Liebe geht durch den Wagen

Autos, die gewaschen sind fahren besser. Oldtimer, die gewaschen sind, fahren noch besser und sind ein wahrer Augenschmaus. Oldtimer, die nicht gewaschen werden, gibt es gar nicht, denn: Liebe geht durch den Wagen.

Die erste Mercedes-Regel heißt demnach: Alles immer tip top, das Tool heißt nicht der Schraubenzieher, sondern Picobello. Um diesen schwerelosen Glückszustand der ultimativen glänzenden Lack-Sauberkeit zu erhalten, braucht man nur eines: die Waschstraße seines Vertrauens. Ein vor Seifenblasen strotzendes, komplett durchchoreografiertes Lammfell-Ballet in Sauberschaum.

Statt Fliegenschiss mit Spucke quietschend wegzurubbeln, wird in der Waschstraße dafür gesorgt, dass ein solcher schon gar nicht mehr auf der Oldtimerhaut landet, denn die Zauberformel heißt Platinveredelung. Kein Moos versteckt sich mehr in nanomilimeter großen Ritzen, kein fieser Laubabdruck und nichts verstoffwechseltes von einer Taube, die das falsche gegessen hat, während wir leider das Coupé unter ihrem Heimatbaum geparkt haben.

Waschstraßenabhängigkeit

Um ehrlich zu sein: ich bin waschstraßenabhängig. Einmal in der Woche rücke ich an, nie am Samstag, weil alle anderen Abhängigen dann da sind. Das war aber nicht immer so, denn  eigentlich habe ich einen Höllenrespekt vor diesen blubbernden Schaumtunneln. Das änderte sich mit einem jungen Mann, den ich so kennenlernte:

Ich bin immer leicht in Panik in der Waschstraße, dass ich nicht schnell genug den Gang rein oder raus kriege (und das bei Automatik), Fenster auf und wieder zu, Antenne rein oder weg oder was, Gas nein oder doch ein wenig mehr – irgendwie anstrengend. Und dann ist ja schon das andere Fahrzeug fast hinten an der Stoßstange… Also mache ich immer kurz meine Fahrertür auf, wenn es ans Bezahlen geht. Ich rufe dann nur ganz schnell und laut:

GutenTagBittefür10EuroDanke

Tür wieder zu. Dann passierte folgendes – „Da bist Duu jaaaa mein Traum, oh Mann, so schöööön.“ – „Wie bitte – Waaaaassss?“

„Du fährst meine Traumauto.“ – „Echt? Ja, super Daimler ist das.“ – „Komm, kriegst Du Platin“. Wow, Platin – dauert genau so lange, aber beim Rausfahren fährt sich der Mercedes noch besser.

Waschstraßenalptraum

So bekam mein 380 SLC das, was ihm zustand und ich mehr Vertrauen in die Waschstraße, weil ich ja jetzt jemanden kannte, der es gut mit uns meinte. Zu früh gefreut, denn dann passiertes das, was ich keinem wünsche: Alle Alpträume von Blondinenwitzen wurden wahr.

Ich war wieder auf meinem Platintrip und da ich ja gerne an Ampeln und eben auch in Waschstraßen das Autoinnere aufräume und putze habe ich wohl mit dem Knie das Lenkrad leicht gedreht als ich mich zum Beifahrersitze gebeugt habe. Dann gab es einen Ruck. Und noch einen. Der war aber noch schlimmer als der davor.

Dann gab es auch noch ungesunde Geräusche. Das Lammfell-Ballett schien nichts bemerkt zu haben. Der Rest der Waschstraßen-Gang auch nicht.

Aus der Spur geraten

Ich war komplett aus der Spur geraten, nein gesprungen und hing zwischen dem Sprühautomaten, Einschampoonieren und dem Glanzschutz auf einer Augenhöhe. Das Lenkrad drehte sich einfach selbständig mal leicht nach links und rechts. Der ultimative Alptraum. Es war drei Minuten vor 19 Uhr, ich war die letzte in der ganzen Anlage. Und keiner kam. Bis auf mein Herzrasen. Ich habe mich schon in meinen Coupe übernachten sehen, hätten die Jungs mich da morgens rausgezogen. Immerhin wäre das Auto noch sauberer als sonst.

Dann kamen sie angerückt – die drei von der Waschstraße. Ich glaube, die haben sich wahrscheinlich noch  so nie so kaputtgelacht, ich konnte mir so richtig vorstellen, was die gesagt haben als die mich in ihrer Kamera gesehen haben. (Das sind doch Kameras oder?).

Der Oldtimer hing völlig verstört mitten drin als dann endlich das Ballett Pause hatte, sah ich an den drei Gesichtern, dass es auch nicht gut um uns stand. Ich weiß nicht wie, aber ich habe es geschafft, mit Vollgas – rückwärts! – wieder in diese doch recht hohe Schiene zu kommen. Es gab dann wieder einen Ruck und diese Geräusche.

Ich habe mich tausendfach bedankt und ich hörte die Jungs noch antworten, dass auch Männer hier regelmäßig hängenblieben. Aber das hilft alles nichts. Aus der Waschstraße fallen ist peinlich.

In der Freiheit angekommen, stand da Mister Platin, lächelte und sagte zu mir durch das geöffnete Fenster: „Mach nicht mein neues Auto kaputt. Hier hast du Gutschein.“


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Aufgewachsen in Deutschland, groß geworden in Afrika und Indonesien. PR Volontariat in Hamburg, danach Studium der Kunstgeschichte in Düsseldorf abgeschlossen. Es folgte die Spezialeinheit bei Abels & Grey im Bereich Medienstrategie. Selbstständig seit 2003 als Texterin, nein, textschwester! Zahlreiche Veröffentlichungen, Vorträge sowie Moderationen zu Kunst, Lifestyle. Mitglied in verschiedenen Jurys. Gründung des Studiengangs Modejournalismus an der Akademie Mode und Design, NRW. Neu: Content-Chefin vom neuen Axel Springer Piloten NRW Select 2015.

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