STARTUP AUTOBAHN: Neues aus dem Silicon Ländle

Was passiert, wenn 13 junge und fähige Startups und rund 900 begeisterte, startup-affine Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft zusammenkommen? Ein internationales Publikum, voller zahlreicher Investoren und potenzieller Partner? Und das auf der rund 6.000 qm großen Produktionsfläche der brandneuen ARENA2036. Willkommen zum EXPO Day der STARTUP AUTOBAHN.

Zu Beginn hatten wir im Projektteam in den Vorbereitungs-Meetings noch gehofft, dass sich überhaupt jemand für die Veranstaltung interessierte. Anfang des Jahres 2017 waren wir jedoch schon Wochen vor dem Event restlos ausgebucht und mussten sogar viele Interessierte auf andere Veranstaltungen vertrösten. Was war passiert?

Das Interesse am Thema war stark gewachsen. Unternehmbilden, Wissenschaft, Investoren, Politik und Startups. Alle wollten am 9.Februar dabei sein und sehen, ob ein groß angelegtes Startup-Programm für Mobility und Industrie 4.0 – mitten in der „konservativen“ Schwabenmetropole und nicht im Silicon Valley, in Tel Aviv oder Berlin – funktionieren kann. Achtung Spoiler: Ja, es kann.

Was ist STARTUP AUTOBAHN?

STARTUP AUTOBAHN ist eine im Mai 2016 gestartete Innovations- und Kooperations-Plattform für Future Mobility rund um die Kernthemen Mobilität und Industrie 4.0. Etablierte Unternehmen bieten den Entrepreneuren – in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart sowie dem Accelerator Plug & Play –in den Räumlichkeiten der Forschungsfabrik ARENA2036 auf dem Campus der Universität Stuttgart das ideale Arbeitsumfeld.

Sie können für drei Monate neben der Coworking Fläche auch das brandneue Hardware Lab der ARENA2036 für die Umsetzung ihrer Ideen nutzen und im Idealfall Pilotprojekte mit einem oder mehreren Industriepartnern der Initiative starten.

Geboten wird ihnen eine inspirierende Umgebung mit viel Raum für Kreativität, ein professionelles Mentoring und Zugriff auf ein globales Netzwerk innerhalb unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Dabei sollen sie den Mut und die Freiheit haben, die Mobilität und Produktion der Zukunft neu zu denken.

Selection Day – Programm – Expo Day

Ein Programmdurchlauf bei der STARTUP AUTOBAHN hat drei Phasen. Zuerst kommt der sogenannte „Selection Day“, an dem eine Jury die Startups für das Programm auswählt. Anschließend folgt dann ein 100-tägiges Programm mit Coachings und gemeinsamen Projekten. Der Abschluss sowie krönender Höhepunkt ist dann der „EXPO Day“: Der Tag, an dem die Startups einem breiten Publikum zeigen können, was sie durch ihren 100-Tages-Sprint erreicht haben. Weiter Informationen und eine kurze Einführung zum Thema gibt es hier noch zu lesen.

Rückblick: Was nach dem Selection Day passierte

Im September 2016 begann dann für die 13 ausgewählten Startups – namens Otonomo, Noveto, blickshift, Gauzy, n-join, TruckPad, Free2Move (vormals CarJump), Evopark, Vayyar, Hopon, Argus, 4tiitoo und Canatu  – das 1. Programm der STARTUP AUTOBAHN.

Konzentriert hat sich dabei während dieser Zeit alles auf die Fokuswoche, die einmal pro Monat in Stuttgart stattfand. Mit dicht bepacktem Stundenzettel machten sich die Startups an Meetings, Mentorings, Coachings, „Pitch-Polishings“, Werksführungen und öffentlichen Meetups.

Für die meisten stand dabei die intensive Zusammenarbeit mit Daimler-Experten an gemeinsamen Pilotprojekten im Vordergrund. Besonderer Schmankerl: Jedes Startup bekam die Chance, sich selbst eine halbe Stunde bei einem der Daimler Vorstände zu präsentieren.

Unser oberstes Ziel: Umsetzung der Ideen

Wir im STARTUP AUTOBAHN Projektteam fungieren dabei als Brückenbauer zwischen den Startups und der Daimler AG. Erstaunlich war, was die Startups zusammen mit unseren Fachbereichen am EXPO Day an Prototypen gezeigt haben. Es wurde unmittelbar klar: wir werden nach dem EXPO Day mit mehreren Startups tiefer in die Umsetzung einsteigen.

  • Noveto aus Israel hat zusammen mit der Konzernforschung die Technik für Privacy Audio in einer Mercedes-Benz Fahrzeugumgebung prototypisch umgesetzt
  • Blickshift, das Stuttgarter Startup, hat gezeigt wie durch den Einsatz einer Erkennungssoftware für Augenbewegungen, die Warnsysteme eines Fahrzeugs verbessert werden können
  • Canatu aus Finnland hat gezeigt, wie Ihre Multi-Touch-Folie den Funktionsumfang eines Fahrzeug Interieurs verbessern kann
  • Gauzy aus Israel hat ihre Smart Glass Technologie aus dem Hausbau mit der Verschreibung eines Demonstrationsfahrzeugs getestet, so dass man nun Videos auf dem Glas sehen kann

Auch interessant: Auch neben den Startup AUTOBAHN-Projekten waren „unsere“ Startups sehr aktiv. Gauzy und Noveto haben neues Kapital eingeworben, Evopark war bei Höhle der Löwen und hat das Angebot ausgeschlagen und carjump hat einen neuen Großinvestor und ändert sogleich seinen Namen zu Free2move.

