Mobile Health – die Zukunft bleibt spannend

Den eigenen Kombi als großes Wearable zu sehen, welches ähnlich wie AppleWatch, Jawbone und Fitbit diverse Daten zur Gesundheit auswertet, mag im ersten Moment ein wenig schräg klingen. Aber ist das wirklich so weit weg von der Realität? Und was ist eigentlich Mobile Health?

Interessanterweise bieten Gesundheitsthemen in Verbindung mit dem Fahrzeug ganz neue und ungeahnte Aspekte und noch eine gehörige Menge Potential für die Zukunft der Gesunderhaltung. Massagesitze, Temperaturzonen und Komfort-Elemente sind hier erst kleine Vorboten eines wesentlich größer werdenden Bereichs.

Initiative der Zukunft

In den Vorbereitungen zu einem Daimler Digital Life TechTalk habe ich mich – als Person aus dem Healthcare Innovations-Umfeld – nun einmal stärker mit den branchenübergreifenden Themen zum Automotive Umfeld beschäftigt. Daimler Digital Life ist die Initiative von Daimler.

Die Initiative beschäftigt sich mit künftigen Technologien und Möglichkeiten von Innovation anhand digitaler Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund konnte ich mich davon überzeugen, wie ernst es dem Unternehmen mit Gesundheitsthemen ist. Das finde ich wirklich klasse! „Mobile Health“ hat seither auch für mich eine weitere Facette in der Betrachtung hinzugewonnen.

Individuelle Zeit im Auto

Stellt man sich die Frage, wie die Zukunft des Fahrzeugs aussieht und eventuell auch die Zukunft der Branche, so sind im Innovationsumfeld eigentlich hauptsächlich Denkrichtungen in Bezug auf ‚autonomes Fahren‘ zu finden. Was das im Detail jedoch bedeutet und welche Auswirkungen das auf unseren Alltag hat, hierzu findet man nur recht wenig Material.

In meiner Vorstellung sieht das so aus, dass wir in Zukunft mehr Zeit haben werden. Mehr Zeit um persönlichen Interessen nachzugehen. Denn die Zeit im Fahrzeug wird individueller. Individueller in Bezug auf das was wir tun, aber auch individueller in Bezug auf die Dinge, die unser Fahrzeug dafür leisten muss.

Eigene Charaktere auswählen

So stelle ich mir den Car-Configurator der Zukunft nicht als Farbe- und Form-Auswahl-Tool vor, sondern eher wie ein Auswahl-Menü aus einem Computer Rollenspiel. In dem Rollenspiel kann ich einen Charakter (in diesem Fall das Fahrzeug) auswählen, der gewisse Eigenschaften in unterschiedlicher Ausprägung besitzt.

Wellness 60 von 100, Edutainment 90/100, Health 80/100 Family 100/100 und Business 40/100. Ein Balkendiagramm mit den Werten zeigt mir, welche Karosserieformen zu meinem Ausstattungspaket passen und was es dann am Ende kostet.

Habe ich mich nun für einen großen Anteil an Health und Wellness entschieden, ist mein Fahrzeug entsprechend ausgerüstet. Es enthält allerlei Technologie sowie den persönlichen Innenraumaufbau, die auf das Thema einzahlen. Sensoren, Messgeräte und Diagnose-Unterstützungs-Tools zur Früherkennung von Erkrankungen können mich so, je nach Einstellung und individueller Präferenz frühzeitig auf Risiken aufmerksam machen.

Früherkennung von Krankheiten

Fakt ist – die einheitliche Messumgebung, die ein Fahrzeug heute bietet, hat definitiv Vorteile bei der Auswertung von Gesundheitsdaten. So besteht technisch bereits die Möglichkeit über eine Atemgasanalyse diverse Krebsmarker oder Erkrankungsindikatoren zu identifizieren. Somit kann ein massiver Beitrag zur Früherkennung von Erkrankungen geleistet werden.

Auch die Analyse von Genmaterial abgefallener Hautschüppchen in der Umluftanlage wird sicherlich möglich sein. Trends aus dem Healthcare-Umfeld wie die massive Verkleinerung von Analysegeräten und medizinischen Sensoren werden sicherlich auch in künftige Fahrzeugdesigns einfließen. Denn andere Wearables bieten einfach nicht so viele Möglichkeiten zur Integration.

Doch das ist sicherlich nur ein Teil, denn einige Therorien und Zukunftsforscher gehen auch davon aus, dass zukünftig Car-Sharing zunimmt. Und wir somit weniger eigene Fahrzeuge besitzen werden. Der Trend gehe zur Kurzzeit-Miete, sagt man hier. Aber wie kann ich mir das in Zukunft vorstellen?

Wie sieht es in Zukunft aus?

Gibt es dann vielleicht eine Flotte von ganz unterschiedlichen Fahrzeugen mit ganz diversen Features? Eines ist die automatisierte Apotheke, die autonom zu mir vor die Haustüre gefahren kommt. Im anderen sitzt der Hausarzt, der im neuen autonomen Mercedes-Benz Sprinter sein Behandlungszimmer eingerichtet hat und über eine Drohne direkt während der Behandlung die passenden Medikamente zur Überlassung beim Patienten erhält.

