Mit der Generation Y in die Zukunft des Vertriebs

Forschung ist wichtig, Praxis ebenso. Und am besten verbindet man Beides. Hier ein konkretes Beispiel: Führungskräfte aus dem Vertrieb bei Mercedes-Benz möchten sich mit jungen Menschen und kreativen Ideen aus der Generation Y auseinandersetzen und mögliche Antworten auf die Megatrends im Automobilvertrieb erhalten. Das Projekt hört auf den Namen „Go Innovative 2016“

Automobilwirtschafts-Studierende „auf der anderen Seite“ brennen darauf, sich und ihre frischen Ideen den TOP-Unternehmen der Automobilwirtschaft vorzustellen. Die automobilwirtschaftlichen Studiengänge an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen legen seit jeher besonderen Wert auf praxisnahe Forschung.

Parallel ist die Daimler AG mehr denn je auf der Suche nach Hochschulabsolventen mit frischen Ideen. Warum also nicht gemeinsame Sache machen und eine Win-Win-Win Situation für alle Beteiligten erzeugen? Das war die Initialzündung für das Kooperationsprojekt „Go Innovative 2016“.

Neue Wege betreten

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Automobilwirtschaft (IFA) stehe ich in unterschiedlichen Belangen in intensivem Austausch mit den HR-Mitarbeiterinnen des Mercedes-Benz Vertriebes in Berlin, die für die Nachwuchssicherung im konzerneigenen Vertrieb (Mercedes-Benz Retail) verantwortlich sind. Zielgerichtete Fachvorträge an der Hochschule, Exkursionen oder die Präsenz auf Karrieremessen zählen zu den gängigen Formate des Employer Brandings und sind zweifelsohne effektive Formen des hochschulnahen Personalrecruitings, aber mittlerweile auch die Regel.

Das grundlegende Prinzip ist bei diesen Aktivitäten letztlich immer das gleiche: Die Unternehmen präsentieren sich den Studierenden, während diese mit der klassischen Bewerbungsmappe in der Hand um die Gunst des Unternehmens buhlen.

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Danach beginnt der Selektionsprozess: Hält der Bewerber den Kriterien des Unternehmens stand, dann lautet das Ergebnis Praktikum, Werksstudententätigkeit oder gar Direkteinstieg. Falls nicht, trennen sich die Wege häufig langfristig. Schön, aber eben auch klassisch, wenn nicht sogar etwas korrosionsgefährdet.

Nur ein kleiner Ausschnitt des Bewerberfeldes lernt die Unternehmen persönlich kennen und die Bewerberauswahl ist nicht selten von Effizienzbestrebung und Kostengesichtspunkten überschattet. Können die Unternehmen die Arbeitsweise, die fachliche Eignung – geschweige denn die sozialen Kompetenzen – im Rahmen eines solchen Prozesses tatsächlich beurteilen? Gibt es denn keine Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Studierenden in intensiven Austausch zu gelangen und dabei als Unternehmen selbst zu profitieren?

Doch, „Go Innovative“ gelingt genau dieser Spagat und schafft einen Mehrwert für den Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland, Studierende und Hochschule.

Vier Fliegen mit einer Klappe

Die Zutaten lauten: Sechs Projektthemen, sechs Führungskräfte des Mercedes-Benz Retail, 40 Studierende der Automobilwirtschaft der HfWU Nürtingen-Geislingen und Wissenschaftler des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Die Projektthemen wurden von oberster Stelle des Retail benannt und sollen letztlich Antworten auf die Megatrends im Automobilvertrieb liefern:

  • Digitalisierung in allen Facetten,
  • veränderte Anforderungen der Kunden an den Fahrzeugkauf und -nutzungsprozess,
  • neue Player und neue Mobilitätskonzepte
  • oder die Elektromobilität.

Die Projektleitung übernimmt je eine Mercedes-Benz Führungskraft, die sich in der Zusammenarbeit mit jungen Talenten und durch die Arbeit an Zukunftsthemen verproben.

Benefit 1: interne Personalentwicklung. Die Automobilvertriebsexperten am Institut für Automobilwirtschaft begleiten die Projektausarbeitung aus der Forschungsperspektive.

Benefit 2: Praxisnahe Forschung und Lehre in den automobilwirtschaftlichen Studiengängen. Die Mitarbeiterinnen des HR-Bereiches betten die Projektarbeiten in ein abwechslungsreiches, semesterumfassendes Rahmenprogramm aus Kick-Off Meeting, Mid-Term-Slam und Grand Final ein. Dadurch stehen sie ein halbes Jahr lang in intensivem Kontakt mit den Studierenden – und lernen sie im Arbeitskontext als auch bei gemeinsamen Aktivitäten neben der Projektbearbeitung kennen.

