätestens beim Probesitzen im Wagen von Juan Manuel Fangio im Mercedes-Benz Museum sogar als kleiner Teil einer großen Historie, der Daimler-Historie.

Mein Kindheitstraum wird wahr

Nun stehe ich auf dem Albert Park Circuit in Melbourne. Ich muss wieder an das finnische Sprichwort denken: Finnen sind zwar traditionell nicht die emotionalsten Mitmenschen. Was aber Schönheiten angeht – meine Gemahlin Emilia möge mir verzeihen – bin ich nun doppelt gesegnet.

Ich habe gerade mit dem W08 mein erstes Rennen absolviert. Die 5,303 Kilometer lange Strecke war eine Herausforderung. Der dritte Platz ist zwar nicht schlecht, ich weiß aber, dass noch viel mehr von mir kommen kann.

Doch unabhängig vom Ergebnis des ersten Rennens der Saison ist es ein bedeutendes Kapitel meines jungen Lebens. Es ist bereits jetzt ein Gewinn für mich. Es kann nur positiv werden. Auf die nächsten 19 Rennen der neuen Formel 1-Saison. Und auf Träume, die wahr werden…


*Der gesamte Beitrag ist aus dem Finnischen übersetzt.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist seit Januar 2017 Formel 1 Fahrer bei Mercedes-AMG Petronas Motorsport und startet zusammen mit Lewis Hamilton in der Saison 2017 für die Silberpfeile.

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