Auslandspraktikum: Studentin im Wirrwarr der Kulturen

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“ sagte einst der deutsche Dichter Matthias Claudius. Und genau das möchte ich hier tun, nämlich mit einem kleinen Einblick in mein dreimonatiges Auslandspraktikum in Malaysia.

Ich bin duale Studentin bei der EvoBus GmbH, dem größten europäischen Tochterunternehmen der Daimler AG. Von uns kommen unter anderem die Omnibusse von Mercedes-Benz und Setra. Mittlerweile bin ich in meinem fünften Praxissemester in der Fachrichtung BWL-Industrie.

Bisher habe ich schon viele Abteilungen in meinem Unternehmen durchlaufen. Vom Preis- und Produktmanagement im Aftersales, über die Logistik an unserem Standort in Mannheim bis hin zur Konzernbilanzierung. Meine vierte Praxisphase durfte ich an einem unserer vielen ausländischen Standorte verbringen. Nach reiflicher Überlegung fiel meine Wahl schließlich auf Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias.

Ready to take off

Die Reise begann kurz nach der letzten Prüfung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. So packte ich über’s Wochenende schnell meine Koffer, verabschiedete mich von meinen Lieben und schon ging es los. Mit einem etwas mulmigen Gefühl stieg ich in den Flieger. Was mich wohl 12.000 km südöstlich erwarten würde?

In Kuala Lumpur angekommen, wurde ich von tropischem Klima empfangen und machte mich auf den Weg zu meiner Wohngemeinschaft im belebten Stadtviertel Bukit Bintang. Zu meinem Glück war eine meiner Vorgänger-Studentinnen erst ein Jahr zuvor auch in Kuala Lumpur gewesen. Neben vielen hilfreichen Tipps hat mir diese auch die Nummer von ihrem damaligen Vermieter gegeben. Ein deutscher Rentner der früher in Singapur arbeitete.

Und so zog ich zufällig in das gleiche Zimmer wie sie damals. Die Lage meiner Wohnung war perfekt –  mitten im Zentrum und direkt an der „Restaurantstraße“ Jalan Alor. Der einzige Haken war der Weg zur Arbeit. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln musste ich etwa eine Stunde pro Fahrt einrechnen und die Bahnfahrten waren ein Abenteuer für sich. Zum Glück konnte ich mir aufgrund der niedrigen Lebenshaltungskosten in Asien auch ab und zu ein Taxi für umgerechnet gerade einmal 3 Euro gönnen.

Kulturelle Vielfalt und ein bisschen Chaos

Vor seiner Unabhängigkeit im Jahr 1963 war Malaysia Teil des British Empire. Daher ist Malaysia bis heute sehr international geprägt. Nur etwa die Hälfte der Bevölkerung sind tatsächlich Malaien. Ansonsten leben dort etwa ein Viertel Chinesen und außerdem indigene Völker, Inder und sonstige Ethnien. Kulturelle Vielfalt war dort also garantiert und gerade im Kulinarischen wurde dies sehr deutlich.

Einerseits waren gerade die muslimischen Frauen sehr traditionell gekleidet und trugen fast immer ein Kopftuch. Andererseits sind die Menschen dort sehr fortschrittlich in ihren Gedanken. Als Kind vom Lande habe ich die Stadt Kuala Lumpur mit seinen unzähligen Baustellen, den maßlos überfüllten Bahnen und den zahlreichen Streetfood-Ständen als ein bisschen chaotisch empfunden. Langweilig wurde einem jedenfalls nie! ;)

Im malaysischen Büro

Kurz nach meiner Ankunft war auch schon mein erster Arbeitstag bei Mercedes-Benz Malaysia. Ich durfte das malaysische (Arbeits)-Leben hautnah kennenlernen.

Mit seinen etwa 230 Mitarbeitern ist die Mercedes-Benz Malaysia deutlich kleiner, als ich es aus Deutschland gewohnt war und auch das Nutzfahrzeug-Segment ist dort lediglich eine eigenständige Abteilung. Die kulturellen Unterschiede machten sich natürlich auch im Arbeitsalltag bemerkbar. So musste ich mich zum Beispiel erst einmal daran gewöhnen, dass die Länge der Mittagspause dort eher flexibel ausgelegt wird, dafür aber unbezahlte Überstunden alltäglich sind.

