Mein Tag in Silverstone: Kiitos, Valtteri!

Silverstone: mein Comeback in der Formel 1-Welt. Diesmal nicht als F 1-Ingenieur, sondern als Reporter – für nur einen Tag, fürs Daimler Blog. Highlights des Tages: die Vorstellung des Mercedes-AMG F1 W08 EQ Power+ und ein Exklusiv-Interview mit unserem neuen Mann im Silberpfeil: Valtteri Bottas.

Die Geschichte meiner Rückkehr auf die Rennstrecke beginnt am 13.Februar in Stuttgart-Untertürkheim. Ich genieße die letzten Minuten meiner Mittagspause mit meiner unverzichtbaren Tasse Espresso. Das Telefon klingelt. Ich denke: „Ah, der übliche Kollege mit Extra-Wünschen nach dieser und jener Motorensimulation …“. Falsch, völlig falsch. Ich verstehe nur: „Herr Aruta, gewonnen – Formel 1 – Silverstone – Interview mit Bottas – Präsentation neues F 1-Auto – Donnerstag nächste Woche“. Erst kann ich es nicht glauben. Dann muss ich minutenlang schmunzeln. Sieben Jahre nach meinem letzten Arbeitstag in der Formel 1 bin ich wieder da!

Die „Eintrittskarte“ für mein eintägiges Motorsport-Comeback.

Die technische Seite der Formel 1-Welt kenne ich aus eigener Berufserfahrung, aber ich hatte bisher nie Gelegenheit, die andere Seite des Motorsports zu erleben. Normalerweise sind nur die Piloten, der Team Principal und der technischer Direktor mit der Presse in Kontakt. Ein Formel 1-Ingenieur muss vor allem zwei Dinge können – und die verdammt gut: optimieren und maximieren – und das in kompromisslosen Zeitfenstern.

So oder so ähnlich sieht der Job von Formel 1-Ingenieuren normalerweise aus.

Zurück im Tempel des Motorsports

Neun Tage später ist es endlich soweit. Silverstone, Northamptonshire/UK: „The Temple of British Motorsport“. Silverstone ist eine der letzten historischen Strecken in der Formel 1 – zusammen mit Monza, Monaco und Spa. Die Strecke ist bekannt für ihre berühmten Kurven namens Copse, Maggotts, Becketts, Chapel, Hangar Straight und Stowe. Treffpunkt um 10.00 Uhr ist das MediaCenter direkt auf der alten Zielgeraden zwischen den Kurven Woodcote und Copse. Dort ist schon die erste Sensation unterwegs. Lewis Hamilton testet das neue Auto …

Schnell die Handy-Kamera gezückt: Lewis testet sein neues Spielzeug.

Ein Sprint zur Terrasse des MediaCenters und dann braust das Spektakel namens Mercedes-AMG F1 W08 EQ Power+ direkt an meinen Augen vorbei. Ja, das neue Auto IST ein Spektakel für die Augen. Der neue Silberpfeil ist ein echtes „Beast“ – wie Lewis sein neues Spielzeug nennt. Heftig, breit, eine Renaissance der Formel 1-Linien der späten 90er-Jahre. Die umfangreichen Änderungen im 2017er-Reglement lassen die Autos beeindruckend und spektakulär aussehen – diesbezüglich ist man sich im MediaCenter einig.

Vom Winde verweht

Nur zu gern hätten Kamerateams, Reporter und Fotografen mehr Zeit außerhalb des MediaCenters verbracht: auf der Strecke, in der Boxengasse, näher am Auto. Doch Doris hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doris? So lautet der Name eines Sturmtiefs, das am 23. Februar über Großbritannien fegte. „Vom Winde verweht“ und „Blowing in the wind“, das hat Doris wortwörtlich genommen. Doch unser Mercedes-AMG F1 W08 EQ Power+ hat ein „Rock you like a hurricane“ angestimmt und machte sich daran 100 Testkilometer zu absolvieren – allen Eskapaden von Doris zum Trotz.

Silverstone? SilverSTORM! Sturmtief „Doris“ fegt über die Rennstrecke.

Schluss mit dem Staubsauger-Sound

Fakt ist, der neueste Silberpfeil ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein echter Hinhörer. Im MediaCenter wurde ausgiebig das Thema „Sound in der Formel 1 anno 2017“ diskutiert. Lewis hat zwar nicht Volllast und maximale Power gepusht, aber die Meinung ist auch so einhellig.

Die jüngsten Korrekturen am Sound des F1-V6 Turbos haben sich gelohnt. Der Motor klingt jetzt wie ein echter Rennmotor und der Soundeffekt des Turboladers „à la Staubsauger“ ist endlich weniger dominant. Es ist immer noch keine infernalische Symphonie eines Hochdrehzahl-V10-Saugers, aber die Soundkulisse ist jetzt definitiv gelungener.