Oder geht es vielleicht auch soweit, dass diverse technische Behandlungs- und Analyseverfahren zukünftig in Fahrzeuge integriert sind und so Termin-Engpässe verhindern? Weil das MRT oder Röntgengerät zu uns nach Hause kommt? – Oder der Krankenwagen gar nicht mehr ins Krankenhaus fahren muss…

Da Ärzte schneller live auf den Patienten der im Wagen sitzt per Roboterfernsteuerung zugreifen können, umso wertvolle Zeit zu gewinnen? Auch Fahrzeuge mit 3D Druckern und Scannern, welche nach Unfällen Plastikschienen ausdrucken und direkt vor Ort anlegen, kann ich mir vorstellen. Ich denke der Palette an Services und Produktleistungen im Fahrzeug sind kaum Grenzen gesetzt.

Mental und körperlich besser

Bei allen Lösungen und auch kurzfristigen Zwischenstufen auf dem Weg dahin wird sicherlich der branchenübergreifende Austausch aufs äußerste strapaziert und gechallanged werden. Da Know-How in einem Maß zusammenkommen muss, um neue Lösungen für uns alle zu generieren, die wirkliche Mehrwerte stiften.

Wir wollen, dass jeder Mercedes-Fahrer sein Fahrzeug in einer besseren körperlichen und mentalen Verfassung verlässt, als er eingestiegen ist

sagte Dieter Zetsche erst kürzlich bei seinem IFA-Vortrag über die Fahrzeuge der Zukunft. Dieses Ziel, bzw. diese Vision für das Automobil finde ich wirklich immens wichtig. Ich glaube jedoch auch, dass es noch ein ganzes Stückchen Wegstrecke bis dahin ist. Ich persönlich finde es eine tolle Sache, das Mindset in diesem Bereich so weit zu öffnen, dass Innovation stattfinden kann. Und dass über die Gesunderhaltung hinaus, proaktiv zur Verbesserung der individuellen Gesundheit im Fahrzeug beigetragen werden kann.

Soll ich dich zu deinem Hausarzt fahren?

Es werden noch ein paar Jahre vergehen bis einige der neuen Technologien zur Norm werden und in unseren Alltag Einzug erhalten. Jedoch können schon heute schnell neue digitale Services in vorhandene Fahrzeuge per Softwareupdate oder Schnittstelle hinzugefügt werden. Ein Stück weit können wir so schon heute Services im Fahrzeug nutzen, die in Zukunft vielleicht „usus“ werden.

So glaube ich fest, dass „Health-Companions“ oder individuelle Begleitprogramme mit Spracherkennung wie Siri, Alexa oder Googles Spracherkennungssoftware zukünftig als ein wesentliches Standbein auch im Fahrzeug mit medizinischen Tools, wie Diagnose-Software für Erkrankungen verankert sein werden. Das morgendliche

Wie geht es Dir heute? Ich messe eine um 2 Grad erhöhte Körpertemperatur. Soll ich Dich zu Deinem Hausarzt fahren oder Dich online mit Ihm verbinden?

als Kommentar vom eigenen Fahrzeug, ist nicht mehr so weit entfernt. Für den schnellen Rollout solcher Technologien kann man sicherlich auch Car-Sharing Programme als Technologie Rollout Plattformen betrachten.

Als Fazit für mich ziehe ich aus der Betrachtung von Automotive Health den Schluss, dass ich davon überzeugt bin, die „Mobilitätsrevolution“ im Healthcare-Umfeld steht vor der Tür. „Mobile Health“ bietet weit mehr als die Interpretation von mobilen Services auf dem Smartphone.

Das Fahrzeug wird in Zukunft vielleicht DAS Tool für die Gesundheit.


Anmerkung der Redaktion:

Wie steht es in diesem Zusammenhang eigentlich um den Schutz der persönlichen Daten?
Bereits bei der Konzeption von vernetzten Diensten berücksichtigt Daimler hohe Datenschutzstandards. Dabei werden Kunden vielfach und transparent informiert, wann welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden, z.B. in der Betriebsanleitung. Außerdem entscheidet der Kunde selbst, welche Dienste er nutzen will und welche Daten er weitergeben möchte – per Einwilligung, Vertrag oder Knopfdruck. Und nicht zuletzt gelten diese Sicherheitsansprüche auch für die Datensicherheit von vernetzten Fahrzeugs selbst.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Für die Werbeagentur Schmittgall berät er Healthcare Kunden im Marketing und fördert sie beim „Spiel“, um den besten Platz im Markt zu erobern. Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, ist es ihm wichtig, die Rahmenbedingungen unter denen sich das „Spiel“ in den nächsten Jahren verändert, zu kennen. Daher geht er in seiner übrigen Zeit in der Innovationsberatung in ansprechenden Projekten unter Hydrospanner-Technologies und dem Interdisziplinären Austausch unter Science-Innovation nach. Er bezeichnet sich als "Healthcare Optimist", da er glaubt, dass die Branche noch viele positive Dinge bringen wird...

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