Technologie für Fahrzeugsicherheit

Das ist also der Moment, auf den wir viele Jahre hingearbeitet haben: Vor den erwartungsvollen Blicken unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der weiteren Ehrengäste, der Presse und der Vorstandsmitglieder starte ich vom Kommandostand aus den ersten öffentlichen Crashtest. Jetzt darf nichts schiefgehen – die Fahrzeugsicherheit ist gefragt!

Thomas Weber, Winfried Kretschmann, Dieter Zetsche

Thomas Weber, Winfried Kretschmann, Dieter Zetsche

Das im matten Orange lackierte Fahrzeug fährt im grellen LED-Scheinwerferlicht auf den Prellblock zu. Frontal-Crash! Durch den Aufprall dreht sich die E-Klasse ein Stück zur Seite. Sofort danach begutachten die Versuchsmitarbeiter das Fahrzeug.

Alle Frontal-Airbags sind aufgegangen, die Fahrgastzelle ist stabil geblieben, alle Türen lassen sich leicht öffnen. Das Auto und seine Technologie, das Zusammenspiel der vielen Sicherheitssysteme kann im Ernstfall Schlimmes vermeiden. Das ist es, wofür wir Tag für Tag arbeiten!

Die Zeit im Rettungsdienst hat mich geprägt

Als Leiter des Versuchsbetriebs der Passiven Sicherheit und der Fahrzeugfunktionen habe ich auch die Gesamtprojektleitung für die Umsetzung des neuen Technologiezentrums für Fahrzeugsicherheit übernommen.

Das Thema Fahrzeugsicherheit lag mir schon immer besonders am Herzen. Denn ich habe nach meiner Mechaniker-Lehre bei der Daimler AG in Stuttgart einige Jahre als Rettungssanitäter gearbeitet und dabei vielen Verletzten nach Verkehrsunfällen geholfen. Ich habe mich dann aber entschieden, ein Maschinenbaustudium zu absolvieren und mich der Technik zu widmen.

Mein berufliches Zuhause

Welche Mühe man sich bei den Erprobungen und Unfallforschungen machte! Das war wahrlich im Geiste Béla Barényis, dem genialen Sicherheitskonstrukteur und Erfinder der „gestaltfesten Fahrgastzelle“. Dies sollte mein berufliches Zuhause werden!

Nach einigen Jahren als Ingenieur und Leiter verschiedener Teilbereiche wurde mir dann die Leitung des Bereiches „Versuch Passive Sicherheit“ übertragen. Eine großartige Aufgabe! Und so schloss sich der Kreis: Heute helfe ich mit meiner Aufgabe wieder Menschen im Falle eines Verkehrsunfalls, nämlich dadurch, dass ich mit einen Beitrag leiste, die Fahrzeuge besonders sicher zu gestalten.

900 Crashversuche pro Jahr

Mercedes-Benz war immer schon ein Pionier bei der Fahrzeugsicherheit. Über die Jahre sind die Anforderungen an die Sicherheit bei Automobilen enorm gewachsen. Und dies spiegelt sich auch in der Versuchsanzahl wider. So hat sich die Gesamtzahl der bei uns pro Jahr durchgeführten Crashtests in den vergangenen Jahrzehnten von 250 auf 700 mehr als verdoppelt.

In Zukunft planen wir, etwa 900 Versuche pro Jahr durchzuführen… Im Technologiezentrum können wir nämlich künftig sehr flexibel auf bis zu vier Testbahnen gleichzeitig testen, die längste davon misst mehr als 200 Meter. Mehrere Crashbahnen lassen sich auch kombinieren, z.B. um Fahrzeug-Fahrzeug-Versuche durchzuführen.

Virtuelle Simulationen und Crashtests

Bevor heute eine Fahrzeug-Baureihe serienreif ist, durchläuft sie etwa 15.000 virtuelle Unfall-Simulationen am Computer und rund 150 Crashtests mit echter Hardware. Im neuen Technologiezentrum für Fahrzeugsicherheit sind Tests in allen denkbaren Aufprallsituationen möglich, darunter auch Fahrzeug-Fahrzeug-Tests auch unter beliebigen Winkeln und die Erprobung von Vans, schweren LKW und Bussen. Dazu kommen Kreuzungsunfälle und Überschlag-Versuche.

Viele länderspezifische Anforderungen

Sie müssen sich das einmal vorstellen: Viele Länder haben ihre eigenen gesetzlichen Anforderungen, die im schlimmsten Fall sogar widersprüchlich sind. Das stellt uns vor große Herausforderungen. Daher können wir in der neuen Anlage mehr als 50 verschiedene Konfigurationen nachstellen. Das neue Testzentrum ist mit der Gesamtfläche von 55.000 Quadratmetern auf alle absehbaren Anforderungen der Zukunft vorbereitet.

Selbst ist das Projektteam

Mir wurde schon sehr früh klar, dass es keinen ausreichend kompetenten Generalunternehmer gibt, der unsere umfangreichen Anforderungen erfüllen kann. Daher habe ich beschlossen, die Gesamtprojektleitung selbst zu übernehmen und unsere eigenen Mitarbeiter in die Planung einzubeziehen.

Dadurch konnte das Praxiswissen aus Jahrzehnten der Crashversuchsdurchführung genutzt und zudem viele neue Ideen eingebracht werden. Wir traten mit einer ganzen Reihe von Experten und kleinen und großen Spezialfirmen in Kontakt. Nach und nach formte sich so eine große und sehr effiziente sowie ausgesprochen kompetente Projektmannschaft aus internen und externen Partnern.

Budget- und Terminplan eingehalten

Ich bin sehr stolz auf unser Projektteam: Alle Ziele wurden erreicht, alles was wir uns ins Lastenheft geschrieben haben, wurde erfüllt. Und, ganz wichtig: Wir blieben während der gesamten Projektlaufzeit im Terminplan und im Kostenrahmen!

Prof. Rodolfo Schöneburg

Ich bin davon überzeugt, dass unser neues Technologiezentrum die führende Position von Mercedes-Benz bei der Fahrzeugsicherheit weiter stärken und sogar ausbauen wird.

Dazu möchte ich die Aussage meines Chefs, Prof. Schöneburg, Leiter Fahrzeugsicherheit Mercedes-Benz Cars, zitieren:

„Bei der Konzeption des neuen Technologiezentrums für Fahrzeugsicherheit war es unser Anspruch, ein hochmodernes Sicherheitszentrum für die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte zu entwickeln. Neben den Herausforderungen von neuen Antriebs- und Fahrzeugkonzepten, werden die Analyse der Vorunfallphase und die Betrachtung von Fahrzeug-Fahrzeug-Crashs immer wichtiger. Wir setzen mit dem Sicherheitszentrum neue Maßstäbe in der Branche. Ich kenne keine Anlage auf der Welt, die so viele Möglichkeiten bietet.“

Er klopft mir anerkennend auf die Schulter und schmunzelt: „Das Thema Fahrzeugsicherheit steckt eben in unseren Genen. Béla Barényi hätte sich mit uns gefreut. So viel ist ‚sicher‘!“


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Leiter des Versuchsbetriebs der Passiven Sicherheit und der Fahrzeugfunktionen und hatte die Gesamtprojektleitung für die Umsetzung des neuen Technologiezentrums für Fahrzeugsicherheit. Nebenbei ist Professor Norbert Schaub Lehrbeauftragter an der Hochschule in Esslingen u.a. für Konstruktionslehre und Getriebelehre, derzeit in den Fächern Projektmanagement und Fahrzeugsicherheit.

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