Montana liegt im Nordschwarzwald

Wenn man keine Lust hat an überfüllten Flughäfen anzustehen, in Mega-Staus auf der Autobahn den Urlaub zu beginnen oder in seinem Hotel auf Mallorca seinen urlaubenden Lieblingsgerichtsvollzieher zu treffen, bleibt einem nur eine einzige Alternative: Als Extremreisender mit einem Unimog-Expeditionsmobil nach Patagonien, Alaska, Montana oder eben den Nordschwarzwald.

Die Social Media Kollegen und die Nutzfahrzeugpresse veranstalteten schon mehrmals ein Sleep-out mit Bloggern – das heißt, sie übernachteten in Mercedes-Benz-Wohnmobilen oder Lkw-Fahrerhäusern vor dem Mercedes-Benz Museum oder im Europa-Park Rust.

Dieses Jahr hatten Jörg Zwilling und ich die Idee, mit wilderen Fahrzeugen in einer wilderen Umgebung mit Extremst-Reise-Journalisten unsere Fahrzeug-Palette in ihrer „natürlichen Umgebung“ vorzustellen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde ein Wochenendprogramm für sechs Reisejournalisten gestrickt.

Stationen waren das Unimog-Museum in Bad Rotenfels bei Gaggenau, dem Offroad-Testgelände Ötigheim und eine Lichtung auf dem Gipfel eines Schwarzwaldberges.

Als Fahrzeuge boten wir einen Actros 1863 LS mit der größten Schlafkabine, einen hochgeländegängigen Unimog U 2450 mit Merex-Expedition-Aufbau, einen Unimog U 4023 mit Bi-Mobil-Aufbau, einen Zetros 2733 6×6-Dreiachser, einen Oldtimer LK 914 4×4, den „Otto – das G-Modell welches mit Gunter Holtorf 216 Ländern der Welt besucht hat, einen Vito Marco Polo Campingwagen und als kleinstes Campingmobil den Citan des Autors.

Der Nordschwarzwald

Die Reisejournalisten veröffentlichen in führenden Reisemobilmagazinen, auf der Onlineseite des großen Stuttgarter Automobilmagazins, und in Reiseblogs aus Europa, Amerika und Asien. Und für die ist der Schwarzwald, wir für uns Australien oder Namibia, etwas exotisches und geheimnisvolles.

Für uns Veranstalter ist der Nordschwarzwald als touristisches Ziel so wichtig, weil er im Schnittpunkt des Untertürkheimer Mercedes-Benz-Museums, der Sindelfinger Werksführungen, des Gaggenauer Unimog-Museums und der Rastatter Kundencenters liegt.

Ganz entscheidend ist, dass der Nordschwarzwald eng mit der Entwicklung des Unimogs verbunden ist. Die Arbeiter die im Murgtal den Unimog seit Anfang der 1950er Jahre bauen, wohnen auch dort. Ihre Charakterzüge, wie Fleiß und Genauigkeit, sind eng verbunden mit den alten Handwerkskünsten im Schwarzwald, wie beispielsweise dem Uhrenbau.

Das Universal-Motor-Gerät

Genau auf diese Historie ging der Mentor des Unimog-Clubs und des Unimog-Museums Michael Wessel auf der ersten Station des Abenteuerwochenendes ein. Der Unimog ist eine Fahrzeuglegende, ein Alleskönner der seinesgleichen sucht und hat eben sogar ein eigenes Museum. Seit 70 Jahren ist das „Universal-Motor-Gerät“ weltweit unterwegs, unterstützt das THW im Katastrophenfall, räumt, mäht und transportiert für den kommunalen Einsatz oder ist bei Expeditionen im Ausland ein treuer Begleiter.

Dass er dieses Alter jemals erreichen wird, hat ihm anfangs so gut wie niemand zugetraut, doch der Mythos um den Unimog hält weiter an. Kurzweilig und kenntnisreich vermittelt Michael Wessel, wie der Unimog nach Kriegsende im sogenannten Morgenthau-Plan Deutschland zu einem reinen Agrarland umwandeln sollte.

