Mercedes-Benz of Miami

Mein Opa hat immer gesagt: „Da wo es schön grün ist, da regnet es auch oft.“ Jetzt will ich meinem Opa natürlich nicht widersprechen und schließlich war er ja auch noch nie in Florida, aber ich sehe immer nur Sonne und strahlend blauen Himmel. Ja, und es ist grün und heiß, sehr heiß. Florida eben. Aber Regen? Keine Spur – Willkommen in Miami!

Thunderstorm

Doch heute Morgen ist alles anders. In bin im Hotel beim Frühstück und auf dem TV-Bildschirm erscheint eine fesche Lady. Mit einem strahlenden Lächeln sagt sie für heute einen Thunderstorm vorher. Nein, nicht einfach nur Regen, sondern einen ausgewachsenen Thunderstorm. Doch da lasse ich mich nicht bluffen.

Wir sind hier nicht in der Eifel oder in Norddeutschland, sondern in Florida. Dem Sunshine State! Manchmal sehe ich zwar ein paar dicke, dunkle Wolken, aber wenn ich nochmal hinschaue, sind sie weg und die Sonne strahlt vom blue sky. Also: Nicht mit mir meine Dame, mir jagst du keine Angst ein, mit deinem Donnersturm.

Ich fahre offen und ich habe auch noch ein ganz besonderes Ziel: Mercedes-Benz of Miami! Ich meine, wie das schon klingt? Ist das nicht richtiger Sound in den Ohren? Da muss doch jedem, der den Stern im Herzen trägt, ganz warm werden, oder? Nochmal zum Mithören:

Mercedes-Benz of Miami!

Na gut, entweder ihr versteht mich, oder eben nicht. Dann halt weiter im Text.

Ich hätte ihr glauben sollen

Auf jeden Fall cruise ich bei strahlendem Sonnenschein auf den Highway und werde gleich von einer Gruppe Harley-Fahrern überholt. Die haben sich anscheinend extra fein gemacht. Oder sind das Polizisten in Sonntagsuniform? So wie damals Bud Spencer und Terence Hill mit weißem Hemd und beiger Hose. Dazu die langen schwarzen Lederstiefel. Das sieht natürlich edel aus und einige Autofahrer bremsen auch gleich richtig heftig ab, um die coolen Biker zu bewundern. Oder gibt es noch einen anderen Grund?

Oh, oh, vor mir sehe ich dicke, dunkle Wolken und weitere Wagen bremsen ab. OK, ich habe verstanden. Das war diesmal kein Bluff, die schicke Lady im Fernsehen hatte wohl doch Recht. Heute gibt es richtig was auf die Mütze. Meine Sonntagsuniformharleybiker haben auch schon auf dem Pannenstreifen angehalten und fummeln ganz hektisch an ihren Packtaschen rum. Ich glaube nicht, dass ihnen das viel helfen wird, denn in diesem Augenblick kommt es schon ganz dicke: Thunderstorm!

Mercedes-Benz of Miami

Aber ich brauche nicht in das Unwetter hineinzufahren, denn meine Abfahrt zur Niederlassung von Mercedes-Benz of Miami liegt bereits direkt vor mir. Gerade als ich auf das Gelände biege fängt es auch hier an zu regnen und ich mache schnell das Dach zu. Das nenne ich Timing! Jetzt aber hopp, hopp. Stilecht, mit Sonnenbrille (trotz Regen), kurzer Hose und Flip-Flops laufe ich durch die automatischen Eingangstüren, während hinter mir die Welt unterzugehen scheint.

Die Sonnenbrille brauche ich jetzt zwar nicht mehr, aber in Florida hat ja jeder so´n Ding dabei. Also. Doch zurück zur Niederlassung. Hier drinnen bin ich erst einmal in einem anderen Universum. Nein, da hängen nicht zwei lässige Verkäufer am Tresen der Empfangsdame, weil gerade nichts zu tun ist, das ist hier schon etliche Nummern größer.

Coole Stimmung in der Hütte

Auf dem Gelände sind, grob geschätzt, ein paar hundert Autos. Eher mehr. Und Verkäufer rennen hier rum, bestimmt an die zwanzig. Da hat mich auch schon einer entdeckt und kommt freudestrahlend auf mich zu. Ich stelle mich kurz als Mercedes-Touri aus Good old Germany vor und mein neuer Kumpel ist ganz begeistert.

