Filmfestival: Ohne Grenzen – Without Borders

Ich habe mich sehr über den Gewinn des Ausschreibens im Daimler- Intranet von zwei Karten für das Filmfestival in Bad Saarow gefreut. Mit dem Thema des Festivals „Ohne Grenzen – without Borders“ durfte auch ich mich in meiner bisherigen 36-jährigen Lebenserfahrung immer wieder auseinandersetzen. Beim Festival wurden über mehrere Tage einige Kurz- und Dokumentarfilme zum o.g. Thema gezeigt.

Die Diskussionsrunde, die von Barbara Schöneberger moderiert wurde, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Vier Schauspieler (u.a. Alexandra Maria Lara, deutsche Schauspielerin rumänischer Abstammung) berichteten dabei über ihre Erfahrungen. Der Fokus lag dabei auf deren Herkunft, Wurzeln und das Gefühl von Heimat, welche durch diverse Umstände, Personen und Wohnorte geprägt wurde.

Barbara Schöneberger, Valentin Platareanu, Alexandra Maria Lara, Lorna Ishema, Ronald Zehrfeld

Von Bukarest nach Berlin

Insbesondere der Vater von Alexandra Maria Lara, Valentin Platareanu, der mit seiner Familie aus Bukarest floh, berichtete über viele spannende Erlebnisse. In seinem Heimatland als Schauspieler tätig und gleichzeitig Vizedirektor des Staatlichen Theaters in Bukarest, ging er seiner Leidenschaft auch in Deutschland nach. Er gründete in Berlin-Charlottenburg die Schauspielschule und war dort als Schauspiellehrer tätig. Insofern ist er sich, obwohl er an einem anderen Ort tätig ist, immer treu geblieben.

Valentin Platareanu, Alexandra Maria Lara

Geprägt von der Heimat

Besonders interessant waren die Unterschiede, die ihm an der Mentalität der Menschen aufgefallen sind. Es wurden einige „Schubladen“ geöffnet. Obwohl er selbst sehr ordentlich, diszipliniert und pünktlich ist, (diese Eigenschaften werden in der Regel als „typisch deutsch“ bezeichnet) fühlt er sich im Herzen immer noch sehr verbunden mit den rumänischen Menschen.

Die Rumänen sind ihm vom gesamten Wesen sehr sympathisch und gastfreundlich. Im Gegensatz zu einer deutschen Werkstatt würde man dort als Kunde mit einem „pragmatisch“ wieder zusammengeflickten Fahrzeug aus der Werkstatt entlassen werden. Damit man nach einigen Kilometern mit der nächsten Panne vom nächsten netten Werkstattmitarbeiter mit einem lockeren Spruch begrüßt werden könne.

Barbara Schöneberger, Valentin Platareanu

Die Verbindung zu seinem Heimatland war immer noch deutlich zu spüren, obwohl er auch froh war, den dortigen Zwängen entfliehen zu können.

Im Gegensatz zu Herrn Platareanu hatte ein weiterer Talkgast, Lorna Ishema, eine Schauspielerin mit afrikanischen Wurzeln, die seit ihrem fünften Lebensjahr in Deutschland wohnt, offensichtlich keine allzu großen Ambitionen, nach Uganda zurückzukehren, um dort nach ihren Wurzeln zu suchen. Jedoch auf Grund ihrer andersfarbigen Hautfarbe fühlte sie sich während ihres Urlaubs auf dem afrikanischen Kontinent zumindest was ihr Aussehen angeht, dort als „eine von vielen“.

Alexandra Maria Lara, Lorna Ishema

Alexandra Maria Lara, Lorna Ishema

Kindheitsgefühle wie bei Mutti

Es war sehr sympathisch, dass es für viele Personen ein Stück Heimat bedeutet, in das Elternhaus zurückzukehren, um sich dort nach dem obligatorischen Blick in den Kühlschrank, auf das heimische Sofa zu setzen, sich das Gefühl von Kindsein am Mittagstisch zurückzuholen und nach der Bewirtung durch die Mutter satt und glücklich auf der Couch zurückzulehnen. Man hat gemerkt, dass viele der anwesenden Gäste sofort vor ihrem bildlichen Auge den Kartoffelsalat der Mutter hatten oder den Duft des Bratens aus dem elterlichen Ofen förmlich rochen. Unabhängig davon, in welchem Land oder Haus sie mittlerweile selbst mit ihren eigenen Familien wohnen.