Claudio Lazzarini aus Chur, einem Museumsfreund der ersten Stunde, stellte seinen seltenen, frühen Unimog mit Fronthackgerät vor, den er in einer Schweizer  Scheune entdeckt hatte und mit eidgenössischen Mitstreitern restaurieren konnte. Das Unimog-Museum liegt direkt an der B462 zwischen Gaggenau und Rastatt, bei Bad Rotenfels. Das Mitfahren mit einem hochgeländegängigen Unimog ist auf einem speziellem Parcours ist möglich.

Spielwiese für schweres Gerät und große Jungs

Die zweite Station des „Sleep-out Abenteuerwochenendes“ war das Daimler-Offroad-Testgelände Ötigheim. Hier werden  die Allradfahrzeuge des Konzerns – vom G-Modell über den Unimog – bis zu vierachsigen Mercedes-Benz Kippern getestet und Kundengruppen vorgeführt. Für die Reisejournalisten stellten wir eine G-Klasse, einen hochgeländegängigen Unimog U 5023 und einen dreiachsigen Zetros 2733 6×6 zur Vorführung und für die Selbstfahrt zur Verfügung. Damit sollten die Journalisten das Gespür bekommen, was diese Fahrzeuge leisten können, wenn sie mit diesen in den Wüsten und Geröllpisten auf allen fünf Kontinenten unterwegs wären.

Die anspruchsvollen Streckenabschnitte auf dem Off-Road-Parcours zeigen auf eindrucksvolle Art die Stärken des legendären Unimogs und des Zetros – und selbst die ehemals als Nutzfahrzeug entwickelte G-Klasse hält hier mit seinen Geländeigenschaften durchaus im Vergleich noch gut mit.

Das Testgelände ist eine riesige Spielwiese für schweres Gerät und große Jungs: Rampen mit Steigungen von 60, 70 oder sogar 80 Prozent und unterschiedlichen Untergründen, wie Geröllfelder wie nach einem Erdbeben oder Treppenstufen, stehen ebenso bereit, wie Wasserdurchfahrten und extreme Fahrwerksverwindungsstrecken.

Unimog und Zetros: Die können was

Der Unimog als hochgeländegängige Ausführung verfügt über Besonderheiten, wie die Portalachsen, der geschweißte Rahmen, das Schubrohrkonzept und die Achsverschränkung von bis zu 30 Grad. Sie machen den Unimog so robust, so dass er auch auch mit extremen Gelände problemlos zurecht kommt. Günstige Werte bei Böschungswinkel (vorn 44 Grad, hinten 51 Grad), Rampenwinkel (34 Grad) und der Steigfähigkeit (bis 110 Prozent) sind ein weiterer Pluspunkt in unbefestigtem Gelände, die seit Generationen überzeugt.

Dazu kommen die Watfähigkeit von maximal 1,20 m und ein seitlicher Neigungswinkel von 38 Grad. Die Fahrt in Extremsituationen mit zugeschaltetem Allradantrieb wird unterstützt von den zuschaltbaren Differenzialsperren und der Reifendruckregelanlage – alle Punkte zusammen machen den hochgeländegängigen Unimog zu diesem einmaligen Nutzfahrzeug der sich überall auf der Welt bewährt.

Unimog

Eine Spur größer und schwerer geht es mit dem Zetros, quasi der Geländewagen unter den Trucks und mit einem überlegenen Off-Road-Konzept für das aller schwerste Gelände ausgestattet. Neben permanenten Allradantrieb bietet er eine hohe Bodenfreiheit, Einzelbereifung, gleich drei Differenzialsperren sowie ein zweistufiges Verteilergetriebe. Die maximale Achsverschränkung beträgt 2 x 500 mm, die Watfähigkeit bis zu 1190 mm und die Steigfähigkeit liegt bei sagenhaften 80 Prozent.

Sein Können zeigt der Zetros dazu überragend auf dem werkseigenen Offroad-Parcour in Ötigheim, wo unser Zetros 2733 als 6×6 für seine Größe und sein Gewicht von rund 10 Tonnen mit einer sagenhaften Leichtigkeit über und durch jegliche Hindernisse fährt und man als Beifahrer, oder auch mal von außen stehend, nur staunen kann.

