Zwischen Fashion und Flammen

Berlin, Ende Juni. Ich kenne keine andere Stadt, in der so viele Kontraste nebeneinander existieren. Egal ob Designer-Stores auf dem Kudamm, Hipster-Boutiquen in Kreuzberg oder Trödel-Flohmärkte in Wedding, in Berlin findet jeder seine Nische. Einen Einblick in die bunte Welt der Mode bekomme ich im Erika-Heß-Eisstadion, denn hier findet die Mercedes-Benz Fashion Week statt.

Modisches Vorwissen

Bisher kannte ich nur das Bild, das von zahlreichen Bloggern und YouTubern transportiert wird: Bekannte Designer mit ihren Kollektions-Models festgehalten im Blitzlichtgewitter unzähliger Fotografen. Obwohl ich selbst modebegeistert bin, konnte ich damit bisher recht wenig anfangen. Wer sind die Menschen, die hier unterwegs sind und mit welchem Ziel?

Ich hatte bereits die Gelegenheit, ein bisschen Modeluft zu schnuppern, als Model für die Modedesign-Studenten der HS Pforzheim. Es ist eben nicht damit getan, ein Model in ein Kleid zu stecken und es auf den Laufsteg zu schicken. Hinter einer Kollektion steckt viel Arbeit, angefangen von der Idee zur Skizze, über das Muster bis zum Probeschnitt. Anschließend folgen mehrere Anproben mit dem Model und Änderungen an dem Kleidungsstück, bis es perfekt sitzt.

Und dann bei der Show, geht alles ganz schnell: ab ins Make-up, erstes Outfit anziehen, hast du die Tasche zum Kleid und wo ist eigentlich der zweite Schuh? Bei der ganzen Hektik hatte ich noch nie zuvor die Gelegenheit eine Fashion Show auch mal anzusehen. Ich war neugierig, wie das ganze Spektakel aus der Rolle des neutralen Beobachters auf mich wirken würde.

Das liebste Spielzeug

Die Mercedes-Benz Fashion Week wird ja in gewisser Weise beäugt. Im Mittelpunkt steht oft die Frage:

Autos und Mode: Wie passt das denn zusammen?

Zu den liebsten Kritikpunkten gehören sicherlich die Kosten des Events oder auch das Schaulaufen diverser Promis auf dem „roten Teppich“. Das schließt ja nicht aus, dass es doch Gemeinsamkeiten zwischen Autodesign und Fashiondesign gibt und sagt noch lange nichts darüber aus, wie man beides miteinander verbinden kann.

Persönlich denke ich, dass beides ganz viel miteinander zu tun hat und besonders in Bezug auf Lifestyle ein echtes Dreamteam sind. Mal ehrlich: das liebste Accessoire einer Frau ist sicherlich ihre Handtasche, aber wie sieht es bei den Herren aus? Als ich für ein paar Tage die Gelegenheit hatte, mit einem roten SLC unterwegs zu sein, war das passende Kleid auch nicht zufällig ausgewählt. Es war natürlich rot.

Und würden Menschen Zeit und Energie darauf verwenden, zu überlegen, welche Ziernähte am besten zur Lack- und Sitzfarbe ihres Autos passen, wenn der modische Look des Wagens egal wäre? Bestimmt nicht.

Deshalb denke ich, dass man zwischen den beiden Bereich Auto und Mode viele Parallelen erkennen kann. Wer denkt, dass ein Modedesigner bei seiner Arbeit einfach munter drauf los schneidet und neue Stoffteile wahllos wieder miteinander vernäht, der irrt. Genauso wenig tut das ein Autodesigner, wenn er ein neues Fahrzeug entwirft. Präzision, Detailverliebtheit, Ästhetik sind in beiden Berufen essentiell.

Mercedes & Mode: harmoniert schon seit den 20ern

CLA in Flammen

Besonders deutlich wurde mir das durch den Fashion Film der Kampagne „Burning-Desire“.

Zu sehen sind Eliot Sumner und ihre Freundin Lucie von Alten zusammen mit dem neuen CLA Coupé. Eliot Sumner ist die Tochter von Gordon Sumner alias Sting und selbst Musikerin, Lucie Von Alten arbeitet erfolgreich als Model; die beiden sind seit 2015 ein Paar. Auf den ersten Blick empfand ich den Film als polarisierend und verwirrend: inszenierte Silhouetten, bissige Hunde, düstere Atmosphäre.

