POWEReinwanderer: Mit Vorbildern gegen Vorurteile

„Was haben Alu Gobhi, Cuy picante, Fasolada und Sarma gemeinsam?“ Die Frage sorgt für neugierig-interessierte Blicke aus acht Augenpaaren. Sie gehören Schülern und Studierenden mit Migrationshintergrund, die einen Tag lang in der Produktion und Entwicklung bei Mercedes-Benz in Sindelfingen zu Gast sind.

Die Fragesteller sind wir, allesamt RD/RKR-Kollegen und „POWEReinwanderer“. Wir sind Arun Krishnamurthy, Konstantin Boutaris, David Moncayo und meine Wenigkeit: Miroslav Marinković. Das sorgt im besten Fall jetzt bei den Leserinnen und Lesern dieses Blogs für neugierig-interessierte Blicke – vielleicht gleich in doppelter Hinsicht.

Erstens: Wofür steht das Kürzel „RD/RKR“? Dahinter verbirgt sich ein Bereich in der Forschung und Entwicklung von Mercedes-Benz, der sich um die Rohbaustrukturen künftiger Baureihen mit Stern kümmert. Und zweitens: Was hat es mit den „POWEReinwanderern“ auf sich? Es handelt sich um Migranten, die in Deutschland beruflich erfolgreich sind und so als Vorbild gelungener Integration dienen können.

POWEReinwander steht für…

„POWER“ steht dafür, dass Migranten ihre Stärken, Fähigkeiten und Talente einbringen und damit einen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand in ihrer neuen Heimat leisten. Die Idee zu den „POWEReinwanderern“ stammt vom serbischen Akademikernetzwerk Nikola Tesla e.V. aus Stuttgart, dem Forum der Kulturen Stuttgart und dem Landesmedienzentrum.

Migrationshintergrund ist kein Karriere-Hindernis

Ziel ist es, den positiven, gesellschaftlichen Beitrag von Einwanderern herauszustellen und gleichzeitig Vorurteile abzubauen. Unsere zentrale Botschaft an die jungen Leute lautet: Migrationshintergrund muss kein Karriere-Hindernis sein. Und wo lässt sich diese Botschaft überzeugender vermitteln als am Arbeitsplatz von Migranten? Im konkreten Fall also bei uns: den vier RD/RKR-Kollegen.

Wir haben den Besuchern an unserem jeweiligen Arbeitsplatz unsere ganz eigenen Geschichten erzählt. Und wir hatten den Eindruck, dass wir damit ein Stück weit die Motivation und den Ehrgeiz der jungen Leute wecken konnten. Deshalb freuen wir uns, auch hier auf dem Blog unsere Erfahrungen zu teilen und so vielleicht noch mehr Jugendliche zu erreichen.

In zwei Richtungen in die Heimat

Als ich vor fast neun Jahren nach Deutschland kam, war ich mir nicht sicher, ob ich bleibe. Die Welt schien mir damals so offen zu sein. Das lag vielleicht an meiner erste Station: Hamburg – voller offener Tore zur Welt. Nach dem Studium kam ich dann nach Baden-Württemberg. Hier hat mich alles an meiner Heimat in Süden Serbiens erinnert: Berge, wo man hinschaut. Weniger Fisch, mehr Fleisch. Aber auch viele Landsleute, auch bei Mercedes in der Entwicklung. Wir haben sogar unseren Stammtisch.

Nach fünf Jahren in Stuttgart und Sindelfingen möchte ich hier nicht mehr weg. Hier sind meine Freunde, hier habe ich Freude an meiner Tätigkeit als Rohbauentwickler. Aber ich bin immer noch regelmäßig in Norddeutschland, um ein berufsbegleitetes Studium zu absolvieren – genau wie mein Erststudium auf Hochdeutsch und nicht auf Schwäbisch. Deutschland ist über die Jahre meine zweite Heimat geworden. Egal in welche Richtung ich reise, ob von Deutschland nach Serbien oder von Serbien nach Deutschland. Ich komme immer nach Hause.

Sprache öffnet Türen

Mein Kollege Arun ist seit zwei Jahren in Deutschland. Nach dem Studium in Indien hat er dort bei Mercedes-Benz in der Türen-Vorentwicklung gearbeitet. Dann bekam er die Möglichkeit, für drei Jahre in die Pkw-Vorentwicklung nach Sindelfingen zu gehen. Eine Chance, die er sich nicht entgehen ließ. Die größte Herausforderung am Anfang war – wie für so viele Migranten – die deutsche Sprache.

