360°- Einblick in die Designwelt von Daimler

Wie entsteht ein neues Modell? Wie arbeiten Designer? Und woher nehmen sie ihre Inspiration? Antworten auf diese Fragen gab es für rund 160 Journalisten aus aller Welt auf der Veranstaltung „Design Essentials“ im Daimler-Design-Bereich. Die Veranstaltung bot einen tiefen Einblick in die Arbeit der Daimler-Designer von der ersten Skizze bis zum fertigen Modell – und ich durfte stellvertretend für die Mitarbeiter dabei sein.

In Sindelfingen steht das weltweit größte Produktionswerk von Mercedes-Benz. Hier werden nicht nur die E- und die S-Klasse, Sportwagen wie der Mercedes-AMG GT und Luxusautos von Mercedes-Maybach produziert. In Sindelfingen schlägt auch das Herz des Design-Bereichs der Daimler AG. Genauer gesagt im sogenannten MTC. Im Mercedes-Benz Technology Center arbeitet ein internationales kreatives Team Tag für Tag an der Gestaltung und Weiterentwicklung sämtlicher Marken und Produkte des Unternehmens – von der A-Klasse bis zum Actros und vom smart bis zum Interieur-Design von Hubschraubern und Business-Fliegern. Und auch eine Motoryacht hat das Daimler-Design-Team schon gestaltet.

Und das mit einer einmaligen Philosophie. Design-Chef Gorden Wagener:

Mit unserem ganzheitlichen Design gestalten wir alle Berührungspunkte, an denen unsere Kunden mit dem Unternehmen in Kontakt kommen, und schaffen gleichzeitig ein Gesamterlebnis

Im Fokus ist hierbei stets die Hauptmarke Mercedes-Benz. Geleitet von den vermeintlich gegensätzlichen Begriffen Hot and Cool hat sich ihre Designphilosophie in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Hinter alldem steht die sinnliche Klarheit als Ausdruck modernen Luxus, also emotionales Design (Hot) gepaart mit intelligenter Technik (Cool).

Design gehört mittlerweile zu den wichtigsten Argumenten beim Autokauf. Das kommt nicht von ungefähr: Immer mehr Menschen verstehen ihr Auto als „dritten Lebensraum“ neben Arbeitsplatz und den eigenen vier Wänden. Doch wie gestalten Designer diesen Lebensraum?

Inspiration ist alles

Am Anfang jeder Tat steht eine Idee, das wusste schon Konfuzius. So auch am Anfang des Designprozesses. Allerdings: Ideen lassen sich nicht planen – das habe ich auch gemerkt, als ich begann, diesen Beitrag zu schreiben. Was man jedoch tun kann, ist Ideen anzuregen.

Dafür gibt es bei Mercedes-Benz die Advanced Design-Teams. An fünf Standorten weltweit sind Design Studios eingerichtet, die stilistische Trends vor Ort aufnehmen, analysieren und kreativ umsetzen. Damit sind sie sozusagen Seismographen für Strömungen zum Beispiel aus Kunst, Kultur und Architektur. Dabei geht es insbesondere darum, ein Gespür für bedeutsame, nachhaltige Tendenzen zu bekommen und wichtige Impulse zu geben.

Beim Design ist, wie in vielen anderen Bereichen auch, Teamarbeit gefragt. Regelmäßig finden Workshops statt, bei denen neue Ideen gesammelt, diskutiert und in automobiles Design umgesetzt werden. Aus der Vielzahl der entstandenen Skizzen werden dann die vielversprechendsten Entwürfe ausgewählt. Resultate sind Showcars, wie etwa der Vision Mercedes-Maybach 6, Forschungsfahrzeuge wie der F015 Luxury in Motion oder Skulpturen wie die neue „Aesthetics A“.

Die Advanced Design-Teams blicken weit voraus, gerne eine Dekade und weiter. Die Mitarbeiter im Exterieur-Design arbeiten deutlich näher am späteren Serienprodukt. Sie sind an eine Reihe von gesetzlichen und unternehmensinternen Vorgaben gebunden. Schließlich müssen Dimensionen, Proportionen und Linienführung am Schluss ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Von der Zeichnung zur Fertigung

Von der ersten Zeichnung bis zur Modellabnahme durchläuft ein neues Fahrzeug eine Vielzahl von Arbeitsschritten, in denen sich die Designer an das endgültige Fahrzeug herantasten. Am Anfang eines jeden Designprozesses steht also immer die Zeichnung – sei es per Hand oder am Computer.

Im nächsten Schritt erstellen die Designer ein virtuelles Modell. Dazu nehmen sie die sogenannte „Powerwall“ zu Hilfe, eine riesige multimediale Projektionswand. Hier lässt sich der Entwurf in Lebensgröße betrachten und das spätere Auto aus verschiedenen Perspektiven analysieren.

Computer und moderne Technik sind ein alltägliches Arbeitsmittel. Aber ganz ohne analoge Tonmodelle geht auch beim Design nichts. Manch eine Proportion, manch ein Detail erkennt man erst, wenn man es plastisch mit seinen eigenen Augen sehen kann. Dazu wird zunächst ein Tonmodell im Maßstab 1:4 erstellt. So können die Designer entscheiden, ob ihre Entwürfe auch dreidimensional die gewünschte Wirkung entfalten. Hier wird modelliert, geschabt, wieder aufgefüllt, wieder geschabt – das ist echtes Handwerk. Auch ich durfte Hand anlegen und ein bisschen an der Motorhaube modellieren. Ein kleiner Schritt im Designprozess – ein ganz besonderer Moment für mich.