Malaysisches Mittagessen mit Kolleginnen

Malaysisches Mittagessen mit Kolleginnen

Während meiner Zeit dort war ich im Aftersales im Team Ersatzteile-Nutzfahrzeuge tätig. Außer der Unterstützung im Tagesgeschäft hatte ich ein Projekt, dessen Ziel die Erarbeitung eines transparenten und konkurrenzfähigen Mengenrabatt-Systems war. Das Highlight meines Praxiseinsatzes war, als ich zum Ende meines Projektes das Ergebnis meiner Arbeit vor dem Sales und Marketing Manager präsentieren durfte.

Übertroffen wurde es nur noch vom Umstand, dass mein erarbeitetes Systems anschließend für das gesamte Nutzfahrzeugsegment genehmigt wurde. Besonders motiviert hat mich auch, wie viel mir als „German DH-Student“ von meinem Team zugetraut wurde. Anders als erwartet wurde meine typisch deutsche strukturierte Arbeitsweise nicht belächelt, sondern im Gegenteil sehr geschätzt.

Erlebnisreiche Zeit

An den Wochenenden habe ich natürlich jede Chance genutzt, um das Land und seine Nachbarländer besser kennen zu lernen. Und glücklicherweise konnte ich zum Ende meiner Praxisphase noch Urlaub miteinbringen. So habe ich im Verlauf meines dreimonatigen Auslandspraktikums die Künstlerstadt Penang, den ältesten Urwald der Erde „Taman Negara“, die berühmten Teeplantagen der Cameron Highlands und den Stadtstaat Singapur besichtigt. In meinem Urlaub habe ich außerdem noch die nahegelegenen Länder Indonesien, Thailand und Vietnam besucht und dort viel über die Kultur Südostasiens gelernt.

Teeplantagen der Cameron Highlands

Teeplantagen der Cameron Highlands

Persönliches Fazit

Meine Auslandspraxisphase in Malaysia war in vielerlei Hinsicht ein voller Erfolg! Ich habe sehr viel über andere Kulturen und deren Arbeitsweise gelernt. Gerade in einem so vielfältigen Land wie Malaysia wird der sensible und respektvolle Umgang mit kultureller Verschiedenheit täglich gelebt. Durch die Arbeit habe ich das Land auf ganz andere Weise kennen lernen können, als es in einem Urlaub möglich gewesen wäre und habe so auch schnell Freundschaften mit den „Locals“ geschlossen.

Mein besonderer Dank geht an die Ausbildung, die mir diesen Einsatz erst ermöglicht hat, sowie die älteren Studenten, welche mich bei der Planung und Umsetzung tatkräftig unterstützt haben. Außerdem geht mein Dank an die malaysischen Kolleginnen und Kollegen, die mich in ihrem Land so herzlich aufgenommen haben, und an mein Team, das mich bei der Arbeit stets unterstützt und mir ein spannendes und verantwortungsvolles Projekt anvertraut hat.

Pläne für die Zukunft

Nach meiner aktuellen Praxisphase in der Kostenrechnung geht es dann wieder an die Duale Hochschule nach Heidenheim, wo ich bis Ende Juni meine letzten beiden Theoriephasen habe. Im dritten Jahr unseres Studiums geht es in den Vorlesungen vor allem um unsere gewählten Vertiefungsfächer: Bei mir sind das Controlling und Materialwirtschaft.

Parallel dreht sich mittlerweile bei uns Studenten im letzten Ausbildungsjahr alles um die Bachelorarbeit und die Bewerbungen für eine Übernahmeabteilung. Diese Phase ist für uns natürlich besonders spannend, da sich bald entscheiden wird, wo im Unternehmen wir einmal unterkommen.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist seit 2014 duale Studentin bei der EvoBus GmbH in der Fachrichtung BWL-Industrie. Aktuell befindet sie sich in ihrem 5. Semester und wird im September 2017 ihr duales Studium beenden. Während ihres Studiums bei der Daimler AG war sie bisher in den Bereichen Aftersales Preis- und Produktmanagement, Logistik Rohbau am Standort Mannheim, Konsolidierung EvoBus Gruppe, Aftersales Nutzfahrzeuge am Standort Kuala Lumpur und im Ergebnis- und Segmentcontrolling.

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