Von Düsseldorf zur Challenge Galway

Mit Leib und Seele Düsseldorfer: Ich arbeite seit 36 Jahren. Und das in dem  Werk, in dem heute der weltbekannte Mercedes-Benz Sprinter hergestellt wird. Angefangen habe ich mal im Lenkungsbau als Zerspaner. In der Sprinter Montage bin ich nun als Meister für den Bereich Drehhecktüren und Dachaufbauten, wie zum Beispiel Dachklimaanlagen zuständig.

Der Laden muss laufen und ich auch

Als Meister muss ich dafür sorgen, dass der Laden läuft. Qualität und Ausbringung müssen stimmen. Mitarbeiterführung ist die Hauptaufgabe und als Meister ist man oft der erste Ansprechpartner bei Problemen, sei es im beruflichen wie im privaten Bereich. In enger Abstimmung mit meinen Gruppensprechern werden täglich Maßnahmen vereinbart und umgesetzt, um die Vorgaben und  Ziele, die wir uns gesetzt haben auch zu erreichen.

Ich finde, dass es wichtig ist, sich im Leben Ziele zu setzen. Und da ist die Verbindung zu meinem Hobby, sprich meinen sportlichen Aktivitäten, dem Triathlon. Um die sportlichen Ziele zu erreichen, trainiere ich Schwimmen, Radfahren und Laufen, nicht irgendwie, irgendwo oder irgendwann. Nein … ich habe Pläne, wie ich zu trainieren habe. Summiert man die Wochenstunden an Training, so kommt für mein „Hobby“ ganz schön viel zusammen.

Dies ist nur mit Disziplin und einem durchgetakteten Tag erreichbar. Dank Zwei-Schichtdienst habe ich die Möglichkeit, dies vor oder nach der Schicht zu erledigen. Da wird sogar auch einmal der Weg zum Daimler für eine Trainingseinheit auf dem Rad oder mit den Laufschuhen genutzt.

Auf nach Irland zum Ironman

Nach dem Motto „warm können alle“, ging es dieses Jahr nach Irland zur Langdistanz (3,8/180/42,2): Schwimmen, Rad fahren, Laufen. Genauer gesagt zur Challenge Galway im Westen der schönen Insel. Als „Supporter“ mit dabei sind meine Tochter Laura und Frau Gabi.

Damit das alles „schön rund“ wird, haben wir gleich für zwei Wochen eine Wohnung in Galway bezogen. Also eine Woche tapern und nach dem Wettkampf eine Woche chillen. In diversen Pubs und auf einem „Rock the Docks“ Festival haben wir die irische Mentalität kennen- und schätzen gelernt.

Zeit, um die Wettkampfstrecken zu erkunden blieb dann auch noch. Was sofort auffiel, war der teilweise sehr ruppige Asphalt und der mit 15 °C recht raue Atlantik. Oh, und natürlich der Wind.

Rechne mit dem Schlimmsten

Das Wetter war hier bei den „Eisenmännern“ ein großes Thema. In einem Internetforum wurde schon Tage vorher die eventuell eintretende Wetterlage diskutiert.

Rechne mit dem Schlimmsten und freue dich wenn es besser wird,

war meine Devise. Freuen brauchte ich mich morgens am Race-Day dann nicht. Beim Start hatten wir 14 °C Lufttemperatur und leichten Regen. Wobei es ein typisch irischer Regen war. Soll heißen: Die Wassertropfen schwebten praktisch in der Luft und man spürte gar nicht, wie man langsam nass wurde. Durch Probleme mit einer Wendeboje startete der Wettkampf mit 22 Minuten Verspätung, um 6.22 Uhr.

Wenn die irischen Starter Kampfschreie ausstoßen

Vorher wurden die 346 Starter von einem irren irischen Moderator eingepeitscht. Die irischen Starter stießen plötzlich gemeinschaftlich Kampfschreie aus und mir wurde etwas mulmig. Im Wasser war dann alles wie immer, nur mit 14,8 °C etwas frischer.

An den Bojen das gewohnte Gedränge. Hier konnte ich dann auch mal die „Heiko Bojen Wendetechnik“ anwenden. Die Suche nach dem nächsten Seezeichen war bei dem Seegang nicht einfach. An einer Boje auf der zweiten Schwimmrunde kam es dann tatsächlich zu einen kleinen Diskussion, in welche Richtung es denn nun weiterging.

Nach 1:05h und als 77. Starter ging es für mich raus aus dem Wasser. Für die 600m bis zum T1 – Transitionpoint – und dem Wechsel aufs Rad brauchte ich neun Minuten.

