In Stuttgart schlägt das Startup-Herz der Automobil-Industrie

Ach was sind das nur für aufregende Zeiten und dabei haben wir doch gerade erst einmal angefangen, oder? Mit dem EXPO-Day von STARTUP AUTOBAHN, wurde diesen Monat die neue ARENA2036 und damit nicht mehr und nicht weniger der weltweit größte Hub für Startups in der Automobilbranche eingeweiht. Für mich persönlich übrigens auch ein Grund, um mich endlich mal von dem ganzen Silicon Valley-Gehabe zu emanzipieren.

Sorry Freunde, aber ich kann es wirklich nicht mehr hören und finde, dass Wortkonstrukte wie „Silicon Ländle“ oder „Stuttgart Valley“ einfach sowas von 90er Jahre sind. In meinen acht Jahren in Taiwan habe ich nicht einmal einen derartigen Vergleich gehört und das obwohl wir dort mit Foxconn den weltweit größten Auftragsfertiger, mit TSMC den größten Chipproduzenten und mit Quanta die Nummer 1 der Notebookmacher beheimaten.

Ich kann mich auch nicht dran erinnern, dass ich jemals ein Startup in Shenzhen, China getroffen habe, welches derartige Referenzen während eines Pitches ins Feld führt. Bei uns scheint dies ein wenig anders zu sein und vielleicht ist dies auch der Grund, warum so großartige Initiativen und Projekte wie STARTUP AUTOBAHN und ARENA2036 in den Medien ein wenig untergehen.

Dabei hätten wir wirklich allen Grund dieses Projekt zu unterstützen und hin und wieder auch mal ordentlich zu feiern. STARTUP AUTOBAHN hat mit ARENA2036, BASF, Hewlett Packard Enterprise, Porsche, murata, Plug and Play und der Universität Stuttgart weltbekannte Unternehmen und Institute in seiner Mitgliederliste. Bauen wir dann noch die Brücke zur ARENA2036, dann können wir mit z.B. KUKA, Bosch, Siemens oder gar dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, weitere Hochkaräter für diesen Forschungscampus nennen, der u.a. von der EU und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Land Baden-Württemberg gefördert wird.

Bessermacher statt Besserwisser

Ich stelle mir gerade vor, wie ich reagiert hätte, wenn ich vor fünf Jahren eine derartige Liste bekommen hätte und mir jemand seine Vision von einem noch nie zuvor gesehenen Automotive-Hub erklärt hätte. Mal davon abgesehen, dass ich da ganz pragmatisch zwischen „mach es einfach“ und „du hast sie nicht mehr alle“ Ping-Pong gespielt hätte… letztendlich begeistern mich derartige Projekte.

Diese „seien wir mal ganz realistisch und verlangen das Unmögliche“-Attitüde, das hat dann in der Tat etwas vom Silicon Valley, auch wenn ich nicht jeden Tag aufs Brot geschmiert bekommen möchte, dass es darum geht die Welt zu verändern. Dennoch ist es mir dreimal lieber als diese ewige Nörgelei. Hätten wir auch nur ansatzweise so viele „Bessermacher“ wie „Besserwisser“, dann wären wir schon einen gehörigen Schritt weiter.

One Step Beyond

One Step Beyond“ ist für mich als leidenschaftlicher Ska-Anhänger nicht nur ein großartiger Song von Prince Buster (der dann vor allem durch die britische Band Madness weltberühmt wurde), sondern auch das, was ich auf dem EXPO Day der STARTUP AUTOBAHN erfahren habe. Wenn du in deiner Karriere eine dreistellige Anzahl an Startup-Events besucht hast und damit ebenso hunderte Gründer und deren Ideen kennenlernen durftest, dann wirst du mit der Zeit recht abgeklärt. Leider! Aber was hier in der ARENA2036 aufgefahren wurde, das war bezüglich der Qualität auf einem völlig neuen, mir bis dato unbekannten Level.

Mehr als potentielle Geschäftsideen

Hier wurden nicht nur potenziell erfolgreiche Geschäftsideen präsentiert, nein, das waren inzwischen zumeist erfolgreiche Unternehmer, die zum Teil schon Aufträge erhielten oder Projekte innerhalb der Branche übernehmen konnten. STARTUP AUTOBAHN hat es ermöglicht, dass hier ein gutes Dutzend junger Unternehmen sich in einem Umfeld präsentieren konnte, netzwerken durfte und Zugang zu einer unvergleichbaren Infrastruktur bekam. Und ja, darauf kann man auch ein wenig stolz sein, denn dahinter steckt wahnsinnig viel Arbeit und noch mehr Leidenschaft.

Startups fördern, nicht kaufen

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir diesem Projekt den Rücken stärken. Die Zukunft der Automobilbranche wird nun nicht mehr ausschließlich bei den Branchenriesen definiert. Diese Zeiten der linearen Entwicklung sind sowas von vorbei und umso mehr haben mich die Statements unserer Forschungschefin Anke Kleinschmit gefreut, die gegenüber den Kollegen der dpa erklärte, dass wir mit STARTUP AUTOBAHN den Nährboden bieten wollen und es nicht das primäre Ziel sei Startups zu kaufen.

Der Austausch zwischen einem „Tanker“ wie Daimler und einem flexiblen und schnell reagierenden jungen Unternehmen, das ist der Mix aus dem erfolgreiche Kooperationen entstehen können. Nur wir müssen sie auch einfach mal machen lassen. Ihnen die nötige Zeit geben sich zu entwickeln und nicht gleich ungeduldig abwinken.

Kultur des Scheiterns: Mund abwischen und weitermachen

Zur Startup-Welt gehört auch eine Kultur des Scheiterns und diese müssen wir hier in Deutschland offensichtlich erst noch lernen. Das können wir über so ein urdeutsches Motto wie „Mund abwischen, weitermachen!“ tun, oder aber mit den Worten des unvergessenen Nelson Mandela, der mal sagte, dass er niemals verlieren kann. Entweder gewinnt er, oder er lernt.

Mit STARTUP AUTOBAHN haben wir einen 6er im Lotto gezogen. Nicht in Taiwan, nicht im Silicon Valley, sondern in Stuttgart, wo das Herz des Automobils stärker denn je schlägt.


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