Taxi: Retro-Gucci oder Honeckerhell?

Gestern beim Joggen passierte es: die Erinnerung kam wie ein krachend-dampfender Donut in meinen Kopf gekreiselt. Ich habe es total vergessen, ich glaube, tiefenverdrängt – da war was. Es muss Anfang der 90er gewesen sein, nach diesen ganzen Strich 8er Sessions, hat mein Mercedes-Vater sich entschieden, mir ein Auto zu schenken.

Soweit, so sehr gut. Aber es war ein Vernunftsauto. Das kannte ich ja noch gar nicht. Er sollte sicher sein, immer anspringen, niemals ausgehen, nix verbrauchen, groß sein, die kleine junge Familie immer gut behütet zum Ziel bringen, ewig fahren.

Der Knaller wie neu

Wir gingen die Reihen durch irgendeine norddeutsche Niederlassung. Ich erinnere mich genau, wie wir die sauberdurchgeparkten Reihen abschritten. Der eine Mercedes zu teuer, der zu viel gelaufen…und dann der Knaller: ein Mercedes in einer Taxifarbe, der aber angeblich niemals ein Taxi gewesen war.

Mein Vater restlos begeistert, denn dieser Daimler war wie neu. Wirklich, wie gerade vom Band geschlüpft, nichts dran, alles piccobello, 6000 Mark. Ein Schnäppchenwunder in 200 D. Natürlich ein Diesel, ein Freund fürs Leben. Aber welches Leben eigentlich?

Eine Farbe, wie keine

Das war wie im Tierheim, süßer strubbeliger Hund findet neues Zuhause. Die Zeit mit dem Auto war auch total entspannt, weil das Auto super lief, aber ich habe immer schon zwei Nebenstrassen vor dem Ziel geparkt, weil: diese Farbe ging gar nicht!!

Innen Nougat (war ok), außen taxibeige oder wahlweise auch RAL 1015, was gern auch mal als hellelfenbein bezeichnet wird. Wobei es bei den Taxen ja die Farbe der Erlösung ist, endlich kommt das Taxi angeflitzt und man ist wieder in Fahrt. Aber doch bitte nicht in einem Privatauto.

Bei meinem Mann sind zweimal Personen hinten eingestiegen, das war einfach saukomisch. Wie bei „Versteckte Kamera“ – die Gesichter der Fahrgäste und die Kommentare.

Wie?? Sie sind gar kein Taxi?

Mein Mann passte auch noch super in das Schema vom Taxifahrer… studierter Ausländer und so…. Aber die Farbe, da hilft auch keine schöne Beschreibung mehr, war für mich eine ständige Provokation. Es könnte sich dabei auch nicht um eine guccigelbe Retro-Fantasie handeln, nein, für mich war es ein Honeckerhell. Auch kein kühles Blondes oder elegantes Fast-Beige, nein eine Farbe, die keine ist.

Dann nutze ich eben die Taxispur

Aber es gab einen Vorteil, den man nur in diesem wunderbaren Daimler genießen konnte: das ewige Fahren auf den Taxispuren. Wir gehörten ganz einfach zu denen, denn die Farbe stimmte und der Sound auch. Eine schöne und sehr komfortable Zeit so gesehen, aber ich glaube nach 1-2 Jahren war es dann vorbei. Dann gab es ein neues Modell.

Danach bin ich auch nie wieder Diesel gefahren. Was schade ist, denn so beknackt ich die Farbe fand – in der Zeit war ich super in Form, denn das ewig leichte Schütteln des Diesels war so gewebefreundlich wie auf einer Power Plate, Cellulitis ade. Wer regt sich also da noch über eine Nicht-Farbe auf?


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Aufgewachsen in Deutschland, groß geworden in Afrika und Indonesien. PR Volontariat in Hamburg, danach Studium der Kunstgeschichte in Düsseldorf abgeschlossen. Es folgte die Spezialeinheit bei Abels & Grey im Bereich Medienstrategie. Selbstständig seit 2003 als Texterin, nein, Textschwester! Zahlreiche Veröffentlichungen, Vorträge sowie Moderationen zu Kunst, Lifestyle. Mitglied in verschiedenen Jurys. Gründung des Studiengangs Modejournalismus an der Akademie Mode und Design, NRW. Neu: Content-Chefin vom neuen Axel Springer Piloten NRW Select 2015.

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