Gefällt der Entwurf, erstellen die Designer – ebenfalls in Handarbeit – ein 1:1-Tonmodell. Dieses überziehen sie schließlich mit einer farbigen Folie, so dass ein täuschend echter Eindruck entsteht. Hier kommen alle charakteristischen Merkmale des neuen Modells zum Vorschein – der erste Prototyp in voller Größe ist geschaffen.

Für ein ästhetisches und hochwertiges Raumgefühl

Einen ähnlichen Prozess durchläuft das Interieur. Skizzen und Zeichnungen bilden die Basis für die spätere Inneneinrichtung. Auch hier werden anschließend Tonmodelle erstellt – allerdings von einzelnen Elementen, beispielsweise vom Cockpit oder von den Sitzen. In der Regel bauen die Designer mehrere alternative Interieurs, um besser entscheiden zu können, welches Konzept weiterverfolgt werden soll. Entscheidend ist dabei, dass die einzelnen Elemente ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Alle Details werden solange ausmodelliert, bis ein ästhetisch hochwertiges Raumgefühl entstanden ist.

Am Schluss fügen die Designer alle einzelnen Elemente zu einem 1:1-Interieurmodell zusammen. Nur so ist eine ganzheitliche Bewertung des Interieurs bezüglich der Geometrie und der Oberfläche möglich. Außerdem wählen sie aus vielen verschiedenen Stoff- und Ledermustern, Materialien sowie Farben den „Look“ des künftigen Modells aus und legen seine Ausstattungsvarianten fest.

Die Herausforderung im Interieur-Design ist die Synthese von Schönheit und Funktionalität. Schaut man sich das Innenleben einer Sitzanlage, die Lüftungsdüsen im S-Klasse Coupé, oder die Lautsprecher-Abdeckungen des Burmester-Soundsystems an, erkennt man, wie sich Technik und Design ergänzen und mit welcher Präzision die Ingenieure und Designer von Mercedes-Benz zusammenarbeiten. Dies ist ein ganz praktisches Beispiel für Hot and Cool.

Das Cockpit der Zukunft

Als finaler Schritt des Innenraumdesigns werden sämtliche Bedien- und Anzeigenelemente gestaltet und aufeinander abgestimmt. Daran arbeitet das User-Experience-Design-Team. Hier wird bereits heute am Cockpit der Mercedes-Benz Modelle der kommenden Jahre gefeilt. Die zentralen Fragen sind dabei: Wie müssen die digitalen Oberflächen im Interieur gestaltet sein, um dem Fahrer und den Mitfahrern ein noch besseres Fahrerlebnis bieten zu können? Und wie wird die Bedienung möglichst intuitiv?

Einen kleinen Blick in die Zukunft konnten wir im Cockpit des aktuellen Showcars „Concept EQ“ erhaschen. Mit einer Virtual Reality-Brille auf den Augen lässt sich seine Elektro-Ästhetik hautnah erleben. Am liebsten wäre ich sofort damit losgefahren.

In der finalen Phase des Designprozesses werden Exterieur und Interieur schließlich mit all ihren Einzelheiten in einem Modell vereinigt. Ein täuschend echtes Abbild des zukünftigen Modells entsteht – und genau das wird schließlich dem Vorstand zur finalen Freigabe präsentiert.

Design über das Auto hinaus

Mercedes-Benz S500 Cabriolet [Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,1-8,5 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 212-199 g/km]*

Die Mercedes-Benz Designer gestalten jedoch nicht nur Autos. Seit 2010 entwickeln sie in Kooperation mit ausgewählten Partnern unter dem Label „Mercedes-Benz Style“ zusätzlich zum klassischen Automobildesign auch Produkte aus den Bereichen Mobilität, Lifestyle und Innenraumgestaltung. Ziel ist es, die sinnliche, klare Formensprache sowie den hohen Anspruch an Luxus und Ästhetik der Marke mit dem Stern in andere Lebensbereiche zu übertragen. Hier einige Beispiele:

Gefällt oder gefällt nicht?

Bei Daimler begegne ich jeden Tag inspirierenden Menschen – so auch im Mercedes-Benz Technology Center in Sindelfingen. Und natürlich Autos. Innerhalb weniger Sekunden stellt sich mir dabei die immer gleiche Frage: Gefällt, oder gefällt nicht? Lohnt sich ein zweiter Blick, oder schweife ich schnell wieder ab? Mein Urteil fällt zwischen zwei Wimpernschlägen, für eine Form, die vor einem halben Jahrzehnt auf den Weg gebracht wurde. Eine unglaublich komplexe Aufgabe für Designer. Was tatsächlich dahinter steckt, ist mir nach meinem Tag in Sindelfingen umso klarer. Und eins steht fest: Sie machen einen mega guten Job!


* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Werkstudent in der Unternehmenskommunikation von Daimler und fand den Tag mit den Daimler-Designern ziemlich „hot and cool“.

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