Apropos Reglementänderungen 2017, das sind so viele, dass sie den Rahmen dieses Blog-Beitrags sprengen würden. Deswegen empfehle ich zwei englischsprachige Videos von unseren Kollegen aus Brackley und Brixworth zum Thema Aerodynamik beziehungsweise Antrieb (Power Unit) – well done guys!

Ebel-Style, ohne Ebel-Hose

Um 11.20 Uhr ist es endlich soweit. Valtteri ist da – zum Interview mit mir! Mein Kopf als Ingenieur schaltet sich aus und ich kann als Journalist loslegen. Es wird kein statisches Interview auf dem Sofa, sondern ein „laufendes“ im Stil von Kai Ebel auf RTL. Ja genau, der Formel 1-Journalist mit den auffälligen Hosen. Keine Sorge, die farbenfreudig-karierten Hosen habe ich nicht angezogen – aus Respekt vor Kai Ebel. Ich bin gebürtiger Italiener und bevorzuge ein tailliertes Sakko in Casual-Business Stil. Aber ich liebe die karierten Hosen von Kai Ebel. Wirklich!

Selbstbewusst und bodenständig

Das Interview läuft super, Valtteri macht klasse mit und ich habe mich in dieser Rolle des Formel 1-Journalisten pudelwohl gefühlt. Ich kandidiere hiermit offiziell als Nachfolger von Kai Ebel auf RTL ;-) Im Ernst, ich empfinde die Antworten von Valtteri nie als banal, nie künstlich und nie steril. Das bestätigt meinen bisherigen Eindruck von ihm. Er ist ein „car guy“ durch und durch. Er hat während der Jugendzeit richtig hartes Brot in den niedrigeren Motorsport-Kategorien kauen müssen. Genau das macht ihn gleichzeitig so bodenständig und selbstbewusst.

Meine persönliche Ein-Euro-Wette: Wenn Valtteri die Einarbeitung im Team schnell und erfolgreich meistert, kann er Lewis das Leben (auf der Strecke, logisch, und bitte ohne „epic fail“ wie in Barcelona 2016…) richtig schwer machen – vielleicht schwerer als es ihm Nico gemacht hat. Und das sage ich schlicht und einfach als Formel 1-Beobachter und Bewunderer des Talents von Lewis am Lenkrad.

Nie künstlich, nie banal: Valtteri ist ein angenehmer Interviewpartner.

PR-Marathon fürs Silberpfeil-Team

Am Nachmittag folgt die offizielle Presse-Vorstellung des Formel 1-Autos direkt auf der Strecke. Im Anschluss beginnt für Toto Wolff, die zwei Piloten und die Technik-Direktoren Andy Cowell (Powertrain) und Aldo Costa (Gesamtfahrzeug) ein intensives PR-Programm mit den geladenen Journalisten. Die meisten Fragen drehen sich – wie erwartet – nur um das Eine: Nico Rosberg und sein Rücktritt.

Manchmal sind Journalisten richtig penetrant, denke ich. Aber das ist eben ihr Job. Die Zeit rennt und in der Formel 1 rennt sie gefühlt noch schneller. Schon zeigt die Uhr 16:00. Für mich heißt das: Mein Tag als Formel 1-Journalist neigt sich dem Ende zu. Nächste und letzte Station ist der Flughafen London-Heathrow. Das passt irgendwie, denn auch mein Tag in Silverstone ist wie im Flug vergangen. Ich hätte die Zeit so gern verlangsamt.

Valtteri gibt geduldig Interviews – ich durfte schon VOR den Profis ran.

Kiitos ja menestystä!

War’s das? Noch nicht ganz. Ich möchte mich bei meinen Daimler-Kollegen aus der Kommunikation und dem Motorsport Marketing bedanken, die diesen Tag erst möglich gemacht haben. DANKE für die klasse Betreuung und die einzigartige Chance, meine geliebte Formel 1-Welt aus der Perspektive der Nicht-Ingenieure kennenzulernen. So ein Comeback hätte ich mir nie träumen lassen!

Mein letztes Wort gilt Valtteri Bottas. Trotz eines straffen Arbeitstags hat er sich Zeit für ein Interview mit mir genommen. Und das VOR dem offiziellen PR-Marathon mit den „echten“ Journalisten aus aller Welt und VOR seiner allerersten Fahrstunde mit dem „Beast“. Ich finde das großartig und kann nur sagen: Kiitos ja menestystä, Valtteri! Danke und viel Erfolg, Valtteri!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Entwicklungsingenieur im Bereich Simulation Struktur- und Thermomechanik Grundmotor und Abgasturbolader Mercedes-Benz Pkw-Motoren.

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