Man muss sich auf diese Stimmung und Atmosphäre einlassen und sich in ihren Bann ziehen lassen. Das Auto und die Mode gehen eine Symbiose ein: Das Feuer spiegelt sich im Lack des CLA, in den goldenen Details der Kleidung und in den Augen der Frauen. Für mich absolut überzeugend und echt, denn der Funke springt nicht nur im Film über. Ein (feuer-)roter Faden zieht sich durch den Film und die Verbindung zwischen den beiden Frauen symbolisiert die Verbindung der beiden Welten, das Auto und die Designs.

Persönlichkeit statt Posh

Noch nicht angekommen im Fashion-Feuer? Dann hilft vielleicht der Fashion Talk. Gemeinsam mit Wolfgang Schattling, Senior Expert Mercedes-Benz Marketing, Regisseur Christian Larson, Designer David Koma und den beiden Darstellerinnen entsteht eine Pressekonferenz der etwas anderen Art. Im Vordergrund stehen die Eindrücke der Beteiligten vom Dreh und ihre Persönlichkeiten. Sie wirken wie ein Team.

Sowohl Sumner als auch Von Alten haben Erfahrung vor der Kamera, doch dieser Shoot war besonders. Der Dreh fand in der Nacht statt und das Feuer im Film ist echt! Um sowohl das Auto als auch die Protagonistinnen vor den Flammen zu schützen, wurden spezielle Stoffe verwendet, die auch von Stuntmen getragen werden.

Aber ich habe schon immer gerne ein bisschen mit dem Feuer gespielt.

so Eliot Sumner.

Mein persönliches Highlight des Fashion Talks: Auf die Frage, wie sie ihre nächsten Tage in Berlin noch verbringt, erzählt Sumner, dass sie nie einen Rückflug bucht, wenn sie in der Stadt ist und dazu am Wochenende ein Festival in der Nähe ist. Ich wurde hellhörig, denn im Anschluss an die Fashion Week stand bei mir mein Lieblings-Festival, die Fusion, an. Sie war dann tatsächlich auf dem gleichen Festival wie ich und das macht sie mir echt sympathisch, ein ganz normaler Mensch eben.

@fusionfestival_official

Ein von Eliot Sumner (@eliotsumner) gepostetes Foto am

Das Angebot auf der Mercedes-Benz Fashion Week war zu Beginn für mich eine kleine Reizüberflutung. Stände verschiedenster Beauty- und Lifestyleprodukte bieten Tester an, sogar Hairstyling und Maniküre zwischen den Shows sind möglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Laufsteg allerdings noch gar nicht gesehen, dafür aber die Mercedes-Benz Lounge.

Zwischen den Shows haben die Gäste hier die Möglichkeit ein bisschen zu entspannen, Eindrücke zu verarbeiten und sich auszutauschen. Apropos  Gäste; Wer geht denn zur Fashion Week? Die sozialen Netzwerke und Medien werden dominiert von den bekannten Fashionbloggern oder Werbegesichtern der Branche, die mal schnell ein Foto auf Instagram posten oder ihre Follower live via Snapchat mit zur Show nehmen.

Ich habe viele interessante Menschen getroffen, die meisten davon kommen aus dem Fach-Journalismus für Mode, sowohl für Print- als auch für Online-Magazine. Hier geht es dann weniger um die Berichterstattung über die Veranstaltung selbst, sondern mehr um die gezeigten Kollektionen der Designer.

Aufgehender Stern: Wataru Tominaga

Seit 2012 ist Mercedes-Benz einer der Hauptpartner des Internationale Festival für Mode und Fotografie in Hyères, das aufstrebende Designer fördert. Gewonnen hat dieses Jahr Wataru Tominaga. Der 28-jährige Japaner hat Berlin mit seiner farbenfrohen Kollektion im Sturm erobert.

Ich hatte die Gelegenheit, ihn Backstage direkt vor seiner Show zu treffen. Obwohl er nervös war – Berlin war erst seine zweite Show überhaupt – war mein erster Eindruck: der reinste Perfektionist. Vor der Show bügelt er nochmal selbst alle Kleidungsstücke seiner Kollektion.