Wer friert, der fährt zu langsam

Lautstark von Laura unterstützt klappte der Wechsel gut. Als 64. ging es aufs Rad. Der Wind auf der Radstrecke war wie vorhergesagt. Aus dem Westen blies er. Also, mit Seitenwind auf in Richtung Süden.

Zuerst auf Hauptverkehrsstraßen und dann auf kleinen Landstraßen. Die 180-Kilometer-Runde war nicht abgesperrt. Auf den kleineren Straßen auch kein Problem. In den Ortschaften standen ein paar wetterfeste Zuschauer und die „Garda“ regelten die zügige Durchfahrt. Dort war der sehr schlechte Asphalt das „Hauptrollhindernis“.

Fünf Mal mussten wir halsen (in eine andere Windrichtung wechseln). Gut, dass ich den mittleren Teil vorher schon mal abgefahren bin. Somit konnten mich die Steigungen und die ruppigen Abfahrten nicht schocken. Wegen dem rauen nassen Straßenbelag waren diese Abfahrten nur mit gemäßigtem Tempo sturzfrei zu bewältigen. Wie ich aber im Ziel gesehen habe, wohl nicht von allen Teilnehmern. Übrigens waren meine Daumen von dem Gerüttel auf der Radstrecke auch nach dem Marathon im Ziel noch taub.

Auf der ganzen Radstrecke hatte ich immer gut Druck auf den Pedalen. Die letzten 70 km mit Rückenwind auf dem „Wild Atlantik Way“ waren ein Genuss. Wobei das Wetter sehr irisch war. Regen, Nebel, Wind und ein bisschen Sonne. Gefroren habe ich aber nie. Wer friert, der fährt eben zu langsam.

Lauf, Oke!

3 min für den letzten Wechsel.Wieder mit Lauras Beschallung. Als 20. ging es nun auf die 42,2 Kilometer lange Laufstrecke. Die 5,5 Kilometer lange Wendepunkt-Strecke führte 2 Kilometer durch die City und der Rest an der Promenade entlang. Hin gegen den Wind und zurück natürlich mit dem Wind. 5:40 min/km war das geplante Anfangstempo … hab ich aber nicht hinbekommen. Wurden auf den ersten vier Kilometern 5:30 min/km. Dann konnte ich auf 5:10 bis 5:20 min/km beschleunigen.

5

Die Stimmung war prima, immer wieder das „well done“ und „enjoy your race“ von den Zuschauern.

Enjoy your race

Ich genoss das Rennen wirklich. Das Training der letzten acht Monate zahlte sich heute aus. Besonders die Strecke durch die Stadt und durch den Zielbereich waren der Hammer. Mittendrin immer Gabi und Laura.

Laura & Red Bull

Nebenbei: Ein Brite meinte, dass Laura ja wohl betrunken wäre. Ich konnte ihn beruhigen, es waren nur die sechs RedBull, die sie zum Aufputschen getrunken hatte. Zu meiner Verpflegung: Mit Gel und Wasser beim Laufen war ich sehr sparsam, weil ich schon oft Magenbeschwerden davon bekommen habe. Bei Kilometer 29 hatte ich einen kleinen Hänger. Hab dann auf „Cola“ umgestellt und es lief wieder.

Auf den letzten zehn Kilometern kam es dann noch zu einem Fight mit einem Australier. Wie sagte ein Freund mal in einer ähnlichen Situation zu mir: „Oke … denk an dein Alter“. Ich ließ den jungen Mann (AK35) dann ziehen.

Im Ziel!

3:43 Stunden für den Marathon, so schnell war ich in keiner meiner neun Langdistanzen. Gesamt: 10:50:12 Stunden (swim 1:04:58 / t1 0:08:52 / bike 5:50:09 / t2 0:02:56 / run 3:43:18) und somit 18. in der Gesamtwertung von 346 Teilnehmern, 1. in der Altersklasse über 55 und bester Deutscher. Besser geht nicht.

Wobei, doch: als ich einlief, schoss Deutschland bei der EM gerade das 1:0 gegen Slowenien, wie ich dank Laura nicht überhören konnte. Gefeiert wurde am Montag auf der After-Race-Party mit den Helfern und Teilnehmern. Dort habe ich dann noch die irisch-deutsche Plank-Meisterschaft gewonnen.

Mein besonderer Dank geht an meine Familie, die mich in den letzten Monaten unterstützt haben. Besonders der Support am Race-Day war erstklassig.

Danke an Michal Dzikowski für die Fotos! // Thanks to Michal Dzikowski for the photos!


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