Die Kollegen, mit denen Arun früher nur online kommuniziert hatte, standen ihm plötzlich gegenüber. Es mussten gemeinsam Lösungen gefunden werden in kurzer Zeit, aber für komplexe Anforderungen. Ohne gemeinsame Sprache, kaum machbar. Deshalb hat Arun gleich angefangen Deutsch zu lernen. Heute sagt er, dass ihm die Sprache viele neue Türen geöffnet hat, nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Autobegeisterung von klein auf

Anders als Arun oder ich ist Konstantin in Stuttgart aufgewachsen. Als Fünfjähriger zog er mit seinen Eltern aus Griechenland nach Zuffenhausen – bekanntlich der Sitz eines schwäbischen Sportwagenbauers. Der hat auch Konstantins Auto-Begeisterung geweckt. Nach dem Abitur hat er dort eine Ausbildung zum Karosseriebauer gemacht. Es folgten ein Maschinenbau-Studium und ein berufsbegleitender Master.

Nach dem Berufseinstieg bei einem Engineering Dienstleister kam er zur damaligen Daimler-Benz AG. Über die Gesamtfahrzeug Entwicklung ging es in die Forschung und Vorentwicklung, wo er jetzt seit zehn Jahren arbeitet. Ein Ingenieurstudium kann er – wie ich übrigens auch – nur wärmstens empfehlen. Auch wenn es wegen der naturwissenschaftlichen Fächer mühsam erscheint (und teilweise auch ist).

Aber die späteren Einsatzbereiche sind ungeheuer breit gefächert und wegen ständig neuer Markt und Produktanforderungen bleibt es immer spannend. Was Konstantin unseren Besuchern noch mit auf den Weg gibt: Sie sollen sich frühzeitig Gedanken machen, wo ihr Lebensmittelpunkt sein soll und dort Wurzeln schlagen. Und sie sollen das Positive aus beiden, ihnen bekannten Kulturkreisen in ihr Leben hineinlassen.

Keine Angst vor Barrieren

David ist in Ecuador auf eine deutsche Schule gegangen. Trotzdem fiel es ihm als Student in Deutschland anfangs manchmal schwer, den Professoren zu folgen. Sein Traumstudium der Luft- und Raumfahrttechnik hat er trotzdem durchgezogen. Daran erinnern ihn heute noch die Star Track-Figuren an seinem Arbeitsplatz. Jetzt sind für David alle sprachlichen Barrieren weg, dafür sind – wie er sagt – neue gekommen.

In Form von Wabenstrukturen und Crash-Simulationen. Dafür ist er jetzt seit acht Jahren in unserer Abteilung zuständig. David sagt, dass Barrieren uns zwar an die Leistungsgrenze bringen können, aber auch neue Horizonte eröffnen. Seine Botschaft an die Schülergruppe: Keine Angst vor Barrieren, sondern Kraft finden, sie zu überwinden. So findet man Freude und Erfüllung. David hat seine gefunden: hier in Deutschland, in Stuttgart, bei Mercedes-Benz.

Wir lösen das Rätsel

Nach unseren persönlichen Geschichten hatten unsere Gäste noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Wie bekomme ich einen Studienplatz? Wie erweitere ich meine Deutschkenntnisse? Und das Wichtigste: Wie kann ich mich bei Mercedes-Benz bewerben? Wir haben gern geantwortet und unsere Gäste wären gern noch länger geblieben oder hätten am liebsten direkt in Sindelfingen und bei RD/RKR angeheuert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Es bleibt die Auflösung des Rätsels, was es mit den exotischen Begriffen aus dem ersten Satz auf sich hat: Alu Gobhi, Cuy picante, Fasolada und Sarma sind Gerichte aus den Herkunftsländern der POWEReinwanderer: Indien, Ecuador, Griechenland und Serbien.

Und noch etwas: Wenn man diese vier Länder auf einer Weltkarte mit Sindelfingen verbindet, entsteht ein STERN. Zufall? Wir meinen: Glücksfall!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist im Bereich der Forschung und Entwicklung von Rohbaustrukturen tätig. Außerdem ist er ein POWEReinwanderer und motiviert junge Menschen mit Migrationshintergrund. Miroslav ist ein Vorbild für eine gelungene Integration.

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