Kein Model geht auf den Laufsteg, an dem er nicht nochmal kurz alles zurecht gezupft hat. Typisch Designer, ich musste schmunzeln, weil mir diese Angewohnheit so bekannt vorkam. Denn als Laie erkennt man niemals einen Unterschied zwischen vor oder nach dem Zupfen.

Im Interview erzählt er unter anderem von seiner Leidenschaft für Mode, was ihn inspiriert und welche Gemeinsamkeiten er zum Autodesign sieht. Außerdem zeigt er mir backstage das Lieblingsteil seiner Kollektion.

Backstage mit Boris

Fast genauso wichtig wie das perfekte Outfit: Das Make-up! Das Maybelline-Team rund um Boris Entrup hat backstage einen wahren Beauty-Tempel aufgebaut. An den Wänden reihten sich die Schminktische aneinander, an denen die Models für die Show gestylt wurden. Ich war versucht, mich einfach auch dazu zu schmuggeln  und mir ein professionelles Styling verpassen zu lassen… aber  als Reporterin muss frau ja „professionelle Distanz“ wahren. Also nur gucken, nicht „anmalen“….

Boris Entrup kennen die meisten wahrscheinlich nur aus Germany’s Next Topmodel als den lockigen Side-Kick von Heidi Klum. Hier war er ganz in seinem Element und sehr vertieft in seine Arbeit. Make-up ist eben auch ein bisschen mehr als nur bunte Farbe ins Gesicht malen, es dient zur Unterstreichung des persönlichen Typs. Und obwohl die Looks, die die Models bei der Show tragen werden schon im Vorfeld mit den Designern festgelegt sind, nimmt sich der Stylist Zeit für jedes Model. Harmonieren die Farben mit dem Hautton und welcher Lippenstift passt zu ihrer Augenfarbe? Selbst der Nagellack ist auf das Gesamtbild abgestimmt.

Kleider machen Leute

Jetzt bin ich wieder zurück in Stuttgart, weit weg von all den Designern, Models und Fotografen. Aber ich habe ganz viel mitgenommen aus Berlin. Ich bin sensibilisiert für die Menschen um mich herum, betrachte die Leute auf der Straße durch eine andere Brille. Das ist nicht oberflächlich gemeint, sondern eher interessiert und neugierig. Denn es geht nicht darum, den teuersten Designer-Namen auf seinem Polo spazieren zu tragen, sondern vielmehr um Persönlichkeit und wie man sie mit Mode unterstreichen kann.

Natürlich beurteilen wir Menschen oft im ersten Moment nach ihrem Äußeren, die berühmten „inneren Werte“ kommen später – hoffentlich. Aber ein Mensch, der sich in seiner Klamotte wohl fühlt, wirkt einfach „echter“, als jemand, der Birkenstocks nur trägt, weil es gerade mal wieder in ist.

Der klassische Dresscode verliert zunehmend an Bedeutung, untragbar ist fast ausgestorben. Die Mode entwickelt sich ständig weiter, aber was Mode ist, entscheidet letztlich jeder für sich selbst. Und ich gebe meiner Mutter ja nur ungern recht bei dem Satz: „Das kommt alles wieder! Sowas haben wir früher schon getragen.“ Aber es stimmt.

Das Rad wird nicht neu erfunden, nur vielleicht ein bisschen anders zusammengesetzt. Mode ist etwas sehr lebendiges, erweckt durch die Menschen, die sie kreieren, entwerfen und tragen. Wie eben auch bei den Autos: Sie leben durch die Technik und durch die Formgebung, die Ingenieure und Designer ihnen verpassen.Manchmal krönen sie die Figur bei Menschen, manchmal drückt es etwas.

Jedenfalls: Mercedes & Mode? Das passt.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie studiert im 5. Semester Online-Medien-Management an der Hochschule der Medien in Stuttgart und macht ihr Praxissemester bei Daimler in der Online-Kommunikaton. Neben dem Studium ist sie aktiv auf Twitter, Instagram, Snapchat, YouTube und bloggt auf ihrer Website www.celina-kunhardt.de.

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