Daimler Türk-Treff feiert 25-jähriges!

Meinen ersten Kontakt zum Daimler Türk-Treff hatte ich im Jahr 2003: Frisch von der Uni war ich mit Sack und Pack nach Ulm gezogen, um im Forschungszentrum als Planerin in der Forschung meinen ersten „echten“ Job anzutreten. Um gleich Anschluss in der neuen Stadt zu finden, kontaktierte ich das Netzwerk.

Ich erfuhr von dem Netzwerk über türkische Kollegen und freute mich schon bald über mein erstes Mittagessen mit dem Daimler Türk-Treff in Ulm. Einige von Ihnen werden sich jetzt sicher fragen, was ist denn der „Daimler Türk-Treff“? Ist das ein Kegeltreff? Brauchen wir das?

Der Daimler Türk-Treff ist einer der Pioniere unter den Mitarbeiternetzwerken. Angefangen hat es mit einem losen Zusammenschluss von sechs türkischstämmigen Menschen, die vor 25 Jahren einfach nur mal Mittagessen gehen wollten. Inzwischen hat das Mitarbeiternetzwerk über 850 Mitglieder und gehört mit zu den größten Mitarbeiternetzwerken von Migranten in Deutschland.

Bunte Truppe

Wir sind an fast allen weltweiten Standorten des Konzerns aktiv und organisieren gemeinsame Mittagessen, After-Work-Treffen, Fußballturniere, Sommerfeste, Bowlingabende, Filmprojekte, Bildungsinitiativen, Hilfsprojekte in Krisengebieten, Benefizveranstaltungen und vieles mehr. Wir sind Role Model für gelungene Mitarbeiter-Initiativen und erster Ansprechpartner, wenn z.B. türkische Regierungsvertreter in Stuttgart zu Besuch sind oder türkische Universitäten nach Kooperationspartnern suchen.

„Netzwerken“ statt Politik oder Religion

Unsere Mitglieder sind zwar mehrheitlich türkischstämmig, aber prinzipiell steht das Netzwerk jedem offen, der sich einfach nur „netzwerken“ will. Kulturkreis, Funktion und Rang sind für uns vollkommen egal. Auch Themen aus den Bereichen Politik, Religion, Weltanschauung oder sexuelle Präferenz etc., wollen wir explizit nicht zum Bestandteil unserer Aktivitäten oder unserer Kommunikation machen.

Wir sind einfach eine bunt gemischte Gruppe von verschiedensten Menschen, deren offensichtlichste Gemeinsamkeit darin besteht, bei Daimler zu arbeiten und zu ihren (meist) türkischen Wurzeln zu stehen. Weitere Gemeinsamkeiten zeigen sich dann meist im Gespräch oder bei unseren Aktivitäten.

Obwohl wir so unterschiedlich sind, fühlen wir uns als Gemeinschaft und treten auch als solche auf. Wir sind wichtig, wirken sowohl nach innen als auch außerhalb der Daimler AG.

Gökhan Arslan, 4-facher Weltmeister im Kickboxen und Tansel Gündüz, DTT Standortmanager Möhringen

Nach innen wirken wir, weil wir innerhalb der Daimler-Familie eine weitere verbindende Klammer für unsere Mitglieder bilden. Wir helfen uns gegenseitig und da wir unterschiedlichste Fach- und Führungsfunktionen im Konzern begleiten, ist es für uns z.B. bei fachlichen Fragen einfacher, Ansprechpartner oder Experten zu bestimmten Themen zu finden.

Auch beim Recruiting kann das Netzwerken helfen: Sucht jemand einen Studenten aus einer bestimmten Fachrichtung oder ein Student einen Praktikumsplatz, wird das in unserem monatlichen Newsletter platziert. Selbstverständlich passiert das alles gemäß unseren Richtlinien und in Abstimmung mit dem Personalbereich.

Stolz auf unsere Wurzeln

Wir sind stolz auf unsere Wurzeln und können dieses positive Selbstbild in den Konzern tragen. Damit helfen wir, das häufig vorherrschende Bild des türkischen „Gastarbeiters“ (ein Allergiewort für mich!) etwas zu relativieren und zu korrigieren. Die Wissenschaft gibt uns Recht: Nach der Kontakthypothese von Allport reduziert häufiger Kontakt zu Mitgliedern anderer Gruppen (z. B. Minderheiten) die Vorurteile gegenüber diesen Gruppen. Deswegen versuchen wir als Daimler Türk-Treff so häufig wie möglich auch nach außen zu wirken.

Nejdet Niflioglu

Den inflationär verwendete Begriff der „Integration“ wollte ich in diesem Artikel eigentlich gar nicht verwenden, aber ich glaube, ich muss: Da wir selbst erfolgreich an der Gesellschaft teilnehmen und teilhaben, mit anderen Worten „integriert sind“, möchten wir anderen helfen, es auch zu schaffen.