Mir ging es nicht anders

Auch ich konnte die angesprochene Zerrissenheit nachvollziehen, da ich zwar in Berlin geboren und aufgewachsen bin, meine Eltern jedoch beide polnische Wurzeln haben und bereits seit vielen Jahrzehnten in Deutschland leben.

Ich bin von klein auf zweisprachig erzogen worden, habe sowohl viele deutsche als auch polnische Freunde. Dies ist vor allem dadurch bedingt, dass ich neben dem deutschen Abitur in den Nachmittagsstunden auch meinen polnischen Schulabschluss machte.

Erziehung mit zwei Kulturen

Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, bin hier zu Hause, arbeite und erziehe meine zwei Töchter hier. Es ist für mich jedoch auch von enormer Wichtigkeit, dass ich ebenso meinen Kindern die polnische Sprache beibringe,  sie mit der polnischen Küche in Berührung kommen und auch polnische Kontakte außerhalb der Schule (u.a. Ferienausflüge zu Bekannten und Familienangehörigen) pflegen.

Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, bin hier zu Hause, arbeite und erziehe meine zwei Töchter hier.

Ich habe glücklicherweise so gut wie nie die Erfahrung machen müssen, mich hier in Deutschland als Außenseiter zu fühlen. Ganz im Gegenteil: Sobald ich mit anderen Menschen in Kontakt trete, ist oft großes Interesse da und es dauert nicht lange, bis mich Personen fragen: „Was heißt denn auf polnisch „Guten Tag“ oder „Danke“? Nebenbei erwähnt, es heißt „Dzien dobry“ und „Dziekuje“. Ich habe in meinem Leben jedoch nicht nur Grenzerfahrungen hinsichtlich meiner zwei Heimatländer machen müssen.

Aufgewachsen im Ostteil Berlins

Da ich 1980 in Berlin geboren wurde, habe ich meine Kindheit in einer Stadt verbracht, welche durch die Mauer geteilt war. Ich bin im Ostteil Berlins großgeworden, wo ich mich durch meine Mitschüler und Freunde gut integriert fühlte.

Heute bin ich sowohl polnische als auch deutsche Staatsbürgerin und sehr stolz darauf, bereits seit 17 Jahren im international aufgestellten Daimler-Konzern Mitarbeiterin zu sein. Meine Sprachkenntnisse kann ich damit sowohl im privaten, als auch im dienstlichen Bereich immer wieder nutzen. Da ich dienstlich mit fremdsprachigen Unterlagen zu tun habe (z.B. Überprüfung von ausländischen europäischen Firmen auf Scheinunternehmerschaft), hilft mir meine Zweisprachichkeit.

Heimatliche Gefühle im Dienst

Und ganz nebenbei gesagt – auch durch dienstliche Telefonate können heimatliche Gefühle ausgelöst werden. Ich erinnere mich sehr gern an ein Gespräch mit einem Mitarbeiter eines Daimler Truckstores in Polen zurück. Wohingegen man hier in Deutschland immer mit Herr/Frau und dem jeweiligen Nachnamen angesprochen wird, wurde ich von dem polnischen Kollegen mehrfach mit „Frau Katarzyna“, also der Anrede sowie meinem Vornamen angesprochen, wie es in Polen gängig ist. Wahrscheinlich konnte ich trotz des polnischen Dialogs auch meinen deutschen Einschlag nicht verbergen, denn mir fiel erst im Nachgang auf, dass ich ihn zwar mit der Anrede „Herr“ angesprochen hatte, mir trotz allem dabei doch sein Nachname rausgerutscht ist. Aber so ist das Leben mit mehreren Kulturen und Sprachen… glauben Sie mir: Es macht Spaß!

 

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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Seit 1999 ist sie im Unternehmen tätig. Sie absolvierte ihre Kaufmännische Ausbildung zur Automobilkauffrau in der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin, wo sie im Anschluss in der Pkw-Disposition und Kaufmännischen Kundenbetreuung tätig war. Während dieser Zeit machte sie parallel ein Abendstudium zur Betriebswirtin an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Im Jahre 2008 wechselte Katarzyna Wegeleben in die Mercedes-Benz Vertriebsorganisation Deutschland, dort zunächst zu Charterway. Heute ist sie seit mehreren Jahren im Bereich FMS/D tätig und zuständig für die Prüfung von europäischen Firmen auf Scheinunternehmerschaft.

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