Er heißt Chris ist Salesmanager und sein Begleiter, er sieht eher aus wie sein Bodyguard, soll mich herumführen und mir beim Fotografieren helfen. OK, warum nicht. Chris will solange mal schnell einen Nummernschildrahmen für mich holen. Klasse, das klappt hier ja fantastisch. Die Stimmung ist für so einen frühen Samstagmorgen auch hervorragend. Coole, ganz schön laute Musik, und alle scheinen gut drauf zu sein. In einem der Glasbüros, tanzt sogar eine Dame vor dem Schreibtisch. Ihre Kollegen lachen. Ich kneife mich mal unauffällig in den Arm. Nee, alles klar, kein Traum.

Dann sind sie einfach weg

Ich bin so gefangen in dieser etwas anderen Welt, dass ich gar nicht mitbekommen habe, wie sich mein Bodyguard und neuerdings auch Fotografierhelfer, abgeschwanzt hat. Auch von Chris meinem Salesmanager und Nummernschildverstärker-Beschaffer fehlt jede Spur. Jetzt bin ich doch etwas enttäuscht. Aber vielleicht haben die Jungs auch irgendwo „schweres Geschäft“ und das geht schließlich vor.

Der Rubel, in diesem Fall der Dollar, muss schließlich rollen, ist doch klar. Wenn die Kollegen hier keine Autos verkaufen würden, bräuchten wir keine Wagen zu bauen und das wäre schlecht. Mal so ganz platt formuliert. In der riesigen Ausstellungshalle stehen nicht nur Mercedes, nein, auch ein paar hochwertige Renner anderer Marken sind vertreten. Ich fotografiere gerade ein Maserati Cabrio, als ich wieder angesprochen werde.

„Der frühere Besitzer fährt jetzt einen SL 63 AMG“, sagt eine freundliche Stimme hinter mir und ich glaube schon, in das Gesicht von Chris oder dem Bodyguard zu blicken, wenn ich mich umdrehe. Doch weit gefehlt, jetzt lerne ich schon den dritten Mitarbeiter von Mercedes-Benz of Miami kennen. Laut Namensschild habe ich es gegenwärtig mit José zu tun. Er kommt näher und fragt mich, was er für mich tun kann.

Na gut, wenn er unbedingt möchte, kann er mir gerne eine Nummernschildverstärkung holen. „Klar, kein Problem, dürfen es auch zwei sein? Und noch Schrauben dazu“? „Äh, nein danke. Keine Schrauben, aber die Rahmen wären klasse. Thanks José!“ Er grinst und verschwindet in den Weiten der hinteren Räumlichkeiten. Nicht, das es da ein schwarzes Loch gibt und ich meine gerade erst begonnene neue Freundschaft mit José auch noch zu den Akten von Chris und dem Bodyguard legen muss. Aber meine Angst ist unbegründet.

Friends

My new friend kommt mit den Rahmen zurück und überreicht sie mir so feierlich, als wären es die Schlüssel zu einem neuen Mercedes. Ich bin gerührt und weil José so freundlich zu mir ist, bitte ich ihn einen Augenblick zu warten. Ich renne durch den Regen zu meinem Auto und hole ein kleines Geschenk für ihn.

Für solche Fälle habe ich doch noch etwas aus alten Armeebeständen: Einen Mercedes-Kalender aus Deutschland! Nochmal zurück durch den warmen Regen und schön darauf achten, dass das empfindliche Geschenk nicht nass wird. José blickt mich erwartungsvoll an und ich versuche ihm den Kalender mit ebenso viel Würde zu überreichen, wie er es mir vorgemacht hat. Es scheint zu klappen und José ist total von den Socken.

Tränen und Abschied

Dann liegen wir uns wie zwei ganz alte Freunde in den Armen und können unsere Tränen nicht mehr zurück halten. Na ja, vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber bevor José mich jetzt für heute Abend zum Essen einlädt, um mich seiner ganzen Familie vorzustellen, verabschiede ich mich aus „meiner“ Niederlassung von Mercedes-Benz of Miami! Der Regen hat noch einmal zugelegt und zurück im Auto wechsele ich erst einmal mein nasses T-Shirt. Es regnet immer noch und so lege ich meine Füße auf das Armaturenbrett und freue mich über meine neuen Nummernschildrahmen. Aber das ist erst der Anfang.

Ich habe noch ein paar Touren in Florida geplant und wenn mir unterwegs eine Mercedes-Benz Niederlassung über den Weg läuft, werde ich mit Sicherheit mal kurz reinschauen. Auf dem Highway werden gerade die Autos per Abschleppwagen entfernt, die den Thunderstorm nicht so gut überstanden haben wie ich. Dann kommt die Sonne wieder raus und tut so, als wäre nichts gewesen.

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sein Kürzel „HDW“ (für die Nicht-Nordlichter: Anspielung auf Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH= HDW). Er arbeitet im Werk Bremen und schreibt gern über seine Reisen, „sein“ Werk und kleine Alltagserlebnisse an der Waterkant.

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