Familiensache: Mein MB-trac & ich

Ein guter Freund von mir arbeitet als Verwalter auf einem großen Ackerbaubetrieb. Vor ein paar Jahren war ich auf dem Hof zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und weil dieser Freund dort auch wohnt, führte er mich herum und zeigte mir die Maschinen. Dort standen einige Schlepper und gleich mehrere MB-trac.

Und einer gefiel mir besonders gut. Ein „1600 Turbo“ (steht für 156 starke Diesel-PS), eines der letzten Modelle, die in Gaggenau vom Band liefen.

Ich bin als Kind in Nordrhein-Westfalen auf einem Bauernhof aufgewachsen und durfte schon als Kind auf diesen besonderen Traktoren mit Stern (und einem Unimog) zunächst mit- und später selbst fahren. Wenn jetzt dieser MB-trac zu verkaufen wäre…. dann würde sich mein Jugendtraum erfüllen.

Schwere Jungs im TruckStore

Es ist daher kein Zufall, dass ich heute leidenschaftlich gern auch beruflich mit schweren Fahrzeugen zu tun habe: Actros, Arocs, Axor. Alles „schwere Jungs“. Ich bin beim Mercedes-Benz TruckStore in Erfurt für den Einkauf und Verkauf von gebrauchten Nutzfahrzeugen verantwortlich. Im TruckStore vermarkten wir die Gebrauchtfahrzeuge von Daimler und andere, die in Zahlung genommen werden, sowie aus Charter Way Serviceverträgen oder Leasingverträgen zurückkommen. Meine Hauptaufgabe ist der Einkauf und der aktive Zukauf von Fahrzeugen, um sie dann weiter zu vertreiben.

Simply the best

Privat lag ich also seit vielen Jahren auf der Lauer, um einen MB-trac zu kaufen, schaute ins Internet, suchte nach einem gut erhaltenen „giftgrünen Giganten aus Gaggenau“. Warum ich diese Traktoren so mag? Weil mich die Technik begeistert. Der Komfort der Kabine, das technische Konzept mit dem Hauptgewicht auf der Vorderachse. Das hat der MB-trac auch bald 30 Jahre nach seiner Einstellung heute noch vielen modernen Traktoren voraus.

Wenn man hinten ein schweres Anbaugerät dranhängt, bleibt die Lenkfähigkeit (vorne) auf jeden Fall immer erhalten. Die Front reckt sich beim Anfahren nicht spontan gegen Himmel, sondern bleibt auch bei hohem Gewicht schön auf dem Acker oder der Straße.

Der zieht durch

Der MB-trac war zum Beispiel auch bei der Forstarbeit im Wald und beim Schleppen von Baumstämmen unschlagbar: Vier gleichgroße Räder, extrem hohe Zugkraft, Differenzialsperre in beiden Achsen… Dann die Schnellfahreigenschaften auf der Straße, bis zu 40 km/h Höchstgeschwindigkeit – was damals auch noch nicht selbstverständlich war. Und die Zuverlässigkeit und Sparsamkeit auch im Vergleich zu anderen Schleppern…genug geschwärmt! Was wurde denn nun aus „meinem“ MB-trac?

Ein Jugendtraum mit viel Arbeit

Mein Freund, der Hofverwalter, rief mich tatsächlich eines Tages an: Ob ich den 1600er noch haben wollte? „Natürlich!“ Ich reiste 300 km mit einem Tieflader an, der Trac wurde verladen und nach Erfurt gebracht. Ich wollte meinen Jugendtraum aber dann ziemlich schnell wieder in den Zustand zurückversetzen, wie ich die Fahrzeuge damals erlebt habe: Im Neuzustand.

Also ab in die Werkstatt, wo der MB-trac komplett auseinandergenommen wurde: Der Rahmen wurde gesandstrahlt, die Blechteile kamen herunter, an der Kabine waren Schweißarbeiten notwendig. Dann wurde zum Schluss das Blech ordentlich verzinnt sowie mit Rostschutzfarbe behandelt. Ein Höhepunkt der Restauration: Das helle Grün kam zurück aufs Blech. Die Arbeitsstunden vergingen. Am Ende waren es geschätzt circa 2000 Stunden, die ich ins Fahrzeug investierte.

Beim Motor wurden die Pleuellager, die Kugelwellenlager, Die Zylinderlaufbahn und der Zylinderkopf überholt. Das Getriebe wurde zerlegt und gecheckt, vorsorglich habe ich nur einige Synchronringe und Lager getauscht. Auch die Reifen mussten erneuert werden. Ich habe gleich eine Reifennummer größer montiert, denn damit sieht der Traktor noch bulliger aus. Als „Tüpfelchen auf dem Trac“ noch die original Hydraulikschlauch-Verschlusskappen mit Stern-Emblem: Entweder „richtig“ oder „gar nicht!“

Ich und Dan von Appen, der mich als Blog-Redakteur mit der G-Klasse besucht hat.

Geburtsurkunde

Mein Schlepper wurde im Werk Gaggenau zum 19.12.91 fertiggestellt. Daher weiß ich: Es muss einer der letzten MB-tracs der Baureihe sein. Ich habe die gesamte Historie von diesem Schlepper dokumentiert, vom Angebot über die Bestellung und die Neufahrzeugrechnung, von der Rechnung über die erste Durchsicht bis hin zur letzten Reparaturrechnung, Wartungsrechnung und so weiter…mein Leben ist schlechter dokumentiert!

Generation MB-trac und die Familienkutsche

Und wer jetzt beim Lesen denkt, „das ist ja wie so oft, ein Mann, sein Hobby und für die Familie hat er keine Zeit mehr“, der irrt: Denn ich habe schon vier Bewerber für den Fahrersitz: Tochter Anna-Maria ist 3 Jahre alt, Sohn Johannes ist 5 Jahre alt, seine Schwester Elisabeth 9 Jahre und unsere Älteste, Carolin, 19 Jahre alt. Carolin lenkt das Sechs-Tonnen-Gefährt so selbstverständlich, als wäre es ein Kleinwagen. Wir fahren damit im Sommer alle zusammen oft mal zum Eis oder Pizza essen. Und dann glaube ich immer beim MB-trac ein leichtes Grinsen um den Kühlergrill zu erkennen, weil das Cruisen zur Eisdiele als Familienkutsche für einen Typ wie ihn keine Arbeit ist…

Meine Kinder Carolin, Elisabeth, Johannes und Anna-Maria, unscharf aber dennoch süß.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er arbeitet im TruckStore in Erfurt und liebt Trucks über alles. Seine Leidenschaft ist das Reparieren und Restaurieren von Trucks.

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