Über Unwetter zu den Gipfeln

In der Vorrecherche fanden wir das optimale Übernachtungsgelände auf dem privaten Grubhof bei Wolfach. Er ist nahe am neu eröffneten Nationalpark Nordschwarzwald, der in Anlehnung an die Vorbilder in den USA, von Park Rangern geführt und kontrolliert wird. Nach 110 km über Autobahnen und Landesstrassen sind wir als Konvoy von Gaggenau dorthin gefahren.

Im Radio wurde genau für diese Region eine Unwetterwarnung ausgesprochen, die auf dem Weg auch über uns hereinbrach. Weltuntergang, Blitze und Aquaplaning quälten uns auf dem Weg in die Natur. Gottseidank hatte sich das Wetter schnell ausgetobt.

Als wir über schmale Waldstrassen, so schmal, dass der Zetros und die Unimog die gesamte Straßenbreite einnahmen, uns auf der Baumwipfelgrenze aus dem tropisch dampfenden Wald, dann steil nach oben, wo`s urig und ursprünglich ist vorarbeiteten, sahen wir uns 800 Meter über den Wolken, die tief unter uns vom Sturm getrieben durch das Kinzigtal pfiffen.

Wie in Montana

So hat Jörg Zwilling unsere Campinglocation beschrieben.

Die Fahrzeuge parken im Halbkreis um den wettergeschützten Unterstand  – inmitten von Solitärtannen, Ginster und wildem Wacholder. Noch einer ist hier dabei: Otto, der blaue 300 GD, Baujahr 1988 – und sein Besitzer Gunter Holtorf, hier gleich Hahn im Offroad-Korb, Special Guest und Weltenbummler, der hier das letzte Mal seine weitgereiste G-Klasse vorführt mit dem er in 26 Jahren durch 126 Länder fuhr, bevor das Millionen-Kilometer Fahrzeug ins Mercedes-Benz Museum kommt.

Als es dunkel wird, geht es zum gemütlichen Grillen und Anstoßen über. Fernreisegeschichten werden ausgepackt, Apoorva, der Gründer der indischen „The Outdoor Journal“, gibt dramatische Klettererfahrungen im Himalaya zum Besten.

Dauerfernreisender Gunter Holtorf kann freilich am meisten erzählen, von seiner Reisesucht, die noch längst nicht zu Ende ist. Nun, da „Otto“ ins Museum kommt, hat der ehemalige Lufthansa-Landeschef von Südamerika sich zwei weitere G-Klasse angelacht, und will wieder auf die Piste.

Presseveranstaltungen gehen auch spartanisch

Gäste wie Gastgeber gönnen sich schon in aller Samstagsfrühe einen (zum Glück starken) Kaffee. Der bringt alle schnell auf Trab, ebenso wie die Vierbeiner, die gerne an den Frühstückssemmeln gekaut hätten und die unser „Facility Manager“ mit Cowboyhut dank den letzten Resourcen schließlich perfekt ablenkt. Und nachdem der Frühnebel endlich die Biege gemacht hat, können alle zu guter Letzt eine malerische Aussicht ins Tal genießen.

Es war wohl die einfachste Daimler-Presseveranstaltung die es jemals gab, denn einige Teilnehmer schliefen auf der kargen Pritsche des Zetros in harten Feldbetten. Bequem hatte es hingegen der Autor in seinem Citan: Auf der Ladefläche eine reale Concord-Matraze, unter dem Regenschutz Klappstuhl und -tisch. Und das Gepäck in der Dachbox.

Alle, die mit von der Partie waren – Blogger, Weltenumfahrer und Veranstalter – waren begeistert und hoffen im nächsten Jahr auf eine Fortsetzung. Eine tolle Gedankentausch- und Erlebnisbörse, dazu an einem wirklichen alternativen Übernachtungsort, der keine Weltreise erfordert, ganz dicht beim Daimler in Stuttgart.

 


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Er ist Pressesprecher für Nutzfahrzeuge.

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