Das Eco-System wächst: Die Autobahn wird „voller“

Um das Ökosystem für Startups in Stuttgart zu stärken, war es von Anfang an unsere Motivation, weitere Industriepartner für die Plattform zu gewinnen. Unsere einfache Logik: Durch eine höhere Anzahl an potenten Partnern wird das Angebot für Startups spannender, dadurch bewerben sich mehr und bessere Startups, was wiederum für die Industriepartner spannender ist.

BASF, Hewlett Packard, Murata, Porsche und ZF Friedrichshafen

Dieser Logik konnten übrigens bereits auch einige andere Unternehmen folgen. BASF, Hewlett Packard, Murata, Porsche und ZF Friedrichshafen sind nun als neue Partner bei STARTUP AUTOBAHN aktiv. Dazu interessant auch ein Meeting bei Porsche im Vorfeld mit dem CEO Oliver Blume. Ob es wohl mit Daimler und Porsche gemeinsam in einer Plattform funktionieren kann? Zehn Minuten nach dem Termin kam ein Anruf: Ja, es kann.

Nach dem EXPO Day ist vor dem Selection Day

Aber nicht nur Stuttgart bietet mittlerweile etwas für Mobility Startups. STARTUP AUTOBAHN hat bereits im September 2016 einen weiteren Standort in Singapur mit Fokus IT/Sales gegründet. Die Aussichten scheinen auch in Südost-Asien gut zu sein. Bereits am Tag des „Launches“ kam auf einer Messe der Deputy Prime Minister des Stadtstaates Singapur am STARTUP AUTOBAHN Stand vorbei, um sich mit den Kollegen zu unterhalten. Zwei Stunden später war ein Foto von diesem Treffen auf seiner Facebook-Page. Virales Marketing? CHECK!

Accelerating Lane und Pilot Lane

Das Programm 1 ist zu Ende, es lebe Programm 2. Doch was waren unsere wichtigsten Learning aus der 1. Runde? Wir brauchen „2 Fahrspuren“ für die Startups auf der STARTUP AUTOBAHN. Eine Spur mit einem klassischen Accelerator-Angebot für die „Frühphasen-Startups“, die primär Funding, Kontakte und Coaching benötigen und eine zweite Fahrspur für reiferen, die eher den Kontakt zu etablierten Unternehmen suchen, um gemeinsame Proof-of-Conepts oder Pilotprojekte zu stemmen.

Speeddating

Mittlerweile gehen wir auch noch zielgerichteter auf die Suchfelder der teilnehmenden Partner ein. Wir bieten vor dem Selection Day noch zusätzlich mehrere „Deep-Dive Sessions“ an. Hier geben wir ein Suchfeld vor, beispielsweise Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Virtual Reality und laden entsprechende Startups nach Stuttgart ein. Parallel werden diejenigen Fachbereiche aus unserem Konzern eingeladen, die sich für Startups in dem Thema interessieren.

Anschließend geht’s dann zum Speeddating! Und wenn ein Fachbereich ein Startup spannend findet, kommt es sofort in die engere Auswahl für den Selection Day. Parallel stellen wir in Pre-Selection Meetings jeden Monat die Startups vor, die sich über die Plattform beworben haben und diskutieren mit den Innovationsverantwortlichen der Business Units, wer zum Selection Day eingeladen wird. So haben wir von den Startups am Selection Day bereits ein erstes Bild sowie potentielle Interessenten für Pilotprojekte aus den verschiedenen Business-Units von Daimler.

Doch der größten Nutzen des zweiten Programms: Mittlerweile ist der ARENA2036-Neubau fertiggestellt. Und die Startups können ab sofort die Räumlichkeiten auf dem Campus der Universität Stuttgart nutzen. Sie können während der Programmlaufzeit neben der Coworking Fläche auch das brandneue Hardware Lab der ARENA2036 für die Umsetzung ihrer Ideen nutzen.

Das wird sicher auch gerne genutzt werden. Aus allen Bewerbern erhielten schlussendlich 36 Startups die Gelegenheit, am Selection Day für das 2. Programm der STARTUP AUTOBAHN zu pitchen. Die Jury – bestehend aus Daimler, HPE, Porsche, ZF, BASF und Plug&Play – wählte dann am 10.Februar 28 Startups für das 2. Programm aus. Dabei war die Aufgabe der Jury entscheidend, da auch die beste Vorbereitung den persönlichen Eindruck von den Gründern nicht ersetzen kann. Denn für einen Platz im Programm ist vor allem eins wichtig: Das Commitment und die Kompetenz des Teams.

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