„Diversity“ sichtbar machen

So führen wir z.B. in Kooperation mit dem Förderverein der Mörikeschule in Backnang fiktive Bewerbungsgespräche mit Schülern durch, um sie auf die Anforderungen des Berufslebens vorzubereiten. Oder wir kochen als nette Geste im Degerlocher Frauenkreis für andere ehrenamtliche Helfer, die normalerweise selbst Menschen helfen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können.

Unsere Initiativen sind auch für den Daimler ein Imagegewinn: Wir machen als DTT den abstrakten Begriff „Diversity“ real sichtbar und werden deswegen vom Management wertgeschätzt und unterstützt.

Wir wachsen ständig

Das alles machen wir ehrenamtlich. Was die Standortvertreter des Daimler Türk-Treff in Berlin, Ulm, Mannheim, Sindelfingen, Möhringen und Untertürkheim täglich leisten ist unbezahlbar. Wir haben außerdem ein tolles Sportteam und ein Team, das sich um das Archiv kümmert. Diesem Team haben wir es zu verdanken, dass der Daimler Türk-Treff offiziell in das Unternehmensarchiv aufgenommen und dadurch zum Teil der Unternehmensgeschichte wurde.

Coskun Yasa und Prof. Dr. Ernstberger

Zudem haben wir ein Team für Presse, Film und Foto, eines für die Gästebetreuung, das Eventmanagement, einen Praktikantenstammtisch und eine Community für unsere ganz jungen Mitglieder – die Young Turks. Jeder von uns steckt viel Zeit, Engagement und manchmal auch viel Geld in unsere Projekte.

Das Leitungsteam des Daimler Türk-Treff

Für seine Verdienste hat unser ehemaliger und langjähriger Vorsitzender Nejdet Niflioglu im Jahr 2013 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen, im letzten Jahr folgte der Manfred-Rommel-Preis in Stuttgart.

Wir helfen also, Vorurteile abzubauen und machen den Begriff „Diversity“ erlebbar und das seit 25 Jahren. Ein Grund zu feiern! Unser Vorsitzender Coskun Yasa hatte die Ehre 140 unserer Mitglieder und viel weitere Ehrengästen wie

  • Prof. Dr. Ernstberger (Leiter S-, E- und C-Klasse),
  • Armin Gröger (Leiter der Besucherbetreuung des Mercedes-Benz Museums),
  • Wolfgang Nieke (Betriebsratvorsitzender des Werks Untertürkheim und Mitglied des Aufsichtsrats),
  • Meltem Aytac (Head of Parking Services (park2gether) bei Daimler Mobility Services GmbH)
  • Ahmet Akinti (Generalkonsul der Türkei in Stuttgart),
  • Gökay Sofuoğlu (Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland),
  • Kerim Arpad (Geschäftsführer des Deutsch Türkischen Forums Stuttgart e.V.) und
  • Gökhan Arslan (4-facher Weltmeister im Kickboxen)

am 24.02.2017 im Mercedes-Benz Museum für unser 25-jähriges Bestehen begrüßen zu dürfen. Es wurde gedankt und beglückwünscht, es wurde gut gegessen und es wurde natürlich heftig genetzwerkt – ein durch und durch wundervoller Abend. Und trotz gegenteiliger Wetten wurde zu später Stunde sogar tatsächlich noch getanzt.

Gökhan Arslan, Prof. Dr. Ernstberger, Coskun Yasa

Viele, viele Menschen habe ich über den Daimler Türk-Treff kennengelernt. Menschen, denen ich so im normalen Arbeitstag nicht begegnet wäre. Viele Freundschaften sind entstanden, oft wurde mir im beruflichen Kontext geholfen und vor kurzem hat meine Schwester über das Netzwerk eine Wohnung gefunden.

Nun bin ich schon seit 14 Jahren Teil der Daimler-Familie und der Türk-Treff hat mich die ganze Zeit über begleitet. Dafür ein herzliches „Tesekkürler, Daimler Türk-Treff!“ (Danke, DTT!) und „Nice yillara!“ (Auf viele weitere Jahre!).


Bilder: Copyright bei Ilhan Tongay Photografie


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Im „echten Leben“ ist sie verantwortlich für die globale Mitarbeiterbefragung bei Daimler und freut sich, dass 280.000 Menschen weltweit ihre Fragen beantworten. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft hat sie lange Jahre im Controlling- und Finanzbereich gearbeitet. Später studierte sie berufsbegleitend Psychologie und ist nun im Personal tätig. Seit März ist sie im Tandem mit Ilhan Tongay stellvertretende Vorsitzende des Daimler Türk-Treff.

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