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Benfit 3: Employer Branding und Recruiting. Think Tanks, Denkfabriken, Innovation Labs oder Kreativforen sind nicht nur im Automobilvertrieb in aller Munde. Über die Hälfte der 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands arbeiten regelmäßig mit Universitäten zusammen und wollen hierdurch frische Ideen in die Betriebe einholen, um die Anforderungen der Kunden von morgen frühzeitig in Erfahrung zu bringen. Kein geringeres Ziel verfolgen auch die Projektarbeiten:

Benefit 4: Antworten auf die Herausforderungen im Automobilvertrieb für die Kunden von morgen erhalten.

Roadbook zu „Go Innovative“

Gleich zu Semesterstart wurde die neue Kooperation den Studierenden in den Geislinger Lehrsälen von einer Vertreterin des HR-Bereiches vorgestellt. Die involvierten 40 Studierenden aus dem automobilwirtschaftlichen Bachelor- und Masterprogramm wussten bis dahin noch nicht, was sich hinter der etwas ungewöhnlichen Kursbezeichnung „Go Innovative“ verbirgt. Als Incentive integrierte Studiendekan Professor Reindl die Projektarbeit in den Lehrplan – am Ende erhalten die Studierenden also eine Note.

Kick-Off-Event: Mehr als nur „Hausarbeit“

Das große Kick-Off-Event fand im November, jenseits der normalen Lehrsaal-Atmosphäre, in einer Stuttgarter Galerie für zeitgenössische Kunst, statt. Die Führungskräfte des Mercedes-Benz Retail stellten die Projektthemen den Studierenden vor und „pitchten“ um deren Interesse. Das Werben um die Teammitglieder blieb von den Studierenden nicht ungehört und schon die Gruppeneinteilung zeigte, dass es hier um mehr als „nur“ um eine Hausarbeit geht.

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Thinking outside the box

Mit Workshops zu Kreativtechniken – thinking outside the box – oder der virtuellen Zusammenarbeit innerhalb der Projektphase wurde der Grundstein zur Zusammenarbeit zwischen den Führungskräften von Mercedes-Benz und den Studententeams aus Geislingen gelegt.

Persönlich bin ich sehr gespannt, ob diese vielversprechenden Projektmanagement-Tools auch wirklich zur zentralen Kommunikationsplattform avancieren, oder ob wieder auf die vertraute E-Mail und das Telefon zurückgegriffen wird. Auch hier sehe ich einen großen Lerneffekt für alle Projektbeteiligten, nicht zuletzt auch für mich.

Beschnuppern

Am zweiten Kick-Off Tag zogen sich die Projektteams in die vertrauten Hochschulräume zurück, wo nach dem „Beschnuppern“ des ersten Tages, eine deutlich intensivere Arbeitsatmosphäre spürbar war. Schon in dieser frühen Phase der Projektbearbeitung wurde schnell der Wettbewerbsgeist zwischen den Gruppen deutlich. So hatten wir uns das auch vorgestellt.

Punkten im Boxring

Nach einer achtwöchigen Arbeitsphase muss im „Mid-Term-Slam“ Farbe bekannt und der Projektstatus präsentiert werden. Den entsprechenden Rahmen liefert der Boxring des Boxclubs Sindelfingen – die Punkterichter heißen Reindl und Maier. Nach weiteren sechs Wochen werden wir zum großen Finale nach Berlin reisen und die Projektarbeiten müssen den kritischen Blicken der hochkarätig besetzten Jury Stand halten. Die Gewinnerprojekte werden in die Vertriebspraxis des Mercedes-Benz Retail einfließen – die meines Erachtens größte Auszeichnung für eine Studienleistung, die ich mir in meinem Studium hätte vorstellen können.

Bogen zwischen Forschung & Branchenpraxis

Ich bin davon überzeugt, dass es uns mit „Go Innovative“ gelingen wird, den Bogen zwischen Forschung, Branchenpraxis, Personalrecruiting und Personalentwicklung zu spannen. Weiterhin erhoffe ich mir ganz persönlich Impulse aus den Projektarbeiten für meine Dissertation, die eben genau diesen Fragen der zukünftigen Strukturen im Automobilvertrieb nachgeht.

„Wer wird im Jahr 2030 was im Automobilvertrieb machen?“, so lautet meine vereinfachte Forschungsfrage. Die Generation Y, also die heutige Studierenden-Generation, wird auf diesem Weg ein bedeutendes Wort mitzureden haben. Go Innovative bietet den Kunden von morgen die Chance, bereits heute ihre Anforderungen an einen Automobilhersteller im Jahre 2030, womöglich auch Mobilitätsdienstleister genannt, zu adressieren.

Go Innovative verstehe ich daher nicht nur als schicken Programmtitel, sondern vielmehr als konkreten Arbeitsauftrag, die Zukunft selbst mitzugestalten.

Challenge accepted!


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Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Automobilwirtschaft (IFA) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

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