AMG – 50 Jahre und unzählige Geschichten: Teil 2

Auf geht’s in den 2. Teil der AMG Historienrunde (Teil 1): Die 70er Jahre machen deutlich, wir kommen aus dem Motorsport! Mit dem 8-Zylinder M 100, der ab 1968 im Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 eine der schnellsten Serienlimousinen der Welt antrieb, ergibt sich nicht nur Kunden-, sondern auch Motorsportpotential.

Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher machen aus einem gebrauchten, früher in Stuttgart zugelassenen dunkelblauen 6.3, einen knallroten „Obendrüber-Rennsportwagen“ mit 6.8 Litern, der den Racern in Spa unmissverständlich die Leistungsfähigkeit der drei Buchstaben „AMG“ demonstriert.

Ein unfassbarer Erfolg, der mir immer noch Gänsehaut bereitet!

300 SEL 6.3

Weg von den früheren Gewohnheiten

Plötzlich ist in der Nische des Motorsports, die Daimler-Benz aufgrund der Priorität der Personenwagen-Entwicklung nicht mehr besetzt, wieder ein Team unterwegs, das von Anfang an für den Stern auf der Rennstrecke lebt. Der Erfolg beim 24 Stunden Rennen im belgischen Spa bringt neben der Bewunderung aber auch Fragen in Bezug auf die Anpassungen auf: Kotflügelverbreiterungen, Zusatzscheinwerfer, Sponsorenaufkleber usw. Dinge, die man bislang vom Spitzenprogramm des Mercedes-Benz Pkw Programms 1971 nicht gewohnt war.

Sportliches Temperament

Der Motorsporterfolg bringt Reputation. AMG investiert in die Weiterentwicklung seines Kundenprogramms. Zahlreiche Privatkunden kommen ab den 70er-Jahren zu uns. Meist mit ihren 6- und 8-Zylindern der neuen Generationen Strich-Acht (W 114), SL und SLC (R/C 107) sowie S-Klasse (W 116), um das sportliche Temperament der Fahrzeuge herauszukitzeln. Ihre individuellen Wünsche werden seit 1976 in Affalterbach realisiert – stets unter Wahrung hoher Standards von Mercedes-Benz. Die bewährten Eigenschaften der Fahrzeuge mit dem Stern erhalten durch AMG eine zusätzliche Prise Sportlichkeit.

AMG Affalterbach 1976

AMG Affalterbach 1976

Nach den Wünschen der Kunden

Das Unternehmen AMG wird damals ganz klar vom Motorsporterfolg angetrieben, um irgendwann hoffentlich wieder im Motorsport weiterzumachen. Zunächst aber müssen Motoren, Fahrwerke und Bereifungen optimiert und das wirtschaftliche Wachstum zusätzlich durch Kundendienst- und Werkstattarbeiten aller Art gesichert werden.

Mitte der 70er Jahre werden zunehmend optische Modifikationen verlangt: Spoiler, Schweller, Mattschwarz statt Chrom – Stereo, TV, Sportlenkrad. Der Kunde wünscht, AMG entwickelt, liefert und wächst.

AMG 500 CE

Ende der 70er-Jahre erscheint der Motor M 117. Nach Jahrzehnten steht wieder ein 5-Liter-Aggregat bei den großen Mercedes-Benz Modellen mit serienmäßigen 240 PS zur Verfügung. Erhard Melcher analysiert es, modifiziert es und dann wird es auch in die Mittlere-Klasse-Baureihe W 123 implementiert, etwa in einen AMG 280 CE 5.0. Später auch als AMG 500 CE bezeichnet.

In den 80er-Jahren festigt sich in Affalterbach immer mehr der Motorenbau. Dieser stellt stets ein Faktor einzigartiger AMG Entwicklung, Leistungsentfaltung und Exklusivität dar.

Erfolg in fünf Rennen: AMG 450 SLC

Am Ende des Jahrzehnts kann AMG auch wieder Motorsport betreiben. An den Start geht das vom Likörhersteller Mampe unterstützte große Coupé AMG 450 SLC. Ein spartanisches Interieur, reichlich PS, mächtige Spoiler und Karosserieverbreiterungen samt Überrollkäfig sind die Vorgaben für beachtliche Erfolge in fünf Rennen in den Jahren 1978 bis 1980.

Dabei wird gekonnt improvisiert: Ich erinnere mich – heute unvorstellbar – dass ein Affalterbacher Gipsermeister die Aerodynamik-Teile als Positiv für die Anbauteile aus Glasfaser und Kunststoff formte. Das Renn-Schwergewicht SLC wird durch raffinierte Maßnahmen im Gewicht optimiert, doch große Belastungen bleiben für die Bremsen.

AMG 450 SLC Mampe

AMG realisiert maximale Potentiale auf der Rennstrecke und knüpft mit dem V8 erfolgreich an den 6.8 an. Die Piloten heißen einmal mehr Hans Heyer und Clemens Schickentanz sowie Jörg Denzel. Und die Wiederkehr der Silberpfeile ab 1978 geht eindeutig auf das Konto von AMG.

Wie es wohl in den 80er Jahren weiter ging? Dazu mehr in Folge 3, versprochen!

 

 

 

 

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